Stellastarr* - Stellastarr* - Cover
Große Ansicht

Stellastarr* Stellastarr*


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Sehr geehrter Leser, wir erlauben uns, den neusten Fall von Etikettenschwindel aufzudecken. Täter: die Newcomerband Stellastarr*. Diese hat sich derart dem Brit(Rock)Pop verschrieben, dass man nie auf die Idee kommen würde, es mit einer Gruppe aus New York City zu tun zu haben. An Stellastarr* ist nämlich eigentlich alles total britisch. Habitus, Sound, Optik und der ziemlich beknackte Bandname mit einem Sonderzeichen im Titel.

Doch du schöne BritPop-Welt, was ist nur aus dir geworden? Da wartet das letzte Häuflein aufrechter Fans seit Monaten auf das Debütalbum des, wie soll es auch anders sein, „Next Big Thing“, und die böse Plattenfirma verschiebt den deutschen Veröffentlichungstermin von Monat zu Monat. Bedarf der potenzielle Super-Act etwa einer besonders ausgeklügelten Marketingkampagne oder handelt es sich vielleicht um ein gar nicht so wichtiges Thema? Besteht wieder mal akuter Hype-Alarm? Um dies herauszufinden, bleiben dem echten Hardcore-Fan zurzeit zwei Alternativen: Ein teurer Import oder ein beherzter Download von der nächstbesten P2P-Plattform. Nur so besteht eine reelle Chance, den vermeintlichen Trend mitzuerleben, solange er noch einer ist.

Grund für die Aufregung ist das im September 2003 veröffentlichte Album von Shawn Christensen (Vocals, Gitarre), Amanda Tannen (Bass), Arthur Kremer (Percussion, Keyboards) und Michael Jurin (Gitarre). Hierbei handelt es sich um Absolventen der Brooklyn Art School, die sich innerhalb kürzester Zeit per Selbststudium zur Rockband „ausbildeten“ und bereits nach wenigen lokalen Gigs als Support von The Raveonettes, The Strokes und Melissa Auf Der Maur mit Produzent Tim O’Heir (Sebadoh, The Folk Implosion, Dinosaur Jr.) und einem Vertrag mit dem RCA-Label (The Strokes!) in der Tasche ins Studio marschierten, um ihr erstes Album einzuspielen. Vom Pinsel zur Gitarre sozusagen. Klar, dass vor allem die britische Presse auf solche Geschichten anspringt. So lobte der NME die New Yorker anlässlich eines Konzertes in Austin, Texas überschwänglich als „the best band we’ve seen all day“.

Stellastarr* zitieren in ihren Stücken die gesamte Palette des rocklastigen BritPop von Pulp bis Blur, von Placebo bis _________ (bitte setzen Sie hier den Bandnamen ihrer Wahl ein), ohne zu vergessen, einen umfassenden Abstecher in die Achtziger zu machen, als Punk und Wave dominierten. Das klingt im ersten Augenblick richtig spannend und kann sich in den besten Momenten genauso mit aktuellen Ikonen, wie mit alten Helden der Marke The Cure oder Talking Heads messen. Deshalb wollen wir die in so einem Fall oft zitierte mangelnde Eigenständigkeit mal gepflegt übersehen. Ist der Hörer bereit, dieses in Kauf zu nehmen, wird er gewiss seine Freude mit dem vorliegenden Album haben. So präsentiert das US-Quartett zwar kein sonderlich aufregendes Werk, aber immerhin weit über dem Durchschnitt rangierenden Pop-Rock, der angefangen mit dem flirrenden Wave-Rocker „In the walls“, der auf direktem Weg in die 80er-Jahre zurückführt, über das hitverdächtige „My Coco“, bis hin zu munter abrockenden Uptempo-Songs wie „No weather“, „Somewhere across forever“ (stark!) und „Jenny“ locker ins Ohr geht und wenigstens zeitweise zu begeistern weiß.

Und überhaupt: Da es sich hier um ein Debüt handelt, wollen wir nicht all zu kritisch mit der Band ins Gericht gehen. Schließlich verbreitet das Album echte Kurzweil, auch wenn es im Bereich Innovation eine glatte Sechs erhält. Fans der oben genannten Bands dürften trotzdem ihren Spaß an der CD haben, denn die zehn Stücke auf „Stellastarr*“ wirken wie eine Frischzellenkur für Nostalgiker. Es gibt Zeiten, da braucht man wirklich nicht mehr als das!

Anspieltipps:

  • My Coco
  • Moongirl
  • Pulp song
  • A million reasons
  • Somewhere across forever
Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Stellastarr*“
comments powered by Disqus