Now It´s Overhead - Fall Back Open - Cover
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Now It´s Overhead Fall Back Open


  • Label: Saddle Creek/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit der „guten Musik“ ist das oft so eine Sache. Musik, die sich vom Kommerz entfernen will und gleichzeitig noch nach Musik klingt, ist eben doch eher rar. Oft versteigen sich die Künstler in verkopfte Songepen, die dann doch eher überfordern und den Hörer mehr Fragen als Antworten geben. Beispielsweise Bright Eyes oder The Mars Volta, Bands, die von der Fachpresse mit Lorbeeren überschüttet werden, deren Werk aber intensives Studium erfordert, bevor man es genießen kann. Werke, die zwar immer weiter wachsen, aber schon von Anfang an faszinieren, sind da rar gesät. Doch wir haben sie gefunden, die Nadel im Heuhaufen: Das neue Album von Now It’s Overhead, „Fall Back Open“ ist mit keinem anderen Wort als fantastisch zu beschreiben.

Andy Lemaster ist der Mastermind der Band aus Athens, Georgia (da kommen R.E.M. her), er schreibt und spielt und singt quasi alles auf „Fall Back Open“. Damit er im Booklet nicht ganz alleine da steht, wird das zarte Bürschchen mit der wunderschönen Stimme von Clay Leverett, dem Schlagzeuger, unterstützt, sowie von Orenda Fink und Maria Taylor, deren zarte und bittersüße Stimmen Kennern bereits von Azure Ray bekannt sein dürften. Unterstützt wird die Band ferner stimmlich von Conor Oberst, dem Godfather des „Now It’s Overhead“- Labels „Saddle Creek“ und Michael Stipe höchstpersönlich, die aber beide eher Fußnotencharakter entfalten. Was bei „Fall Back Open“ vor allem begeistert, ist die Bereitschaft zum zügellosen, melodiösen Pop. Ja, richtig gehört: Pop.

Dabei ist „Pop“ eigentlich sehr schlecht geeignet, das, was auf „Fall Back Open“ passiert, zu umschreiben. Der sogenannte „Pop“ muss sich erst entfalten. Zuallererst weiß der Hörer nicht so recht, was er mit „Fall Back Open“ anfangen soll. Gut, der Opener „Wait In A Line“ ist schon irgendwie ein Hit mit seiner hektisch-faszinierend Großstadt-Theatralik und Gänsehaut-Atmosphäre. Doch irgendwie scheint das Album wie eine fremde Sphäre daherzukommen, wie eine flüchtige Wolke am Himmel, der so gar nichts besonderes anhaftet. Das ist zwar schön, aber irgendwie noch nicht recht einzuordnen. So wird es dem Hörer gehen, der zwischen den unverkennbaren Hits „Wait In A Line“, „Reverse“ mit seiner genialen Instrumentierung und dem absolut fantastisch-melacholisch-wunderschönen „A Little Consolation“ erst einmal wenig Greifbares vorfindet.

Nach 5-10 Durchläufen wird aber immer mehr klar, das „Fall Back Open“ ein Kunstwerk geworden ist: Die Hits werden zu Über-Hits, die man Tag und Nacht hören könnte und der Rest fräst sich dermaßen nachhaltig in die Gehirnhälften ein, dass dem Hörer bald nur noch die Melodien und Rhythmen dieser CD im Kopf herumschwirren. Dabei sind es so einfache Mittel, mit denen Lemaster seine Hörer fasziniert: einfacher Folk gepaart mit Indie-Pop Elementen, wunderbaren Gitarren und schönen Melodien. Doch was hier den Unterschied macht, ist die unerklärliche Atmosphäre, die die Platte in ein unaufdringliches und doch immer wieder faszinierendes Licht taucht.

Dabei sind Now It’s Overhead am Ende dann doch gut einzuordnen: Das hier klingt wie The Verve ohne Streicher und ohne Schaumkronen. Oder wie U2 ohne Pathos, besonders, als in „Wait In A Line“ eine „The Edge“-Gitarre aufzukommen scheint, dann aber nach großer Wirkung wieder verschwindet. Ein Kommen und Gehen, ein Auftauchen und Verschwinden ist das, was „Fall Back Open“ vielleicht am nachhaltigsten prägt: Eine Welt zum Eintauchen, so schön, das man sie jeden Tag erleben möchte.

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