Velvet Revolver - Contraband - Cover
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Velvet Revolver Contraband


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit einem Jahr ist es DAS Thema in der Rockwelt: das Debütalbum der Allstar-Band Velvet Revolver. Denn während W. Axl Rose noch immer von seinem Phantom-Album „Chinese Democracy“ phantasiert, das - welch ein Frevel - unter dem Bandnamen Guns ’N Roses erscheinen soll, haben sich mit Duff McKagan (Bass), Matt Sorum (Drums) und Slash (Gitarre) drei Ex-Mitglieder der besten Hard-Rock-Gruppe der 90er-Jahre mit Ex-„Stone Temple Pilots“-Sänger Scott Weiland und dem Gitarristen Dave Kushner (Ex-Infectious Grooves, Ex-Loaded, Ex-Dave Navarro Band) zu einer Supergruppe zusammengeschlossen. Auf das Ergebnis, das am 7. Juni unter dem Namen „Contraband“ (zu deutsch: Schmuggelware) in die Läden kommt, warten bereits Millionen Rockfans fieberhaft. Denn ähnlich wie bei Herrn Rose, war auch dieses Album keine leichte Geburt.

Alles fing damit an, dass Slash, Duff und Matt Anfang 2002 auf einem Benefizkonzert zu Ehren des verstorbenen Ozzy-Osbourne-Schlagzeugers Randy Castillo, zusammen mit Stargast Steven Tyler (Aerosmith) und den „Buckcherry“-Musikern Keith Nelson und Joshua Todd, jammten. Zuschauer und Band hatten dabei soviel Spaß, dass Duff McKagan die Initiative ergriff und gemeinsame Proben arrangierte. Nach drei Monaten stellte sich allerdings heraus, dass die Ex-Gunner keinen richtigen Draht zu Nelson und Todd entwickeln konnten. McKagan brachte daraufhin den L.A.-Szene-Veteran Dave Kushner ins Boot, der sich als perfekte Ergänzung herausstellte. Jetzt fehlte nur noch ein Sänger. Unglaubliche acht Monate suchten die Vier nach einem passenden Shouter, sichteten auf unzähligen Auditions mehrere Dutzend Kandidaten, darunter so illustre Namen wie Sebastian Bach (Ex-Skid Row), Travis Meek (Days Of The New) und Chris Cornell (Audioslave), und hörten sich 200 bis 300 Demotapes an. Dabei hatten sie mit Scott Weiland längst einen Favoriten. Dieser war allerdings noch an seine Band Stone Temple Pilots gebunden.

Da es sich inzwischen herumgesprochen hatte, dass in Los Angeles eine neue Supergruppe in der Mache war, kamen Vertreter von „Immortal Entertainment“ auf die Musiker zu, um ihnen ein Angebot über zwei Soundtrack-Beiträge zu offerieren. Mittlerweile lagen auch die Stone Temple Pilots in den letzten Zügen, sodass man die Chance ergriff, und mit Scott Weiland, der jetzt endlich vertragsfrei war, den Pink-Floyd-Klassiker „Money“ für „The Italian Job“ und „Set me free“ für den „Hulk“-Film einspielte. Endlich war die ideale Besetzung gefunden. Und mit mehr als 70 Songs in der Hinterhand ging es alsbald ins Studio, da mit RCA/BMG auch schon ein potenter Partner der Plattenindustrie an der Angel war. Ende Dezember 2003 war „Contraband“ komplett eingespielt, abgemischt und gemastert - nur Sänger Scott Weiland tanzte aus der Reihe und verhedderte sich zum x-ten Mal in seiner Drogensucht. In einem Strudel aus Verhaftungen, Gerichtsterminen, Reha-Aufenthalten, Plattenaufnahmen und Promo-Terminen, musste der Veröffentlichungstermin mehrere Male verschoben werden. Zeitweise gab es sogar die Absicht, mit der Live-CD „At The El-Rey“ auf den Markt zu gehen, um die Wartezeit zu verkürzen. Doch zwei Alben kurz nacheinander sind in Zeiten rückläufiger Verkaufszahlen sicher keine gute Idee. Und so wurden die Pläne verworfen und eine „Contraband“-Veröffentlichung für Anfang Juni angepeilt.

