Black Label Society - Hangover Music Vol. VI - Cover
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Black Label Society Hangover Music Vol. VI


  • Label: Spitfire/EDEL
  • Laufzeit: 67 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie schon der Albumtitel andeutet, handelt es sich bei dem vorliegenden Werk um eine Ansammlung von Songs, die ebenso provozieren wie faszinieren.

Wenn Jeffery Philip Wielandt, alias Zakk Wylde - hauptamtlicher Gitarrist bei Ozzy Osbourne und Vorsteher der Kampftrinker-Brigade Black Label Society - seine Art von Musik erklärt, werden deutliche Worte gewählt. „Glaubt mir, dieses hier hat nichts mit der verdammten Britney Spears gemeinsam. Wir sind die Black Label Society und wir machen verdammt noch mal was wir wollen“. Was Zakk Wylde hier so liebevoll beschreibt, findet seit 1998 regelmäßig statt. So lange gibt es die Black Label Society nämlich schon. Und so lange erscheint jedes Jahr ein neues Album der Alkoholvernichtungsmaschinen mit einer derben Mischung aus Rock ’n Roll, Heavy Metal und Southern Rock.

Doch Zakk Wylde ist nicht einfach einer von vielen Hau-Drauf-Gitarristen. Auch wenn aus jeder Pore seines Körpers Rock ’n Roll strömt, wird er von Fans und Kollegen für seine Vielfältigkeit geschätzt, die neben harten Songs in allen Variationen auch ruhige, zerbrechliche Elemente beinhaltet. So war sein Soloalbum „Book Of Shadows“ (1996) ein reines Akustik-Werk, das im krassen Gegensatz zu Black-Label-Society-Alben wie „Stronger Than Death“ (2000) oder „Alcohol fueled brutality“ (2001) steht. Da Herr Wylde aber grundsätzlich nur das macht, worauf er Lust hat und schon gar nicht, was man von ihm erwartet, hat er für das sechste Werk der Black Label Society die Stecker rausgezogen und ein Album für den Morgen nach dem großen Besäufnis eingespielt. Wie eine Art Kater-Musik, die „den Hörer aufrichten soll, wenn er sich so richtig scheiße fühlt“, kommt „Hangover Music Vol. IV“ mit 15 Tracks daher, für die Wyldes Einflüsse aus Southern Rock, Country Music und erdigem Roots Rock Pate standen. Vergleichbar mit den eher gemäßigten Werken von Alice In Chains („Jar Of Flies“) und Guns ’N Roses („Lies“), steht „Hangover Music Vol. IV“ ganz in der Tradition bluesgetränkter, melodisch-dunkler Balladen. Es handelt sich aber keinesfalls um ein zweites Akustikalbum, denn „weshalb sollte man immer wieder das gleiche verdammte Album veröffentlichen?“, wie Zakk Wylde auf seine unnachahmliche Art feststellt.

Wie schon der Albumtitel andeutet, handelt es sich bei dem vorliegenden Werk um eine Ansammlung von Songs, die ebenso provozieren wie faszinieren und eine sehr abgeklärte Seite des 37-jährigen Gitarrengott zeigen. Wylde, der alle Songs geschrieben und gesungen, sowie sämtliche Gitarren- und Klavierparts, beziehungsweise die meisten Bässe eingespielt hat, erhielt dabei Unterstützung von den Schlagzeugern Craig Nunenbacher (Ex-Crowbar) und John Tempesta (Ex-White Zombie), sowie den Bassisten James LoMenzo (David Lee Roth, Pride & Glory) und Mike Inez (Ex-Alice In Chains). Aufgenommen wurde das Album in etwas mehr als einer Woche in den Ameraycan Studios im Norden Hollywoods, also ganz in der Nähe von Zakks Zuhause, wo er mit seiner Frau, drei Kindern und sieben Rottweilern lebt.

Schon mit dem hypnotischen Eröffnungs-Triumvirat aus „Crazy or high“, „Queen of sorrow“ und „Stepping stone“, das Zakk Wylde ein ums andere Mal als stimmliches Pendant zu Ozzy Osbourne entlarvt, wird das Konzept des Albums deutlich. Die Black Label Society verbindet gekonnt akustische Songs auf Gitarren- und Piano-Basis mit lärmenden E-Gitarren-Salven, eruptiv eingeschobenen Schrei-Attacken und mehr oder weniger ausufernden E-Gitarren-Soli. Doch leider ist dieses Gebräu aus Neil Young meets Black Sabbath nicht immer zu 100% stimmig. Denn während sich „Queen of sorrow“ noch auf einem doomigen Gitarrenteppich à la Black Sabbath ausbreitet oder „House of doom“ mit epischer Wucht rockt, versinkt bereits „Yesterday, today, tomorrow“ in arg seichter Piano-Kost. „Won’t find it here“ macht es auch nicht besser. Und die aufgesetzte Tragik von „She deserves a free ride“ haut einen Rocker auch nicht vom Hocker. Doch hier und da überrascht der Meister mit Songs wie den vor Emotionen überschäumenden Piano-Interpretationen „Fear“ und dem Procul-Harum-Klassiker „A whiter shade of pale“. Gerne nimmt man auch hymnische Stadion-Rock-Balladen wie „Damage is done“ zur Kenntnis, mit der bevorzugt Festivalbesucher zum kollektiven Mitschunkeln und Feuerzeuge in die Luft recken animiert werden. Darüber hinaus reiht sich die Black Label Society mit dem gefühlvollen Song „Layne“ in die Riege derer ein, die einen musikalischen Abschiedsgruß an den verstorbenen Frontmann von Alice In Chains, Layne Staley, aufgenommen haben.

Trotzdem ist Zakk Wyldes Kater-Musik eine zwiespältige Angelegenheit. Einige Stücke plätschern doch arg bemüht vor sich hin und quälen den Hörer mit Wyldes Leidensstimme. Zwar ist und bleibt sein Gitarrenspiel über alle Zweifel erhaben, doch etwas mehr Pfiff hätte den Songs nicht geschadet. Schließlich soll „Hangover Music Vol. IV“ kein Album für Gitarrenpuristen sein, sondern in erster Linie Spaß machen. Und daran hapert es streckenweise ganz schön.

Anspieltipps:

  • Once more
  • Steppin stone
  • House of doom
  • Damage is done
  • Queen of sorrow
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