Robi Draco Rosa - Mad Love - Cover
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Robi Draco Rosa Mad Love


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 70 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Fragt man den europäischen Musikfreund nach dem puertoricanischen Sänger und Songschreiber Robert Edward Rosa Suarez, alias Robi Draco Rosa, wird man in der Regel unwissendes Kopfschütteln ernten. Dieser Name - in Latin-Kreisen längst eine große Nummer - ist in unseren Breitengraden noch ein unbeschriebenes Blatt. Dabei dürften die meisten Radiohörer seine Songs kennen. Schließlich betätigte sich der 33-Jährige für keinen Geringeren als Ricky Martin als Hitlieferant („Living la vida loca“, „She bangs“, „Come to me“ und „The cup of life“). Jetzt präsentiert das Talent nach vier spanischsprachigen Alben sein erstes Solowerk in englischer Sprache. Doch mit so einer Vorgeschichte sind zahlreiche Ressentiments vorprogrammiert. Vor allem dann, wenn einen Herr Suarez vom Cover des mit „Mad Love“ betitelten Albums, das allerlei schmachttriefende Titel der Sorte „Lie without a lover“, „My eyes adore you“ und „Mad love“ beinhaltet, auch noch wie ein Calvin-Klein-Model anschaut und auf Latin Lover macht.

Robi Draco Rosa arbeitete zusammen mit dem Produzenten George Noriega (Gloria Estefan, Ricky Martin, Shakira, Jon Secada) insgesamt zwei Jahre an „Mad Love“, das er neben Kalifornien auch in Puerto Rico, Spanien und Brasilien aufgenommen hat. Nicht zuletzt dadurch überrascht das Album mit Einflüssen von Flamenco, über Pop, Soul und Rock. Während der Sessions in seinem eigenen Studiokomplex, den „Phantom Vox Studios“ in West Hollywood, arbeitete er zudem mit hochkarätigen Session-Musikern und Produzenten, darunter Gitarrist Rusty Anderson (Dido, Joe Cocker, Jewel, Ronan Keating), Schlagzeuger Vinnie Coliauta (Christina Aguilera, Beach Boys, Celine Dion, Leonard Cohen), Keyboarder Patrick Warren (Michelle Branch, Sheryl Crow, Fiona Apple, Red Hot Chili Peppers), Bassist Paul Bushnell (Meredith Brooks, Jewel, Alanis Morissette, Elton John), Schlagzeugerin Carla Azar (Natalie Merchant, Joan Osborne, Joseph Arthur) und den Produzenten/Arrangeuren Walter Afanasieff (Mariah Carey, Celine Dion, Destiny’s Child, Josh Groban) und Van Dyke Parks (Beach Boys, Fiona Apple, Ry Cooder, Brian Wilson). Darüber hinaus hat Rosa für die Arbeit an der CD ein Dutzend Flamenco-Musiker aus Spanien und eine 20-köpfige Streichergruppe eingeladen.

Als wenn dies noch nicht genug wäre, besticht Rosas Stimme als lupenreine Adaption des leicht heiseren Organs von Sting, was natürlich ganz hervorragend zu potenziellen Kopulationsliedern wie „Do you remember“ oder „Dancing in the rain“ passt, das mit einem sexy pluckernden Groove und gefühlvollen Trompeten-Riffs in Miles-Davis-Manier überzeugen kann. Das ist eindeutig Musik für den Sommer. Für gute Laune und ungezwungenes Vergnügen. Allerdings wäre dieser Sound auf Dauer auch etwas langweilig, da die Latino-Pop-Welle bereits abgeebbt ist und der Hörer sich anderweitig orientiert hat. Deshalb lautet die Maxime auf „Mad Love“ stetige Abwechslung und nur bedingte Festlegung auf einen Stil. So kombiniert „Lie without a lover“ bluesige Gitarren-Licks mit prägnanten Bass-Grooves und einer luftig-leichten Melodie. „Try me“ ist lupenreiner Gitarren-Pop wie weiland Lenny Kravitz in praktiziert. Und da der ehemalige Rastamann auch ganz gerne mal die Rock-’n-Roll-Sau heraushängt, will ihm Robi Draco Rosa in Nichts nachstehen und lässt im rockigen „Heaven can wait“ die Gitarren wild aufheulen. Das ist wirklich beeindruckend!

„California“, „Never know the truth“ und „Crash push“ sind dagegen widerlich schmalzige Balladen im Ricky-Martin-Stil mit viel Pomp und Pathos, den obligatorischen Streichereinlagen und leicht weinerlicher Stimme. Da rollen sich dem Hörer schon mal die Fußnägel auf. Dabei zeigt der Puertoricaner, dass es auch anders geht, wie das atmosphärische „Solitary man“ beweist. Unbedingte Hitqualitäten, ohne auf die billige Radio-Pop-Schiene zu geraten, liefert auch das wunderschöne „My eyes adore you“, das mit einem „ätherischen Crescendo“ (Presse-Info) anregt. Dazu bietet das Album noch zwei spanische Bonus-Remixes von „Crash push“ („Mas Y Mas“) und „Dancing in the rain“ („Noche Fria“), sowie eine DVD mit einem „Making Of“ von „Mad Love“ und zwei Videoclips. Genügend Material also, um Herrn Rosa richtig kennen zu lernen und ein Album auf sich wirken zu lassen, das tatsächlich einige große Momente besitzt und durch echte Stilvielfalt wenigstens zeitweise überzeugen kann.

Anspieltipps:

  • Try me
  • Solitary man
  • Heaven can wait
  • Do you remember
  • My eyes adore you
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