John Lee Hooker - Jack O´Diamonds: 1949 Recordings - Cover
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John Lee Hooker Jack O´Diamonds: 1949 Recordings


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Warum erscheinen absolut essentielle Werke so oft erst nach dem Tod von berühmten Künstlern? Handelt es sich dabei um reine Geldmacherei oder um pflichtbewusste Chronistenpflicht? Wahrscheinlich wird sich diese Thematik nie ganz ausdiskutieren lassen. Also belassen wir es dabei und nehmen erfreut zur Kenntnis, dass drei Jahre nach dem unerwarteten Tod von Blues-Legende John Lee Hooker ein Album mit 20 unveröffentlichten Songs erscheint, die mehr als 50 Jahre auf dem Buckel haben und den Blues in seiner reinsten Form zeigen.

Die sogenannten „Jack O’Diamonds – 1949 Recordings“ des viermaligen Grammy-Gewinners und „Rock ’N Roll Hall Of Fame“-Würdenträgers stellen nochmals die herausragenden künstlerischen Fähigkeiten des am 22. August 1917 geborenen Ausnahmetalents unter Beweis, das sein Leben lang die Fähigkeit besaß, authentisch zu bleiben und sich gleichzeitig der jeweiligen Aktualität anzupassen. Mit seinem ungewöhnlichen Stil hat John Lee Hooker unzählige Weltstars, wie Carlos Santana, ZZ Top, Van Morrison, Robert Cray, The Rolling Stones, Bonnie Raitt und Led Zeppelin beeinflusst, die sich stets offen zu ihm bekannten. Sein Debüt gab Hooker 1948 mit der Nr. 1-Single „Sally Mae/Boogie chillen“, nachdem er in seiner Jugend kreuz und quer durch die USA gezogen war, um 1947 in Detroit sesshaft zu werden und seine ersten Tonaufnahmen zu machen. Hooker realisierte recht früh, dass das Leben auf einer Farm nicht seinen Vorstellungen entsprach. Deshalb verließ er seine Heimat Clarksdale, Mississippi, um als Musiker Erfolg zu haben. Doch erst die Detroiter Musikszene meinte es gut mit ihm und bescherte ihm eine größere Anhängerschar. Die folgenden Jahre waren dadurch gekennzeichnet, dass er unter zehn Pseudonymen (u.a. Delta John, Boogie Man, Texas Slim) 70 Singles für 21 Labels veröffentlichte, weil er von den verschiedenen Plattenfirmen schlicht und ergreifend um seinen verdienten Lohn betrogen wurde.

Sein ungewöhnliches, fußstampfendes Gitarrenspiel brachte ihm sein Stiefvater Will Moore in den 30er-Jahren bei, wodurch ein neuer heißer Sound geboren wurde. Dieser markante Stil war von extrem simpler Struktur. Sehr rhythmisch, aber gleichzeitig spartanisch trug er seine Stücke vor. Meist nur mit seiner Gitarre saß er auf der Bühne, um sich mit einem stampfenden Fuß den Rhythmus selbst vorzugeben, zu dem er seine poetisch angehauchten Alltagsgeschichten zum Besten gab. Das vorliegende Album präsentiert nun 20 akustische Aufnahmen einer Privat-Session aus dem Jahr 1949, die im Esszimmer des Detroiter Hauses von Cartoonist und Musik-Fan Gene Deitch mitgeschnitten wurden. Nachdem die Songs mehr als 50 Jahre verschollen waren, gibt sich das Eagle-Rock-Label jetzt die Ehre, das Werk, das sich vermehrt auf traditionelle Country-Blues- und Folk-Stücke konzentriert, zu veröffentlichen.

John Lee Hooker bestreitet das gesamte Programm solo auf der Akustikgitarre, was die Käufer seiner letzen Alben („The Healer“, „Mr. Lucky“, „Chill out“ oder „Don’t look back“), die mit dem Gesamtwerk des Meisters nicht so vertraut sind, etwas verwundern dürfte. Doch wer Herrn Hooker verstehen will, muss sich auch mit solch geschichtsträchtigen Werken auseinandersetzen. Zumal der digital remasterte Sound bezogen auf das Alter der Aufnahmen als absolut einwandfrei zu bezeichnen ist, sieht man mal vom obligatorischen Rauschen ab. Doch dieses leichte Knistern verleiht den Songs noch mehr Charme, als sie eh schon haben. So werden Blues-Puristen mit „Jack O’Diamonds – 1949 Recordings“ voll auf ihre Kosten kommen und bedeutungsvolle Stücke wie „Trouble in mind“, „Ezekiel saw the wheel“, „Old blind Barnabas“ oder „Moses smote the water“ ausnahmslos genießen.

Anspieltipps:

  • Trouble in mind
  • How long blues
  • Jack O’Diamonds
  • Moses smote the water
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