St. Thomas - Let´s Grow Together: The Comeback Of St. Thomas - Cover
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St. Thomas Let´s Grow Together: The Comeback Of St. Thomas


  • Label: Trocadero/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dem Norweger Thomas Hansen (alias St. Thomas) ist nicht gut Kirschen essen. Der als extrem schwierig geltende Künstler und Ex-Postbote nimmt sich nämlich gerne allzu persönlich urteilende Rezensenten zur Brust, um diese in die Schranken zu weisen. Und sei es nur mit gepfefferten Leserbriefen. Als jetzt das vierte Album „Let’s Grow Together – The Comeback Of St. Thomas“ des 28-Jährigen ins Haus schneite, nahm der Rezensent auch gleich innerlich Haltung an. Schließlich ist der Bursche in seiner Heimat ein Star, der mit dem letzten Album „Hey Harmony“ (2003) direkt auf Platz 2 der norwegischen Charts eingestiegen war und keinen geringeren Produzenten als Lambchop’s Mark Nevers aufzuweisen hatte.

Mal schauen, was der heilige Thomas diesmal zu bieten hat, denn den stetig wachsenden Erfolg hat Herr Hansen bisher alles andere als gut verkraftet. So gab er seine Konzerte mitunter mit dem Rücken zum Publikum, warf CDs in die Zuschauer oder drohte seinem Labelchef Prügel an. Alkoholexzesse, Tourabbrüche und diverse andere Zickigkeiten waren die Folge. Da nimmt man eher verwundert zur Kenntnis, dass dem neuen Album der Ruf eines geläuterten Künstlers vorausgeht, der aus seinen Fehlern gelernt hat und gereift ins Licht der Öffentlichkeit zurückkehrt. So entstand im August 2003 im abgelegenen Valdres-Tal mitten in der norwegischen Einsamkeit das neue St.-Thomas-Album, für das Thomas Hansen, Drummer Karim Sayed, Bassist und Mitproduzent Robert Jønnum sowie Freundin und Sängerin Ilse Lazaroms ein gutes Dutzend Songs im Spannungsfeld zwischen alternativem LoFi-Country, norwegischem Folk und blütenreinem Pop einspielten. Dabei steht bei den neuen Kompositionen eines ganz deutlich im Vordergrund: Grenzenlos entspannter Singer/Songwriter Gitarrensound auf akustischer Basis, den man getrost als Folk-Pop bezeichnen darf, ohne Ärger mit dem Meister zu bekommen.

Da lugt mal ein John Denver um die Ecke, wenn St. Thomas „Come my way“ als beschwingten Country-Pop anstimmen oder kommt einem ein gewisser Neil Young in den Sinn, wenn „You may find a treasure everywhere” mit brummender Orgel und schrammelnder Gitarre aus den Boxen rumpelt. Dieser ganz spezielle Sound, dessen Vorbilder zwar hörbar sind, aber der doch seine eigene, verschrobene Anmut besitzt, macht St. Thomas zu etwas Besonderem, selbst wenn die Songs nicht die Brillanz und die Detailverliebtheit anderer Songwriter haben. So hat „Let’s Grow Together – The Comeback Of St. Thomas“ einen durchgehenden Charme, egal ob Herr Hansen zarte Balladen mit seiner Freundin Ilse zum Besten gibt („Silence break your heart“), die stimmlich ein Abbild von Nico Päffgen darstellt und wohl aus demselben Grund auf der Platte ihres Lovers singen darf wie damals Frau Päffgen bei Velvet Underground, oder wie beim Opener „Sunny day“ Gute-Laune-Vibes zum entspannten Cabrio-Cruisen an der Westcoast versprüht. Der im Booklet so mürrisch dreinschauende Herr Hansen liefert dermaßen entspannte Songs ab (mit Akustikklampfe, Schellenring, Mundharmonika und den unvermeidlichen Handclaps!), dass man ihn den Miesepeter so gar nicht abnehmen will. Man höre nur den Titeltrack „Let’s grow together“, der gepflegten zum Mitschunkeln animieren möchte oder den Folk-Dance-Pop (!) „Dance to the disco“, der das Thema Tanzmusik mit ganz neues Aspekten bereichert. Mit „The red book“ liefern St. Thomas gar ein hochklassiges Kunst-Pop-Lied ab, auf das die holländischen Nits genauso stolz wären wie die amerikanischen 16 Horsepower.

Es ist offensichtlich: Die Depressionen der vorherigen Alben sind auf dem vierten St.-Thomas-Longplayer endgültig verflogen. Anders sind sonnige Hippie-Hymnen wie „Cool yellow flowershirt“ oder Eagles-inspirierte Stücke wie „Like you know“, das nur bedingt dunkle Seiten offenbart, nicht zu erklären. Fazit: Unsere norwegischen Freunde liefern mit „Let’s Grow Together – The Comeback Of St. Thomas“ eine Dreiviertelstunde lang guten bis sehr guten Songwriter-Folk ab, der einen nicht unbedingt vom Hocker haut, aber viele schöne Momente bietet, sodass dem Album durchaus eine längere Zeit im CD-Player vergönnt ist.

Anspieltipps:

  • Sunny day
  • Like you know
  • Dance to the disco
  • An artist with a brilliant disguise
  • You may find a treasure everywhere
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