W.A.S.P. - The Neon God Part I: The Rise - Cover
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W.A.S.P. The Neon God Part I: The Rise


  • Label: Noise Records/SANCTUARY
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Konzeptalben - Gibt es so was überhaupt noch? Also Platten, die sich mit einer durchgehenden Geschichte befassen wie etwa „Quadrophenia“ und „Tommy“ von The Who? Man muss schon lange suchen, um heutzutage Alben dieser Gattung ausfindig zu machen. Offensichtlich ist diese Kunstform fast vollständig ausgestorben, obwohl sie in den 70er-Jahren unheimlich angesagt war. Lediglich bei einigen Heavy-Metal-Bands stehen solche Werke auch heute noch hoch im Kurs. Und so legen W.A.S.P., die Pioniere des Schock-Rock, anno 2004 ein neues, hoch ambitioniertes Konzeptwerk vor.

W.A.S.P. gehört zu der Art von Metalbands, die gerne mal für einen Skandal gut ist. Ob exzessive Liveshows, bei denen literweise Kunstblut fließt, während Mord und Vergewaltigung auf der Bühne dargestellt werden oder einfach nur wegen Songtiteln wie „Kill, fuck, die“ bzw. „Animal - I fuck like a beast“. Die Hüter der Moral haben eigentlich immer ein Auge auf die Band geworfen und drohen mit Zensur. Trotzdem sind W.A.S.P., was soviel heißt wie „White Angelo Saxon Protestants“, immer noch aktiv und präsentieren nun mit „The Neon God“ zu ihrem 20-jährigen Plattenjubiläum ein opulentes Konzeptwerk mit mehr als zwei Dutzend Songs, die in zwei Teilen veröffentlicht werden.

Mit der Idee zu diesem Songzyklus beschäftigte sich W.A.S.P.-Mastermind Blackie Lawless schon seit knapp zehn Jahren, nachdem er bereits 1992 mit „The Chrimson Idol“ ein Konzeptalbum vorgelegt hatte. Vor ungefähr drei Jahren begannen dann die eigentlichen Arbeiten an den Songs, deren zentraler Charakter der achtjährige „Jesse Slane“ ist, der von seiner drogenabhängigen Mutter in ein Waisenhaus abgeschoben und dort von der Nonne „Sister Sadie“ sexuell missbraucht wird. „Slane“ landet in der Anstalt von „Doctor D“, aus der er recht bald abhaut, um daraufhin in den Fängen des Magiers „Judah“ zu landen, der „Slane“ unter seine Fittiche nimmt und den Jungen zu einem Messias-ähnlichen Kultführer aufbaut. Es steckt also wieder mal eine Menge Phantasie in dem von Blackie Lawless (Vocals, Gitarre) produzierten und geschriebenen Werk, das zusammen mit Frankie Banali (Drums), Mike Duda (Bass) und Darrell Roberts (Lead Gitarre) eingespielt wurde.

Der erste Teil „The Neon God - Part One - The Rise“ enthält insgesamt 14 Stücke, die in traditionellem Hard-Rock-Gewand der 70er- und 80er-Jahre daherkommen. So wird der Hörer schon durch das Intro („Overture“) mit mächtig fetten Hammond-Orgel-Riffs, treibenden Bass-Läufen und schneidigen E-Gitarren-Salven auf eine temperamentvolle Achterbahnfahrt durch das Leben des „Jesse Slane“ vorbereitet. W.A.S.P. legen voller Dynamik los und brettern ohne Pause durch die ersten drei Songs, was nun nicht gerade das Höchstmaß an Kreativität bedeutet, aber einfach Spaß macht. Hier ein kleiner Break, dort ein nettes Bass/Gitarre/Orgel-Solo und jeder weiß, wo die Axt hängt. „The rise“ greift dann wieder das Grundthema des Intros auf, gewürzt mit Bläserfanfaren und der kraftvollen Hammond-Orgel, die auch ein Jon Lord von Deep Purple nicht besser bedient hätte.

Das akustische Zwischenspiel „Why am I nothing“ läutet eine kurze Verschnaufpause ein, die aber recht schnell durch das furiose „Asylum #9“ beendet wird. Die atmosphärischen Keyboard-Teppiche weichen harten Gitarrenklängen und der einschneidenden Stimmdarbietung von Herrn Lawless. Doch bei aller Härte - „The Neon God“ ist immer dann am besten, wenn W.A.S.P. ein wenig vom Gaspedal gehen und getragene Parts einstreuen („What I’ll never find”) oder in leichte Psychedelica-Gefilde eintauchen („The red room of the rising sun“). Dass die Band rocken kann wie der Teufel ist ja bekannt, was auch auf „The Neon God“ nicht zu kurz kommt („X.T.C. Riders“, „The running man“) und in dem grandiosen Finale „Raging storm“ am eindruckvollsten unter Beweis gestellt wird.

„The Neon God - Part One - The Rise“ ist ein packendes Album für Liebhaber harter Rockmusik aus den goldenen Zeiten der 70er- und 80er-Jahre. Ob es dabei tatsächlich höchste Ansprüche erfüllt, wollen wir mal dahingestellt sein lassen. Zumindest haben die 14 Tracks soviel Potenzial, dass das Warten auf den zweiten Teil (erscheint ca. Ende Juni ’04) zu einer angenehmen Tour de Metal wird.

Anspieltipps:

  • The rise
  • X.T.C. riders
  • Why am I here
  • The running man
  • What I’ll never find
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