The Cure - The Cure - Cover
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The Cure The Cure


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Über 25 Jahre wandeln Robert Smith und seine zeitweise wechselnden Mitstreiter durch die dunkle Popgeschichte und blicken auf mit dichter Atmosphäre gesegnete Meilensteine wie „Faith“, „Pornography“ und „Disintegration“ zurück. Im Jahr 2000 erschien „Bloodflowers“, welches sich nach dam schwungvollen und mitunter manischen „Wild Mood Swings“ auf die schwelgerische Stärke besann. Robert Smith, seines Zeichens Verfechter der Gothic-Schublade, begab sich auf fremdmusikalische Reisen, bei denen er mit den Dance-Meistern Blank & Jones „A Forest“ im clubtauglichen Gewand neu aufnahm und die Jungspunde von Blink 182 auf ihrem letzten Studioalbum als Gaststimme unterstützte. Doch auch von den mit dreißig Millionen verkaufter Alben gesegneten The Cure gab es 2004 auf ihrem selbst betitelten Werk ein Wiederhören. Aufgenommen in den Londoner Olympic Studios stand Produzenten-Urgestein Ross Robinson (Korn, Limp Bizkit, At The Drive-In) zum ersten Mal für The Cure hinter den Reglern und drückt diesem Album seinen deutlich rauen sowie rockigen Stempel auf. Für die Freunde von träumerischer, sanft fließender Melancholie ein schwieriges Unterfangen.

„Lost“ besticht als großartiger Opener und lauert zu Beginn hinter tiefer gestimmten Gitarren und einem LoFi-Drumsound, während er mit zunehmender Dauer an Wut gewinnt und Robert Smith laut klagend seine Qualen auf die Welt loslässt. Das Schlagzeug rumpelt vor sich hin und wird von Gitarrenwänden in seiner Intensität unterstützt. Schönheit und dunkle Eleganz klingt anders, jedoch greift die Atmosphäre tief in jede vorhandene Hirnhälfte und überwältigt einen bei dem folgenden „Labyrinth“. Mit viel Hall in der Stimme und druckvollem Bandsound erzeugen die Herren eine so nie erwartete Dynamik, die sich befreiend vor der drohenden Apokalypse rettet. Die Kunst, zwischen erdrückendem Tiefgang, gar fröhliche Popsongs zu schreiben, ist The Cure seit den Anfangstagen gegeben. „Before Three“ gibt die Vorlage für die erste Single „The End Of The World“ – entgegen dem Titel ein luftig leichter Track, bei dem nur die Lyrics die Wahl zum Sommersong verhindern. Nach dem eingängigen, ebenfalls als Single ausgewähltem „Taking Off“ brechen in „Never“ alle Dämme. Mit dringlichen Riffs und präzisem Schlagzeuggewitter lassen The Cure definitiv erdigen Rock´n Roll auf den Hörer los, während Robert Smith nie so wütend und angriffslustig klang. Keine Frage, da steht die gesamte Band und der Spaß an eben dieser im Vordergrund, nicht egozentrische Rangeleien wie bei den Aufnahmen vergangener Alben. Das fast 10-minütige, nochmals weit ausholende „The Promise“ mündet abschließend in „Going Nowhere“, eine Piano-Ballade mit Beigabe der typischen Cure-Gitarren und überrascht am Ende einer überraschenden Platte mit leisen, zweiflerischen Tönen.

Obwohl The Cure bei weiten Teilen der Musikgemeinde sicherlich für atmosphärische Wohltaten mit Hang zu introvertierten Songs stehen, sollte jeder aufgeschlossene Hörer Gefallen an diesem rockigen, gar lauten und energetischen Longplayer finden, zumal einprägsame Hits auch hier zu finden sind. Dass sich The Cure den Ballast so prätentiös von der Seele spielen und die Band, wie musikalisch nachzuempfinden, von der besten Studioatmosphäre spricht, läst hoffen, dass dies nicht das letzte Album gewesen ist – auch wenn die leisen Zweifel im Gesamtwerk von The Cure einfach unschlagbar sind und man sich die ein oder andere Schwelgerei mehr für das nächste Werk wünscht.

Anspieltipps:

  • Lost
  • Labyrinth
  • Taking Off
  • Going Nowhere
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