Natürlich müssen sich die Velvet-Revolver-Mitglieder Vergleiche mit ihren Ex-Bands gefallen lassen. Und alles andere, als ein ähnlicher Sound, bzw. eine Mischung aus Guns ’N Roses und den Stone Temple Pilots, wäre eine Überraschung. Aber vermutlich dürfte es auch genau das sein, was die Fans von ihren Helden (STP und GNR verkauften zusammen rund 100 Millionen Tonträger!) erwarten. Und das da draußen noch ein Markt für Bands wie Velvet Revolver existiert, beweisen die überraschend guten Verkaufszahlen des völlig überflüssigen „Best Of“-Werks der Gunners. Produziert wurde „Contraband“ im übrigen von Josh Abraham (Staind, Limp Bizkit). Für den stilechten Klang ist Soundhexer Andy Wallace (Nirvana, Slayer, Sepultura, Linkin Park) verantwortlich. Mehr Rock geht nicht – oder doch!?

Unter Sirenengeheul setzt sich der „Sucker train blues“ in Bewegung. Der treibende Rocksong mit deutlich hörbarem Punk-Einschlag und typischem Slash-Solo macht schonungslos klar: Genauso könnten GNR heute klingen, wenn Herr Rose nicht komplett abgedreht wäre. Doch Obacht mit den Vorschusslorbeeren! Denn die überwiegende Anzahl der „Contraband“-Songs belegt ebenfalls sehr deutlich, dass wir Guns ’N Roses anno 2004 so NICHT hören wollten, da die meisten Kompositionen einfach nur mittelmäßig sind und kaum über den Status „Füllmaterial“ hinauskommen. So sind etwa „Do it for the kids“ und „Big machine” zwei fett pumpende, aber ebenso überraschungsarme Rocksongs, bei denen nur das Gitarrenspiel von Slash eine eigene Identität besitzt. Scott Weiland agiert ungewohnt verhalten und bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dagegen kommt „Illegal“ tendenziell aus der STP-Ecke. Knallharte Riffs und eindringliche Vocals werden mit einem zuckersüßen Refrain kombiniert – so, wie wir es von den Stone Temple Pilots kannten. „Slither“, die erste Singleauskopplung, ist eine düstere Komposition irgendwo zwischen Alice In Chains („Them bones“) und GNR („You could be mine“) und die melodische Ballade „Falling to pieces“ ist wohl auch deshalb als nächste Single vorgesehen, weil sie diesen hymnischen Touch einer Axl-Rose-Ballade verbreitet.

„You got no right“ ist ein akustischer Alternative-Song, der die ganze Durchschnittlichkeit des Albums in sich vereint, gegen die auch zwei der härtesten Stücke des Albums („Set me free“ und „Headspace“) nichts ausrichten können. Die Tracks kommen mit mächtigen Riffs zwischen Punk und Hardrock daher, können den Wiedererkennungswert aber auch nicht sonderlich steigern. Traurig, aber wahr: „Contraband“ ist ein sehr bescheidenes Rockalbum, mit dem eine junge Band wohl arge Probleme hätte, einen Plattenvertrag zu ergattern. Die beteiligten Rock-Millionäre spielen auf 13 Songs verteilten L.A. Sleaze-Rock mit leichtem Grunge-Einschlag, der nur wenige herausragende Momente bietet, die meistens auf das Konto von Gitarrist Slash gehen. Seine Soli waren ein Markenzeichen der Gunners und sind jetzt tragendes Element von Velvet Revolver. Ob das für ein hochklassiges Album ausreicht, muss jeder für sich entscheiden.

Anspieltipps:

  • Slither
  • Headspace
  • Set me free
  • Fall to pieces
  • Sucker train blues
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