Bad Religion - The Empire Strikes First - Cover
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Bad Religion The Empire Strikes First


  • Label: Epitaph/SPV
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Textlich gehen Bad Religion also voll zur Sache. Musikalisch bieten sie dagegen wie erwartet nichts Neues und maximal eine Handvoll Highlights.

Nicht mehr lange, dann feiern die kalifornischen Punk-Veteranen von Bad Religion ihr 25jähriges Band-Jubiläum. Eine umtriebige Plattenfirma würde solch einen ehrenvollen Anlass gewiss zur Veröffentlichung einer umfassenden Werkschau, z.B. als überteuertes Box-Set, nutzen. Doch im Fall von Bad Religion kann man sich dieses Unterfangen sparen, würde es doch nur zur Beweisführung dienen, dass die Herren Greg Graffin (Vocals), Brett Gurewitz (Gitarre), Jay Bentley (Bass), Greg Hetson (Gitarre), Brian Baker (Gitarre) und Brooks Wackermann (Drums) seit einem Vierteljahrhundert lediglich ein und denselben Song variieren und immergleiche Riffs spielen. Kein Wunder, dass jüngere Generationen Bad Religion längst abgeschrieben haben.

Doch das Biest lebt und beschert seiner Hörerschaft mit „The Empire Strikes First“ das mittlerweile 13. Studioalbum – das zweite nach der Rückkehr von Gründungsmitglied und Epitaph-Boss Brett Gurewitz – mit gewohnten Mitgrölsongs und den vielleicht politischsten Texten der Bandgeschichte. Denn als kritischer Amerikaner hat Texter und Sänger Greg Graffin an der Präsidentschaft von George W. Bush ganz schön zu knapsen. Auf „The Empire Strikes First“ macht er sich deshalb richtig Luft. So nimmt das Titelstück sehr eindeutig zur amerikanischen Außenpolitik Stellung, „Let them eat war“ unterstellt, dass die Mehrheit der US-Bürger gegen die Bush-Politik ist und „Los Angeles is burning“ fungiert als Metapher, die nicht nur die Brände, die im letzten Jahr um L.A. wüteten beschreibt, sondern auch einen differenzierten Kommentar zur Identitätskrise des amerikanischen Volkes abgibt.

Textlich gehen Bad Religion also voll zur Sache. Musikalisch bieten sie dagegen wie erwartet nichts Neues und maximal eine Handvoll Highlights, bei immerhin 14 Songs. Zu den herausragenden Stücken zählt u.a. der turboschnelle Opener „Sinister rouge“, bei dem Graffin wie schon lange nicht mehr gegen die katholische Kirche und ihre scheinheilige Moral ausholt. „All there is“ ist eine wunderbare Mitsinghymne mit den berühmten Bad Religion „Ooh ooh oohs“ und „Los Angeles is burning“ entwickelt schon nach kurzer Zeit absolute Hitqualitäten. Textlich und musikalisch sicher einer der besten Bad-Religions-Songs der letzten zehn Jahre! „Social suicide“ und „Atheist peace“ zählen dagegen zum Standardprogramm der Kalifornier. Nicht schlecht, aber unauffällig. Ärgerlicher sind da schon sterbenslangweilige Midtempo-Rocker wie „To another abyss“ und total harmlose Speed-Punker der Marke „The quickening“.

Die Zeiten sind vorbei, als Bad-Religion-Fans mit dem legendären „Crossbuster“-T-Shirts schockierten und die Band mit großartigem Melody-Punk zu begeistern wusste. Neue Alben der Jungs aus San Fernando Valley werden heute einfach nur noch hingenommen und abgenickt. Daran ändert auch die Vorstellung auf „The Empire Strikes First“ nichts. Zwar ist das Album wesentlich stärker als die Werke ohne Mastermind Brett Gurewitz, Mitte der 90er Jahre, aber mit vier bis fünf besseren Songs im Gepäck können Graffin, Gurewitz und Co. anno 2004 keinen Hering vom Teller ziehen.

Anspieltipps:

  • All there is
  • Sinister rouge
  • Let them eat war
  • Los Angeles is burning
  • The empire strikes first
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