Guns N´ Roses - Greatest Hits - Cover
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Guns N´ Roses Greatest Hits


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Endlich... endlich ist es raus: Das neue Album der Hard-’n’-Heavy-Legenden Guns N’ Roses. Doch wer allen ernstes erwartet, dass es sich dabei um das seit rund fünf Jahren kursierende Werk „Chinese Democracy“ handelt, ist genau so schief gewickelt wie Frontmann Axl Rose, der glaubt, mit einer beinahe monateweise wechselnden Besetzung die Ur-Gunners auch nur annährend ersetzen zu können. Mit einem „Greatest Hits“-Album will die Plattenfirma nun die Ungeduld der immer noch riesigen, weltweiten Fangemeinde mildern und natürlich ein paar Dollar verdienen, munkelt man doch in Fachkreisen im Zusammenhang mit „Chinese Democracy“ bereits vom teuersten Studioalbum aller Zeiten

Herr Rose sieht die Sache natürlich ganz anders und ging mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Veröffentlichung des ersten „Greatest Hits“-Werks der 90er Jahre Rock-Ikonen vor. Dabei kann man die Plattenfirma sogar verstehen. Das letzte offizielle Studioalbum mit selbstkomponierten Songs datiert auf das Jahr 1991. In einem Kraftakt schufen Axl W. Rose (Gesang), Slash (Gitarre), Izzy Stradlin (Gitarre), Duff McKagan (Bass), Dizzy Reed (Keyboards) und Matt Sorum (Drums) mit „User Your Illusion I + II“ die vermutlich besten Heavy-Rock-Alben der Neunzigerjahre. Mit dem etwas enttäuschenden Cover-Album „The Spaghetti Incident“ (1993) gaben die Gunners ein letztes mehr oder weniger kreatives Lebenszeichen ab. Danach bekamen sich Axl Rose und Lead-Gitarrist Slash immer mehr in die Haare bis es zur Trennung kam. 1997 nahm Slash dann endgültig seinen Zylinder und Rose versuchte in der Folgezeit vergeblich, eine schlagkräftige Truppe für ein Comeback-Album auf die Beine zu stellen. Mit den Ur-Bandmitgliedern hatte es sich der passionierte Exzentriker und geneigte Drogenkonsument längst verdorben. Da sich Rose die Namensrechte gesichert hatte, darf seine Folgeband auch weiterhin unter dem Namen Guns N’ Roses agieren.

Nach einem Live-Album vor fünf Jahren („Live Era ´87-´93“) nun also „Guns N’ Roses - Greatest Hits“: Der Opener ist mit dem ruppigen „Welcome To The Jungle“ gut gewählt, eröffnete der Song doch auch das Durchbruch-Meisterwerk „Appetite For Destruction“ (1987). Der einzige US-Nummer-1-Hit der Band, „Sweet Child O’Mine“, darf natürlich auf einer „Greatest Hits“-Compilation nicht fehlen. Wer Guns N’ Roses bis dato noch nicht kannte, konnte der Kapelle durch Axl Roses klagend-nölendes Organ fortan auch nicht mehr entkommen. Die Mid-Tempo-Nummer entwickelt eine ungeheure Energie. Zudem ist von „Appetite...“, dem explosivsten aller Guns-N’-Roses-Alben, noch der brachiale Klassiker „Paradise City“, das auch heute noch rockt, bis der Arzt kommt, vertreten.

Einer der schönsten Songs der Gunners ist die erstaunlich ruhige Akustik-Ballade „Patience“ von „GN`R Lies“ (1988). Der Track beweist, dass die Band auch leisere Töne treffen kann. Mehr gibt es von dieser LP leider nicht zu hören. Ebenso wenig wie von der 86er EP „Live ?!*@ Like A Suicide“. Dafür umso mehr von den 1991 zeitgleich erschienenen „Use Your Illusion I + II“. Eine der gelungensten Coverversionen von Bob Dylans „Knockin’ On Heaven’s Door“, das voll auf Roses quälendes Organ abgestimmt ist und sich durch seine Eigenständigkeit auszeichnet, eröffnet diese Phase. Mit „Civil War“ ist eines der Balladen-Highlights von „User Your Illusion II“ vertreten. In unnachahmlicher Weise verstanden es Guns N’ Roses, wie auch beim grandiosen „November Rain“ oder „Don’t Cry“, harte Gitarrenriffs mit Melodik und Pathos zu verbinden, ohne dabei peinlich zu sein. Trotz des teils gemäßigten Tempos entfalteten die Gunners eine beachtliche Wucht in ihren Kompositionen. Auf „Yesterdays“, der vielleicht schlechtesten Single der Kalifornier, hätte auf diesem 14 Stücke beinhaltenden Album allerdings getrost verzichtet werden können.

Ob es nötig war, ganze fünf Cover-Versionen zu präsentieren, darf stark bezweifelt werden. Sicherlich sind „Live And Let Die“ („Use Your Illusion I“) sowie „Ain’t It Fun“ und „Since I Don’t Have You“ von „The Spaghetti Incident“ durchaus gute Ware, aber weniger Fremdkompositionen wäre hier mehr Qualität gewesen. Nichts zu sagen gibt es allerdings gegen den Rausschmeißer. Das Stones-Cover „Sympathy For The Devil“, das einst für die Vampir-Saga „Interview mit einem Vampir“ eingespielt wurde, steht hinter dem Original kaum zurück.

Wer braucht nun also dieses „Greatest Hits“-Album? Die hartgesottenen Fans, die eine Wiederauferstehung der Combo noch nicht aufgeben haben? Sicherlich nicht, da das Material ohnehin in den Regalen der Anhänger steht. Zumal in Sachen Fan-Service auch nicht viel geboten wird. Das Booklet ist mager und lieblos, das Digipack auch eher billig. Allenfalls das Cover geht noch als gelungen durch. Einen gewissen Nutzen könnte das Werk für die jüngere Generation, die die Gunners nur aus Legenden kennt, haben - quasi zum Reinschnuppern. So ist die vorliegende Compilation in seiner Konzeption sicher überflüssig, an der Qualität der Songs, die die Jahre mühelos überdauert haben, gibt es dagegen nichts zu mäkeln. Guns N’ Roses waren zu ihrer Zeit die einflussreichste Hard-’N’-Heavy-Band (neben Metallica). Doch leider zehren sie heute noch davon...

Anspieltipps:

  • November Rain
  • Paradise City
  • Patience
  • Civil War
  • Sympathy For The Devil
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