The Ashes Of Creation - The Porcelain Songs - Cover
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The Ashes Of Creation The Porcelain Songs


  • Label: Capitol East Road Rec.
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Normalerweise ist es nicht die feine Art, mit der Tür ins Haus zu fallen. Aber so leid es mir tut, was die Münsteraner Gruppe The Ashes Of Creation auf ihrem ersten Longplayer „The Porcelain Songs“ fabriziert, das will für mich so gar nicht funktionieren. Die siebenköpfige Band, bestehend aus Andre Iske (Piano), Jörg Willerscheidt (Texte, Vocals), Alexandra Boxberger (Flöte), Konrad Driessen (Drums), Diana Nawrath (Vocals), Christian Beule (Bass) und Bernhard Schrader (Gitarre), macht im weitesten Sinne Popmusik, die von leicht morbider Grundstimmung angehaucht, im Spannungsfeld zwischen Pop, Jazz und Klassik ihr Fahrwasser sucht, aber am Ende nicht wirklich findet. Doch woran liegt’s?

Wie immer, wenn sich in einer Kritik andeutet, dass die Bewertung einer Platte mehr als bescheiden ausfällt, muss sich der Rezensent mit dem Vorwurf der mangelnden Objektivität auseinandersetzen. Die Fans sind verärgert, der Vertrieb alles andere als begeistert und die Musiker, sofern sie die Kritik lesen, sicher auch nicht glücklich. Trotzdem soll an dieser Stelle eine Erklärung des vermeintlichen Verrisses folgen.

Vorweg sei gesagt, dass man den Musikern ohne weiteres sehr gute handwerkliche Fertigkeiten attestieren kann. Und auch die kompositorischen Fähigkeiten sind im Ansatz als überdurchschnittlich zu bezeichnen. Doch unterm Strich ist „The Porcelain Songs“ nicht das „faszinierende Konzeptalbum, das die Erzählform des Comics aus der frankophilien Tradition benutzt, um vom Scheitern zu erzählen: zufällige Wendungen, Tode, Verluste aus Leidenschaft“ (Presse-Info), sondern eine Ansammlung extravagant instrumentierter Betroffenheits-Popsongs, als würde der kirchliche Musikkreis Ostwestfalen/Lippe zum gepflegten Sonntagskonzert laden. Wer so einem Schauspiel schon mal beiwohnen durfte, der weiß, dass eine besonders ausgeprägte Leidensfähigkeit notwendig ist, um das „Vergnügen“ unbeschadet zu überstehen.

The Ashes Of Creation stellen die Leidensfähigkeit ihrer Hörer mit exorbitantem Flöteneinsatz und dem zudringlichen Stimmorgan von Diana Nawrath auf die Probe. So verleiten Stücke wie „Transmission“ oder „The tomcat“ nicht etwa zum gepflegten Schwelgen in dunkel groovenden Melodien, sondern eher zum debilen Ausdruckstanz im 70er Jahre Batik-Nachthemd. Und das, gebe ich zu, ist überhaupt nicht mein Ding. Dazu kommt eine ziemlich matschige Produktion, die sich um Höhen und Tiefen nicht schert, sodass ich eine Empfehlung für „The Porcelain Songs“ nur sehr bedingt aussprechen kann.

Anspieltipps:

  • My latest friend
  • A bliss of solitude
  • The very black I saw
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