Teye Y Belén - FlamencObsesionArte - Cover
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Teye Y Belén FlamencObsesionArte


  • Label: CoraZong Records/SONY
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Flamenco – obwohl über diesen Musikstil schon soviel geschrieben und geforscht wurde, weiß man bis heute nicht sicher, wo diese extravagante Spielart ihre Abstammung hat. Was man allerdings weiß, ist, dass diese besondere Musik aus den Herzen unterdrückter Menschen stammt, die vor 500 Jahren aus dem Süden Spaniens von den Christen in die Emigration getrieben wurden. Die frühen Zeugnisse über die Musik der Gitanos (Zigeuner) stammen aus dem Jahre 1774. Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Künstler Amateure oder Halbprofis. Sie verdienten sich ihr Geld durch Handlangerarbeiten. Sie reisten herum und tanzten bei reichen Familien für Kost und Logis. Die Gastgeber wussten diese Kunst nicht immer zu schätzen, aber Demütigungen waren für die Künstler in Geldnot erträglich. 1922 versuchte ein Kreis von Intellektuellen um Frederico Garcia Lorca und Manuel de Falla den mittlerweile als vulgär und niveaulos veralteten Flamenco als das zu rehabilitieren, was er in ihren Augen war: Als eine würdige Volkskunst mit langer Geschichte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dem reinen Flamenco vom Ausland her wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt und damit eine Renaissance eingeleitet. Theatergruppen, die mit spanischem Ballett und Volkstänzen auf Auslandtournee gingen, schlossen oft Flamencotruppen mit guten Künstlern ein. Interessierte und Musikbegeisterte merkten bald, dass hinter Glitzer und Glamour ein echter Flamenco stecken musste mit viel Geschichte und Tiefe, dessen sich zu suchen lohnte.

Ein Aushängeschild der Flamenco-Kultur ist das multikulturelle Musikerehepaar Teye und Belén. Dabei leben die beiden nicht etwa im wunderschönen Andalusien, sondern in einem Wohnwagenpark in Austin, Texas. Doch gerade diese speziellen Einflüsse, von denen es in der Lebensgeschichte der beiden eine ganze Menge gibt, wirken sich fördernd auf ihre Musik aus. So kam Teye im niederländischen Fryslan auf die Welt, während Belén aus Sevilla, Spanien stammt. Teye verließ schon früh das Elternhaus und zog mit seiner Gitarre viele Jahre als Wandermusiker durch Europa, bis er in Spanien auf eine Zigeunertruppe traf, die ihm das Flamencospiel beibrachten. Durch seine eigenwillige Technik und die unglaubliche Mischung aus Country-, Rock-, Zigeuner- und klassischer Gitarre erhielt er den Spitznamen „El Gitano Punky“. Darüber hinaus festigte er seine Fähigkeiten auf den Musikhochschulen in Groningen und Rotterdam, die er mit cum laude abschloss. Zu Teyes Lehrmeistern zählen unter anderem Juan Munoz, Paco Pena, Manolo Sanlucar, Manolo Lozano und Jose Luis Balao vom berühmten „Catedra de Flamencologia“ in Jerez de la Frontera.

Teye spielte in zahllosen Soloshows und mit verschiedenen Tanzgruppen in Deutschland, Holland, Frankreich, Spanien, Tschechien und Amerika, wo er auch als Gitarrist der Joe Ely Band, mit Bruce Springsteen, Willie Nelson, Dwight Yoakam, Rosanne Cash und Lyle Lovett tourte. Herausragende Beispiele seines Gitarrenspiels finden sich auf den hochgelobten Joe-Ely-Alben „Letter To Laredo“ und „Twisting In The Wind“. Vor drei Jahren erhielt er eine besondere Weihe, als sein Debütalbum „Viva el Flamenco“ von Starregisseur David Lynch im „Austin Chronicle“ als „… powerful tribute to the spirit of Flamenco“ gelobt wurde. Seine messerscharfe Grifftechnik, kombiniert mit den intensiven Gefühlen des Flamenco macht ihn zu einem Ausnahmetalent unter den „World Music“-Gitarristen.

Teye’s neue Veröffentlichung „FlamencObsesionArte“ ist eine erneute Hommage an die Tradition der Flamencomusik, nicht ohne neue Elemente einfließen zu lassen. So gibt Flamencostar Remedios Castro ebenso ein Gastspiel wie der persische Sänger Mohammad Firoozi, werden anstelle von Kastagnetten stampfende Pferdefüße oder eine wehklagendes Geigensolo eingestreut. Der gebürtige Holländer mischt wieder mal Zigeuner-, Tango- und Flamencoklänge mit den Country- & Western-Einflüssen seiner texanischen Wahlheimat zu einer betörenden Songsammlung, die mit exotischen Instrumenten wie Sitar, Djembe, Oud (eine arabische Laute), Dumbek und Congas eingespielt wurde. Nichtsdestotrotz ist und bleibt „FlamencObsesionArte“ ein „Special Interest“-Produkt, in das es sich lohnt hereinzuhören, wenn man sich für Flamenco in nicht ganz alltäglicher Form interessiert.

Anspieltipps:

  • El deseo
  • Sol del Caribe
  • Punta y Tacón
  • Caballo nuevo, campo viejo
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