Soundtrack - The Punisher - Cover
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Soundtrack The Punisher


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 68 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Verantwortlichen von Sony Music haben sich in den letzten Jahren zu echten Spezialisten für Soundtrack Compilations entwickelt. Dabei ist das Erfolgsrezept denkbar einfach: Man nehme einfach alles, was Rang und Namen hat, würze das Ganze ein bisschen mit Nachwuchsbands und fertig ist das Hitalbum. Auf diese Art wurden zum Beispiel die Soundtracks zu „Godzilla“ (1998), „Scream 3“ (2000), „Spider Man“ (2002) und „Daredevil“ (2003) zu echten Verkaufsschlagern. Na gut, wenn man ehrlich ist, betreibt Universal Music dieselbe, erfolgreiche Strategie („American Pie“-Trilogie, „The Matrix“-Trilogie). Und auch die übrigen Mitbewerber (Warner, EMI) haben den Trend schon lange erkannt. Also ist es wieder mal wie immer: „The Trend is your Friend“, bzw. „Was du kannst, kann ich schon lange!“ – Hauptsache die Kasse stimmt.

Rechtzeitig zum Kinostart der neuesten Marvel Comicverfilmung „The Punisher“ kommt nun ein Soundtrack in die Läden, der sich wie ein who is who des Alternativ Rock liest. Bands wie Drowning Pool, Puddle Of Mudd, Nickelback, Queen Of The Stone Age oder Hatebreed sollen die Story von „Frank Castle“ als „The Punisher” untermalen und auf seinem Kampf gegen das Böse begleiten. Da der „Punisher“ über keinerlei Superkräfte verfügt, muss er sich allein auf seine scharfe Intelligenz, seine langjährige Kampferfahrung und vor allem auf seine eisenharte Entschlossenheit, all diejenigen zu rächen, denen die Gesellschaft Leid zugefügt hat, verlassen. Klar, dass der geneigte Rächer für so ein Unterfangen brettharte Alternative-, Nu-Rock- und Metal-Klänge bevorzugt.

Wie schon beim „Daredevil“-Album haben die Executive Music Producers Dave Jordan, Steve Lerner und Gillian Morris wieder einen authentischen Soundtrack-Sampler mit überwiegend neuen Songs und einigen frischen Newcomern auf die Beine gestellt. Damit findet eine gute Tradition ihre Fortsetzung, denn nach Evanescence („Bring me to life”), die den „Daredevil”-Soundtrack mit einer fast Nummer 1 pushten, ist der diesmalige Up-And-Coming-Breakthrough-Artist die Band Seether. Der forsch abrockende Nu-Rock-Groover „Sold me“ und vor allem ihre Monster-Ballade „Broken“ könnte der Kickstart zur Weltkarriere bedeuten – immerhin gastiert Amy Lee, die Sängerin der Multiplatin veredelten Grammy-Preisträger Evanescence, als Duettpartnerin bei dem Stück. Ob man allerdings gleich darauf die balladesken Stücke „Finding myself“ (Smile Empty Soul) und „Lost in a portrait“ (Trapt) ansetzen musste? Dadurch bekommt der Soundtrack einen Bruch, der erst durch die kraftvollen Beiträge von Chevelle („Still running“) und der Kollaboration von Ex-Alice-In-Chains-Gitarrist Jerry Cantrell mit Damageplan („Ashes to ashes“) ausgebügelt werden kann.

Als Opener fungieren Drowning Pool, die passender Weise mit ihrem neuen Album „Desensitized“ (01.06.2004) in den Startlöchern stehen. Die Newcomer-Metal-Band des Jahres 2001 wuchtet mit dem energischen Hassklumpen „Step up“ einen echten Wachmacher aus den Boxen, der von den Nirvana-Plagiatoren Puddle Of Mudd mit „Bleed“ gleich wieder ausgebremst wird. Die unvermeidlichen Nickelback sind ebenfalls am Start und steuern mit dem groovigen Song „Slow motion“ ein Stück bei, das genauso klingt, wie alles, was Nickelback zuvor ablieferten. Verzichtbar! Auch nicht so richtig gut sind (leider!) die Queens Of The Stone Age mit dem larmoyanten „Never say never“. Der Song hat zwar einen coolen Groove, kommt aber gitarrentechnisch kaum aus dem Quark. Hoffentlich klingt das neue Album der Queens nicht auch so. Dagegen sticht der Titel von Mark Collie ins Auge. Der Nu-Country-Star hat im Film die Rolle des Killers und „Punisher“-Jägers „Harry Heck“ und gibt mit seinem Song „In time“ und dem bissigen Text („... I wrote that for you. I'm gonna sing it at your funeral…“) die Film-Atmosphäre sehr gut wieder. Wunderschön poppigen Alternative-Rock bieten zudem Edgewater („Eyes wired shut”). Finger Eleven präsentieren einen für diese Band ungewöhnlich aggressiven Rock-Bastard („Slow chemical“) und der Ex-Evanescence Gitarrist Ben Moody darf zusammen mit Jason Miller (Godhead) und Jason Jones (Bluestring) gewohnt melodisch „The end has come“ verkünden.

„The Punisher – The Album“ stellt mit knapp 70 Minuten Spielzeit und 19 Bands eine amtliche Vollbedienung für den Anhänger von Alternative-Rock, Nu-Rock- und Nu-Metal dar. Mit gepflegter Härte und erfreulich geringem Balladenanteil ist der Soundtrack eine sinnige Ergänzung des Films und uneingeschränkt empfehlenswert.

Anspieltipps:

  • Chevelle – „Still running”
  • Drowning Pool – „Step up”
  • Edgewater – „Eyes wired shut”
  • Hatebreed – „Bound to violence”
  • Seether Feat. Amy Lee – „Broken”
  • Jerry Cantrell Feat. Damageplan – „Ashes to ashes”
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