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Incorporated Incorporated


  • Label: Acute Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Diese CD-Besprechung könnte eigentlich auch den klingenden Titel „Von Dreien, die auszogen, um das Gitarrensolo zu retten“ tragen. Doch dazu später, beginnen wir mit einen Sprung nach Österreich: Das beschauliche Pettenbach im Bundesland Oberösterreich beherbergt 4297 Einwohner, viele Wiesen und Wälder und so ganz nebenbei auch noch die vielversprechendste Rock-Newcomer des Landes: Incorporated. Mit seinem gleichnamigen Debütalbum sagt der rockige Dreier dem musikalischen Einheitsbrei den Kampf an. Und auch die deutschen Fans gepflegter Gitarrenmusik dürfen schon mal vorfreudig die Lauscher aufsperren.

Doch ehe wir uns den 13 Songs der CD zuwenden, sei uns noch ein Blick zurück gestattet: Incorporated hießen früher mal Infernal Inc., und bei der Erwähnung dieses Namens könnte es schon bei einigen Musikfans in Deutschland klingeln, gewannen doch die Jungs 2002 unter 1.200 Bands eine Ausschreibung des Musiksenders VIVA, die eine Vorband für Puddle Of Mudd suchten. Diesem Gig folgten zahlreiche Festival-Auftritte in Österreich und Deutschland sowie Konzerte mit Soulfly, Machine Head oder den Farmer Boys. Zwischendurch wurde Tag und Nacht am Debütalbum gearbeitet. Den letzten Schliff holten sich die Jungs in New York, wo Altmeister George Marion das Album gemastert hat, in dessen Studios sich Stars wie die Strokes oder Nickelback die Klinke in die Hand drücken.

Zwei Dinge sind es, die auf „Incorporated“ sofort ins Auge, pardon, ins Ohr springen: Zum einen die stimmlich enorme Palette von Sänger Chriss. Man könnte es so ausdrücken: Von himmelhoch schreiend („I never sweat“) bis hin zu Tode betrübt („Gone“) – hier steht jemand seinen stimmlichen Brüdern im Geiste, Justin Schlosberg von Hell Is For Heroes sowie dem Our Lady Peace-Frontmann Raine Maida, um nichts nach. Kein schlechtes Vorzeichen, steht und fällt doch der Großteil der Alternative-Rock Bands mit ihren Sängern. Und das Prädikat „gesichtslos“ haben sich Incorporated damit schon mal sicher erspart. Dafür sorgen auch die unverschämt eingängigen Melodien: Mal rotzig-punkig („Superheroes“), kraftvoll-riffgeladen („This is the day“) oder einfach melancholisch-verträumt („So long“) - Keine Frage: Hätte man mir beim ersten Hördurchgang gesagt, dass es sich bei Incorporated um das nächste große Ding aus Amerika handelt, ich hätte es ohne mit der Wimper zu zucken geglaubt. Messerscharfe Burner wie „Don`t look around“ reihen sich nahtlos in den musikalischen Output von Combos wie July for Kings oder Familiar 48 ein. Zudem läuten Incorporated fast schon so etwas wie eine Wiedergeburt des Gitarrensolos ein, darf doch auf beinahe allen der 13 Songs Gitarrist Mario sein Arbeitsgerät ordentlich aufheulen lassen. Ein wohltuender Unterschied zu den meisten Rock-Platten dieser Zeit.

Dennoch reicht es nicht zu absoluten Bestnoten, schließlich wird auf „Incorporated“ die Musikwelt nicht revolutioniert, das Rock-Rad nicht neu erfunden und auch die Lyrics sind an manchen Stellen nicht 100%-ig ausgereift. Aber ist das denn eigentlich vorrangig? Sollte man nicht vielmehr einfach nur den Hut nehmen vor den drei Jungs, die im Zeitalter schnelllebiger Musiktrends (kann sich jemand noch an das Unwort „New Metal“ erinnern?) eine Lanze für ehrliche, hausgemachte Rockmusik brechen? Incorporated müssen mit diesem Album im Rücken ihr musikalisches Heil künftig sicher nicht in der Provinz suchen. Fazit: Es gibt noch so etwas wie Hoffnung in jenem Land, das DJ Ötzi als seinen Kultur-Export Nummer Eins abfeiert…

Anspieltipps:

  • Lovesong
  • Special
  • So long
  • Don’t look around
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