Stockholm Syndrome - Holy Happy Hour - Cover
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Stockholm Syndrome Holy Happy Hour


  • Label: Ulftone/EDEL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Beginn einer langen (hoffentlich) Freundschaft. Doch aller Anfang ist schwer. Nähern wir uns deshalb erst einmal vorsichtig der Band. Der Bandname: "Stockholm Syndrom" - Dieser Begriff bezeichnet eine spezifische Verhaltensweise von Verbrechensopfern, die sich aufgrund der Extremsituation ungewollt mit ihren Tätern arrangieren oder sich sogar verlieben, Mitleid fühlen und unter Umständen sogar gemeinsam mit ihnen deren Ziele unterstützen. Hintergrund: Am Donnerstag, den 23. August 1973 überfiel ein schwerbewaffneter Mann eine Bank in Stockholm, Schweden und nahm vier junge Geiseln. „The party has just begun“, soll er geschrieen haben und mit einem ohrenbetäubenden Feuer aus seiner Maschinenpistole, die mehr als 60 Kunden und Angestellte der Bank in Angst und Schrecken versetzt haben. Die „Party“ dauerte mehr als 131 Stunden und wurde für die vier Geiseln alles andere als lustig......

Soviel erst mal zur Erklärung. Warum allerdings die fünf Jungs diesen Namen wählten, konnte bis dato noch nicht erforscht werden. (Wir hängen uns an ihre Fersen) Eigentlich unerklärlich, denn musikalisch ist derlei ganz und gar nichts zu erwarten. Im Gegenteil: Stockholm Syndrome überrascht, mehr als heute eigentlich noch zu erwarten wäre, mit Songs im Style der 70er-Jahre. Erfrischend anders. Korpulent, molliger Ami-Rock, gepaart mit groovendem Funk, ein wenig Jazz, Blues, zarten Reggae- und Calypsosounds, und einer riesen Menge Spaß und Happyness. Eine erste Kontaktaufnahme erinnert sofort an legendäre Jam-Bands des besagten Jahrzehnts. Man könnte sich fast sogar etwas weiter aus dem Fenster lehnen als erlaubt und behaupten: Hier werde gerade ein „neuer“ Musikstil kreiert. Ich weiß, ein wenig gewagt. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Dass „Holy Happy Hour“, Erstlingswerk der Formation Stockholm Syndrome, klingt wie es klingt, dafür sorgen exquisite Musiker und Songschreiber. Eine Kollaboration an Genialität, die ihren eigenen Sound perfekt kreiert. Zu nennen wäre Gitarrist und Sänger Jerry Joseph – Vergleiche mit David Lowery, Graham Parker oder Tom Petty braucht er nicht zu fürchten. Er verbindet auf begnadete Weise Individualität und Alltäglichkeit. Sein Songwriting strotzt vor Ideenreichtum, Phantasie und Vorstellungskraft. Einfach nur perfekt! An seiner Seite Bassist Dave Schools – einer der besten Bassisten seiner Generation. Nicht nur als Musiker für Widespread Panic – einer der erfolgreichsten Live-Acts der USA – sondern natürlich auch für Stockholm Syndrome tätig, produzierte Dave das komplette Debütalbum. Ebenfalls mit im Boot, ein Berliner Junge, Komponist, Arrangeur, Dichter, Schreiber und Pianist: Danny Dziuk. David Lindley sagte einmal über ihn: "Für mich ist er Deutschlands Randy Newman". Dannys Sound schmiegt sich galant ins Gesamtkunstwerk ein. Unverkennbar sein Stil und seine Kunstfertigkeit. Mit Eric McFadden greift ein alter Haudegen ordentlich in die Saiten. Als Gitarrist an der Seite von George Clinton und den P-Funk-Allstars sorgte er für den nötigen Drive. Sein treffsicheres Gitarrenspiel verleiht Flügel. Zu guter letzt, an den Drums Wally Ingram. Seine Tourliste kann sich lesen lassen. Er spielte u.a. mit David Lindley, Art Garfunkel, Tracy Chapman, Sheryl Crow, Jackson Browne, Neil Young und Taj Mahal. Eine edle Besetzung. Fazit: Stockholm Syndrome – eine Adresse, die man sich für die Zukunft merken sollte. „Holy Happy Hour“ – mehr als nur eine heilige, glückliche Stunde! Eine Mischung aus Poesie, Soul und Energie.

Anspieltipps:

  • Purple hearts
  • American fork
  • Couldn´t get it right
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