Scorpions - Unbreakable - Cover
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Scorpions Unbreakable


  • Label: Ariola/BMG
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist noch nicht alles Gold bzw. Silber (in Anlehnung an das Cover), was glänzt, doch die Scorpions sind auf einem guten Weg.

The Scorpions - oder die Geschichte einer Hardrock-Band in vier Akten. Es ist wieder da! Das deutsche Rock-Flaggschiff aus dem beschaulichen Großstädtchen Hannover, wo der berühmte Sänger der noch berühmteren Rockband schon mal mit dem Bundeskanzler Tennis spielt, gibt sich mit dem ungewöhnlich rockigen Album „Unbreakable“ die Ehre, verlorenen Kredit bei Fans und Kritikern gutzumachen. Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass altgediente Rockstars im Herbst ihrer Karriere noch mal die Rock-Keule herausholen müssen, um zu beweisen, was jeder Rockfan in diesem Land längst weiß?

In den frühen Siebzigern zählten die Scorpions zum hoffnungsvollen Rock-Nachwuchs unseres Landes, der sich von Album zu Album weiterentwickelte, um dann in den Achtzigern zur meist respektierten Rockband Deutschlands mit heute kaum vorstellbaren Erfolgen in den USA aufzusteigen. Alben wie „Virgin Killer“ (1976), „Lovedrive“ (1979), „Love At First Sting“ (1984) oder „World Wide Live“ (1985) zählen zur absoluten Pflichtausstattung eines jeden Hardrock-Fans in Deutschland. Doch in den Neunzigern versank das Aushängeschild des teutonischen Hardrock in einem Sumpf aus nervigen Balladen („Wind of change“, 1989), lahmen Rockalben („Pure Instinct“, 1996) und komplett gescheiterten Elektro-Rock-Experimenten („Eye II Eye“, 1999). Mit der Jahrtausendwende riss die Band das Ruder herum und besann sich auf die Darbietung ihrer Klassiker in neuem Gewand. „Moment Of Glory“ (2000) wurde zusammen mit einem Orchester aufgenommen, während „Acoustica“ (2001) als verspätetes Unplugged-Projekt ausgelegt werden kann. Doch den Ausschlag zurück zu den Wurzeln gab erst das Best-Of-Album „Bad For Good“ (2002), das für den nordamerikanischen Markt zusammengestellt wurde und mit „Because I Love You“ und „Bad For Good“ zwei von Metal-God Dieter Dierks produzierte Rock-Kracher beinhaltete. Leider hatte Dierks keine Zeit, sich auch als Produzent um „Unbreakable“ zu kümmern – diese Lücke füllte das Studio-Talent und Bruce-Fairbain-Ziehsohn Erwin Musper (Chicago, Van Halen, Yngwie Malmsteen) aus – doch auch so war die Marschrute klar: Zurück zum von allen geliebten Heavy Rock der 80er-Jahre!

Dass Bassist Ralph Rieckermann bei dem Unterfangen, ein gitarrenorientiertes Album einzuspielen, auf der Strecke blieb und durch den polnischen Nachwuchs-Basser Pawel Maciwoda ersetzt wurde, zeichnete sich bereits bei Produktionsbeginn ab. Das Lockenköpfchen aus der Landeshauptstadt stellte sich als totale Kreativbremse heraus, sodass die Bandleader Klaus Meine (Vocals), Matthias Jabs (Gitarre) und Rudolf Schenker (Gitarre) zum Handeln gezwungen waren. Danach ging es mit frischem Wind in die Peppermint Park Studios in Hannover, wo die 12 Songs (plus einem Bonus-Track) von „Unbreakable“ eingespielt wurden. Doch bei aller Liebe, unterm Strich muss attestiert werden, dass auch der aktuelle Scorpions-Output nicht voll überzeugen kann. Natürlich hat die Mehrzahl der Kompositionen hörbar an Härte dazu gewonnen. So gefallen „New generation“ und „Blood too hot“ mit fetten Nu-Rock-Riffs, während sich „Someday is now“ und „Remember the good times“ durch hervorragende Refrains auszeichnen. Auch „Love ’em or leave ’em“ kann als kernige Reminiszenz an den Hardrock der 80er-Jahre (inkl. Outfading) gefeiert werden. Doch dann plätschert mit „Maybe I maybe you“, einem vier Jahre alten Song, der in Gemeinschaftsproduktion mit dem iranischen Sänger Anoushirvan Rohani entstanden ist, plötzlich eine dieser schrecklichen Klaus-Meine-Balladen aus den Boxen, dass man panikartig zur Fernbedienung greift. Und wenn der Tennispartner des Bundeskanzlers erstmal loslegt, ist er nicht mehr zu stoppen. So greift „My city my town“ voll in die Klischeeschublade aus der auch das überflüssige Selbstplagiat „Through my eyes“ nicht herauskommt.

Doch wir wollen mit unseren Lieblingshannoveranern nicht all zu hart ins Gericht gehen. Klar, es ist noch nicht alles Gold bzw. Silber (in Anlehnung an das Cover), was glänzt, doch die Scorpions sind auf einem guten Weg. Hymnischer Heavy Rock, gespickt einigen wenigen Balladen – das ist es, was die Band über Jahrzehnte auszeichnete und was sie auf ihrem ca. 15. Studioalbum zu neuem Leben erweckt. Zwar haben diverse Stücke neben einem eingängigen Refrain nicht besonders viel zu bieten. Und Klaus Meine singt noch immer in einem Englisch zum Davonlaufen. Aber sei’s drum. Die zurück gewonnene Härte gibt Anlass zur Hoffnung. Und wer weiß, vielleicht rocken die „Scorps“ schon bald wieder „like a Hurricane“. Das wäre dann ein wirklicher „Wind of change“. Wir sind gespannt!

Anspieltipps:

  • She said
  • New generation
  • Someday is now
  • Remember the good times (Retro Garage Mix)
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