Drowning Pool - Desensitized - Cover
Große Ansicht

Drowning Pool Desensitized


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Für den außenstehenden Betrachter ist das so genannte Rockstarleben nicht mehr als das berühmte Klischee von „Sex, Drugs & Rock ’n Roll“. Ganze Heerscharen schwerreicher Plattenmillionäre bauen darauf ihr Image auf, um den plattenkaufenden Kids das Geld aus der Tasche zu ziehen, Rabatt beim Kokseinkauf zu erhalten und die schärfsten Hasen abzugreifen. Hasen, wie eine gewisse Jesse Jane, die uns leicht bekleidet und mit einer Baseball-Keule bewaffnet, auf dem Cover des neuen Drowning Pool Albums „Desensitized“ begrüßt. Doch auf für Rocker ist nicht immer nur Party angesagt.

Mit ihrem Platin veredelten Debütalbum „Sinner“ (2001) im Gepäck, tourten Drowning Pool mit dem „Ozzfest“ kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten und genossen ihren Status als heißester Newcomer in der Nu-Rock- und Metal-Szene. Doch als die Band am 14. August 2002 in Manassass im US-Bundesstaat Virginia Station machte, fand man ihren Sänger Dave Williams tot im Tourbus. Offizielle Todesursache: Williams starb an einer unentdeckten, vermutlich angeborenen Herzmuskelschwäche (Kardiomyopathie). Der toxikologische Befund lieferte darüber hinaus die Erkenntnis, dass der 30-Jährige keinerlei Drogen genommen hatte. Dazu Bassist Stevie Benton: „Es war fürchterlich. Eben noch hatten wir den größten Spaß beim Ozzfest und plötzlich hatten wir unseren Bruder verloren“.

Die Band sagte alle öffentlichen Auftritte ab und kehrte in ihre Heimat Dallas, Texas zurück, um von ihrem Freund und Bandkollegen Abschied zu nehmen. Ein Jahr später hatten C.J. Pierce (Gitarre), Stevie Benton (Bass), Mike Luce (Drums) auf Empfehlung von Musikerkollege Sonny Mayo (Snot, Hed PE) in dem Ex-Tätowierer Jason „Gong” Jones einen neuen Sänger gefunden, der Dave Williams stimmlich verblüffend nahe kommt und sich als absoluter Top-Shouter erweißt. Damit geht die Geschichte einer der fanfreundlichsten Rockbands weiter und schlägt mit dem Album „Desensitized“ das nächste Kapitel auf. Drowning Pool legen wie von der Tarantel gestochen los und zimmern mit „Think“ und dem vom „The Punisher”-Soundtrack bekannten „Step up” zwei infernalische Metal-Gewitterstürme in die Landschaft. Das nachfolgende „Numb“ kommt etwas weniger ungestüm daher, legt dafür aber einen fetten Groove in bester Nackenbrechermanier an den Tag. Der Song drückt die Hoffnungslosigkeit aus, die man in manchen Situationen spürt – ein zentrales Thema der gesamten Platte, an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass Hoffnungslosigkeit nicht das Ende ist.

Das herausragende „This life“ bedient sich ganz ungeniert bei den Grunge-Heroen von Alice In Chains. Das Stück basiert auf dem ersten Gitarrenriff, das C.J. Pierce nach Williams Tod geschrieben hat und ist einer der drei ersten Songs, die Drowning Pool mit ihrem neuen Frontmann Jason Jones geschrieben haben. In dem Song geht es darum, dass wir unser Schicksal nur bis zu einem bestimmten Grad unter Kontrolle haben und das Leben manchmal böse Überraschungen bereithält. Etwas zieht dir den Boden unter den Füßen weg. Aber das Leben geht weiter, die Musik geht weiter.

In die Minimalspielzeit von 39 Minuten gedrückt, serviert der Vierer noch den einen oder anderen guten („Love & War“) bis besseren Song („Bringing me down”), sodass das druckvoll produzierte Album gewiss zu den solideren Machwerken des Gernes zählt. Unterm Strich bietet „Desensitized“ allerdings nicht mehr als etwas über dem Durchschnitt rangierende Massenware, mit der man heutzutage keinen Hering mehr vom Teller zieht. Vor ein paar Jahren, als Nu-Rock und Alternative Metal noch ganz neu waren, wären Drowning Pool mit so einem Album sicher ganz dick im Geschäft gewesen. Inzwischen ernten Sounds aus der Schnittmenge von Pantera und Alice And Chains nur noch müdes Schulterzucken. Kein Wunder bei dem Überangebot, und schade um Drowning Pool.

Anspieltipps:

  • Step up
  • This life
  • Love & war
  • Cast me aside
  • Bringing me down
Neue Kritiken im Genre „Alternative Rock“
6/10

(How To Live) As Ghosts
  • 2017    
Diskutiere über „Drowning Pool“
comments powered by Disqus