Xandria - Ravenheart - Cover
Große Ansicht

Xandria Ravenheart


  • Label: Drakkar/BMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Diese Mixtur mag für den Genre-Freund durchaus faszinierend sein, doch Nichtkenner werden aufgrund des bombastischen Gleichklangs der meisten Stücke wohl eher zurückhaltend reagieren.

Wohl jeder kennt die Situation: Gerade hat man sich eine neue CD gekauft und sie voller Vorfreude in den Player geschoben, da ist das Album auch schon an einem vorbeigerauscht und rein gar nichts hängen geblieben. Keine Melodie, keine Hookline, kein Gitarrenriff, kein Text. Na ja, das kann beim ersten Mal durchaus vorkommen. Also schnell die Start-Taste betätigt und den nächsten Durchlauf gestartet. Doch eh man sich versieht, ist das gute Stück mit demselben Ergebnis erneut am durchaus geneigten Hörer vorbeigeprescht. Plopp! In ein Ohr rein, aus dem anderen wieder raus. Analog dem Nährwert eines Big Mac. Da aber so eine CD kein billiges Vergnügen ist, wiederholt sich das Schauspiel noch ein paar Mal, bis es einem zu dumm wird. Entweder hat man wieder mal 15 Euro für ein belangloses Album in den Wind geschossen und ärgert sich grün und blau oder schlägt die Plattenfirma mit ihren eigenen Mitteln und tauscht den Silberling mit der Begründung um, dass der CD-Player die Scheibe aufgrund des Kopierschutzes nicht abspielen konnte.

Nach so einer Einleitung kann sich der erfahrene Leser von CD-Kritiken sicher ausmalen, ob „Ravenheart“, das zweite Album der Bielefelder Gothic-Rock-Band Xandria, ein potenzieller Dauerbrenner oder eher ein Umtauschkandidat ist. Zwar erlebt der Gothic Rock zurzeit eine Renaissance, indem Gruppen wie Nightwish, Within Temptation, Evanescence oder Lacuna Coil plötzlich ein gewichtiges Wörtchen in den weltweiten Charts mitreden, doch nicht jeder Act gehört automatisch in die erste Liga, nur weil er ein anständiges Debütalbum („Kill The Sun“, 2003) abliefert und mit seinem Zweitwerk zumindest die Fachpresse des gotischen Metal zum Jubeln bringt. Dabei haben die 12 Songs von „Ravenheart“ eigentlich alles, was ein gestandenes Gothic-Album ausmacht. Sängerin Lisa singt mit elfengleicher Stimme zu melodischen Rock- und Metal-Hymnen („The lioness“), die zwischen düster-romantischen Balladen („Keep my secret well“, „Eversleeping“), orientalisch angehauchten Songs („Back to the river“) und monumentalen Bombast-Rockern („Fire of universe“) auf ungezügelte Emotionalität machen. Doch restlos überzeugen kann dies nicht.

Zwar vermag diese Mixtur für den Genre-Freund durchaus faszinierend sein, doch Nichtkenner werden aufgrund des bombastischen Gleichklangs der meisten Stücke wohl eher zurückhaltend reagieren. Denn bei aller Härte und balladeskem Feinklang wird man schlicht und ergreifend durch die epische Wucht ausnahmslos jeden Songs erschlagen – und das nervt auf die Dauer! So ist auf „Ravenheart“ einfach alles dramatisch. Die Texte, der Sound und vor allem Lisas Stimme. Komprimiert auf eine halbe Stunde Spielzeit wäre das sicher eine angenehme Sache. Über eine Strecke von 12 Songs bzw. 50 Minuten kann einem aber schon mal die Lust vergehen. Deshalb kann das Urteil über das zweite Xandria-Album eigentlich nur lauten, dass Gothic-Anhänger garantiert auf ihre Kosten kommen und aus ihrer Sicht zurecht ein starkes Werk abfeiern können. Der gemeine Nicht-Gothic-Fan wird sich allerdings fragen, was uns die vier Bielefelder mit ihrer gewöhnungsbedürftigen Brachial-Romantik sagen wollen. Also doch besser umtauschen?

Anspieltipps:

  • Ravenheart
  • Eversleeping
  • My scarlet name
  • Keep my secret well
Neue Kritiken im Genre „Gothic-Rock“
5/10

MTV Unplugged: Unter Dampf - Ohne Strom
  • 2015    
Diskutiere über „Xandria“
comments powered by Disqus