Onelinedrawing - The Volunteers - Cover
Große Ansicht

Onelinedrawing The Volunteers


  • Label: Jade Tree/CARGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ich komme bei dieser Besprechung ohnehin nicht umher, diesen Bandnamen zu nennen, also stelle ich ihn gleich mal vorne an: Far. Jene emotionale Hardcore-Band, die wohl hunderten Emo-Core Gruppen Ende der Neunziger den späteren Weg wies, war es, in der Jonah Matranga als Sänger und Gitarist fungierte. Eine Bandauflösung 1998 sowie ein kurzzeitiges Nebenprojekt (New End Original) später veröffentlicht Matranga mit „The Volunteers“ nun schon sein zweites Soloalbum unter dem Namen Onelinedrawing.

Das Album führt uns, wie schon beim 2002-er Erstling „The Visitor“, durch Liedgut in bester Singer/Songwriter-Manier, die Matranga meist in den eigenen vier Wänden mit Unterstützung von Freunden und Familie aufgenommen hatte. Erstmals hörbar ist dies übrigens gleich bei „Over it“. Der Song scheppert mit einer derartigen Unbekümmertheit und Eingängigkeit durch die Boxen, dass man die nächsten Tage über seine liebe Mühe haben wird, diesen Refrain auch mal wieder aus seinen Gehörgängen verbannen zu können. Mit dem hemmungslos lärmenden „We had a Deal“ wird Matranga wohl auch jene Stimmen besänftigen, die immer noch den oben genannten Bands nachtrauern. Ansonsten sind es die ruhigen Momente, die auf „The Volunteers“ den Ton angeben. Die enge Gratwanderung zwischen simpler Tränendrüsen-Ballade und emotionalem Tiefgang meistert der ehemalige Hardcore-Sänger vor allem auf „Livin`Small“ mit Bravour, einer zarten Hommage an die Freuden des einfachen Lebens. Und wer bei „Superhero“ sowie der zart intonierten Textzeile „Love will find a way“ nicht zumindest einmal laut aufseufzt, darf sich ab sofort Besitzer eines Herzens aus Stein nennen. Mit ähnlichen Songs hat im Vorjahr schon Kollege Damien Rice die Musikwelt verzaubert.

Doch einer Handvoll wirklich ausgezeichneter Lieder stehen leider zu viele Totalausfälle gegenüber. „Oh Boys“ bewegt sich trotz ernster Thematik gefährlich nahe an der Bubblegum-Pop-Schwelle, während etwa „Believer“ durchaus auch seinen berechtigten Platz auf der nächsten Celine-Dion-CD gehabt hätte. Ärgerlich ist zudem der mitunter grottenschlechte Sound der Produktion. Man kennt der CD das Attribut „Made at home“ deutlich an: Ob Absicht oder nicht, Songs wie „As much to myself as to you“ nehme ich lieber noch einmal auf, bevor ich Sie auf eine Silberscheibe gepresst unter die Leute schmeiße. Ein ehrlicher CD-Käufer, der nicht wenig Geld für ein Produkt ausgibt, wird sich über diese Thematik schon mal seine Meinung bilden können. Kurzum: Wer schon „The Visitor“ sein Eigen nennt und für gut befindet, kann bedenkenlos zugreifen. Allen anderen sei an dieser Stelle ein intensiver Hördurchgang im CD-Laden eures Vertrauens ans Herz gelegt.

Anspieltipps:

  • Get over it
  • We had a deal
  • Livin’ small
  • Ghost
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Onelinedrawing“
comments powered by Disqus