Mando Diao - Bring ´Em In - Cover
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Mando Diao Bring ´Em In


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

In gerade mal 38 Minuten liefert das schwedische Quintett einen wahnwitzigen Parforceritt ab.

Der Handy-Markt ist eines der meist umkämpften Geschäftsfelder unserer Zeit. Klingeltonmelodien bringen inzwischen mehr Tantiemen als ein mittlerer Single-Hit. Die Handy-Hersteller überbieten sich mit immer ausgefalleneren Hightech-Modellen und die großen Telefongesellschaften setzen beim Ringen um Marktanteile auf knackige Rockmusik als junge, hippe Untermalung ihrer Werbespots. Das freut natürlich die Plattenfirmen, die auf diese Weise kostenlose Promotion für ihre Acts erhalten. Und einige Plattenkäufer werden zugeben müssen, dass sie das erste Mal von Bands wie den Dandy Warhols („Bohemian like you“), Jet („Are you gonna be my girl“), The Mock Turtles („Can you dig it?“), Sublime („What I got”) oder PJ Harvey („This is love”) aus der Handy-Werbung erfahren haben.

Weil die Kooperation zwischen Telefon- und Plattenindustrie bisher soll toll funktioniert hat, steht auch schon der nächste Marketing-Coup in den Startlöchern: Die schwedische Rockband Mando Diao stellt mit dem Song „Lady“ von ihrem Debütalbum „Bring ’Em In“ (2002) die aktuelle Erkennungsmelodie für den TV-Spot einer internationalen Telefongesellschaft. Einen effektiveren Weg, um das zwei Jahre alte Werk außerhalb Schwedens bekannt zu machen, kann man sich kaum vorstellen. Wenn es darüber hinaus von allen, die das Werk bereits hören durften, ausschließlich Lobeshymnen regnet, kann die Karriereleiter für Gustaf Norén (Vocals, Gitarre), Björn Dixgård (Vocals, Gitarre), Daniel Haglund (Orgel), Samuel Giers (Drums) und Carl-Johan Fogelklou (Bass) aus der Provinz Borlänge eigentlich nur steil nach oben zeigen.

Nachdem Mando Diao außerhalb der Heimat bereits die Fans in Japan und USA begeisterten, wird es Zeit für die erste Tournee durch Deutschland. Schließlich hat die Band mit „Bring ’Em In“ ein wahres Rock-’n-Roll-Feuerwerk im Gepäck, das die rotzige Energie des Garagenrock von Bands wie den White Stripes und den Strokes mit der Melodieverliebtheit britischer Gruppen der Marke Oasis und The Coral verbindet. So präsentieren sich die fünf Herren auf dem Albumcover stilecht in dunklen Klamotten und mit verwuselten Post-Pilzkopf-Frisuren und legen ein an Größenwahn grenzendes Selbstverständnis an den Tag, dass den Krawallbrüdern von Oasis Hören und Sehen vergehen dürfte. Mando Diao orientieren sich nicht nur stilistisch an den größten Bands der Rockgeschichte - sie halten sich auch für eine von ihnen!

In gerade mal 38 Minuten liefert das schwedische Quintett einen wahnwitzigen Parforceritt ab, der alles, was der Rock ’n Roll in den letzten 40 Jahren hervorgebracht hat, durchkreuzt. Ob bluesgeschwängerte Groove-Bolzen („Motown blood”), larmoyante Bastarde aus akustischen Gitarren, fetten Hammond-Orgel-Wolken und wehklagenden Gesängen („Lauren’s cathedral“), vom Teufel getriebenen Rockern, bei denen die E-Gitarren-Saiten zum Qualmen gebracht werden („Sheepdog“, „Sweet ride“, „Bring ’em in“), frechen Singalongs mit Hitcharakter („P.U.S.A.”, „Mr. Moon“) oder den psychedelischen Fährten von Velvet Underground hinterher steigenden Repliken („To China with love“, „Paralyzed”) – Mando Diao reihen sich problemlos in die Riege des hochklassigen Retro-Rock ein. Und dabei tragen sie noch nicht mal das obligatorische „The“ im Namen. Es geht also auch ohne. Wer hätte das gedacht?

Anspieltipps:

  • Sheepdog
  • Mr. Moon
  • Paralyzed
  • Little boy jr.
  • To China with love
  • Lauren’s cathedral
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