Nirvana - Nevermind - Cover
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Nirvana Nevermind


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nirvana verbanden auf „Nevermind“ auf noch nie da gewesene Art glasklare Pop-Melodien mit harten Gitarrenriffs.

Am 5. April 2004 jährte sich der Todestag von Grunge-Ikone Kurt Cobain zum zehnten Mal. Gelegenheit für uns, das Album zu besprechen, mit dem eine neue Zeitrechnung in der Rockmusik begann: Die Zeit vor „Nevermind“ und die Zeit danach. Als das zweite Nirvana-Album im September 1991 auf den Markt kam, erlangte es bereits nach vier Wochen Gold-Status. Doch mit Veröffentlichung der ersten Single „Smells like teen spirit“ (1992) und einer Dauerrotation auf MTV explodierten die Verkaufszahlen ins Unermessliche. „Nevermind“ verkaufte sich in der Hochzeit ca. 300.000 mal pro Woche, während Nirvana auf großer Welttournee waren. Ihre Gigs erreichten schnell Legendenstatus, da bei den selbstzerrstörerischen Auftritten nur selten Bühnenaufbauten und Instrumente heil blieben.

Dabei war es für den gemeinen MTV-Zuschauer anfangs ein Szenario wie man es sich heute kaum mehr vorstellen kann. In einem eigenartig verhuschten Video-Clip wirbelten drei langhaarige Typen im Pennerlook vor den Kulissen einer Sporthalle zu seltsam dahingeschrammelten Gitarrenakkorden umher. Nach wenigen Sekunden stand fest: Das konnte nichts sein! Doch kaum hatte man sich gelangweilt vom Bildschirm abgewendet, brach ein Inferno aus derben Schlagzeug-, Bass- und Gitarrenriffs über den Hörer herein, das die Rockwelt im Nu verändern sollte. Eine neue Musikrichtung namens „Grunge“ war geboren und die „Generation X“ riss der Industrie dankbar jede Platte aus den Händen, die auch nur entfernt etwas mit dem so genannten „Seattle Sound“ zu tun hatte und/oder das „Sub Pop“-Signet des berühmten Plattenlabels aus der Stadt im Nordwesten Amerikas trug. Bands wie Alice In Chains, Soundgarden, Pearl Jam, Mudhoney oder die Screaming Trees waren plötzlich die neuen Helden des Heavy-Rock und scheffelten im Fahrwasser von Nirvana Millionen von Dollars, mit einem Musikstil, den man noch am ehesten als eine Mischung aus Punk-Rock, Heavy Metal und Alternative-Pop beschreiben kann.

Die Band Nirvana tauchte Ende der 80er-Jahre mit ihrem Debütalbum „Bleach“ (1989), das sie für sechshundert Dollar eingespielte hatte, auf der Bildfläche des kompromisslos harten Heavy-Punk-Rock auf. In der Besetzung Kurdt Kobain (man beachte die damalige Schreibweise!) als Sänger und Gitarrist, Chris Novoselic (Bass), Chad Channing (Drums) und Jason Everman (Gitarre) wird „Bleach“ vom Seattler Haus- und Hofproduzenten Jack Endino im Reciprocal Recording Studio auf Band gebracht. Dabei hat Jason Everman in Wirklichkeit keinen einzigen Ton eingespielt. Er war lediglich bei einigen Live-Shows zweiter Gitarrist, bevor er Nirvana Ende 1989 verließ, um bei Soundgarden einzusteigen. „Bleach“ entwickelte sich zu einem respektablen Independent-Hit, der den Ehrgeiz, ein Hitalbum zu landen, bei Kurt Cobain und Chris Novoselic noch vergrößerte. Nachdem Drummer Chad Channings die Band im Mai 1990 verlassen hatte, stieg ein gewisser Dave Grohl als Schlagzeuger ein. Inzwischen rissen sich diverse Major-Labels um Nirvana. Diese unterschreiben im April 1991 einen Deal bei Geffen Records (damals im Vertrieb von MCA/BMG), das die Band in Los Angeles zusammen mit Butch Vig ins Studio schickt, um das zweite Album „Nevermind“ aufzunehmen, das nach einer Europa-Tournee mit Sonic Youth im September 1991 erscheint.

Nirvana verbanden auf „Nevermind“ auf noch nie da gewesene Art glasklare Pop-Melodien mit harten Gitarrenriffs, die heute, fast 13 Jahre nach der Grunge-Explosion, alltäglich sind, aber damals schlicht revolutionär waren. Songs wie „Smells like teen spirit“ oder „In bloom“, die mit ihren Versatzstücken aus lauten und leisen Passagen, melodischen und dann wieder ungemein rauen Parts, einen komplett neuen Zugang zur Rockmusik freigaben, sind unerreichte Klassiker eines Genres, das letztendlich an seinen eigenen Kindern zugrunde ging und mit dem Freitod Kurt Cobains den überfälligen, ähem, Gnadenschuss erhielt. Doch auch nach so vielen Jahren erstaunt die Qualität und Frische von mindestens acht der zwölf Songs auf „Nevermind. Der kongeniale Soundmix von Andy Wallace bei „Lithium“ und „Come as you are“, das schräge Akustikstück „Polly”, das wüste Punk-Rock-Inferno von „Territorial pissings“ (man beachte das knallharte, aber punktgenaue Drumming von Dave Grohl) oder der ungestüme Highspeed-Rock von „Breed“ sind einfach sensationell und suchen noch heute ihresgleichen. Lediglich zum Ende fällt die Platte etwas ab, wenn mit „Drain you“ ein leichter „Smells like teen spirit“-Aufguss dargeboten wird oder „Lounge act“ etwas unentschlossen vor sich hin rockt.

„Nevermind“ ist ein moderner Rockklassiker, der nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Das Lebensgefühl einer Generation wird in einer knappen Stunde Musik auf emphatischste Weise eingefangen, sodass auch heuer Gänsehaut garantiert ist!

Anspieltipps:

  • Breed
  • In bloom
  • Come as you are
  • Territorial pissings
  • Smells like teen spirit
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