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Seal Seal IV (DVD Audio)


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Seal IV“ ist ein gelungenes, zeitgenössisches Pop-Album ohne besondere Schwächen, das die Erwartungen voll und ganz erfüllen kann.

Sealhenry Samuel, alias Seal, gehört zu den Künstlern, die man im Bild-Zeitungs-Jargon gemeinhin als „Schmusesänger“ bezeichnet. Wenn dieser Herr dann auch noch mit Deutschlands Vorzeigemodell Heidi Klum herumturtelt, ist der Hype perfekt. Warum also nicht die Gunst der Stunde nutzen und schnell das aktuelle Seal-Werk, das sich seit mehr als 30 Wochen in den deutschen Charts tummelt und bereits Doppel-Platin eingefahren hat, nochmals in digital aufgepeppter Form – und zwar als so genannte DVD-Audio – auf den Markt bringen? Der Hintergrund ist klar. Wer sich heutzutage in einem der großen Elektrofachmärkte umschaut, wird schnell feststellen, dass das Angebot an CD-Playern inzwischen auf ein beschämendes Maß zurückgegangen ist. Dafür werden mit aller Macht DVD-Player in den Markt gedrückt, die auch in der Lage sind, Audio-CDs wiederzugeben. So wird auch für den Verbraucher immer deutlicher: Mit CDs ist kein Geld mehr verdient. Die DVD ist das „must have“-Produkt schlechthin – hier werden die großen Gewinne gemacht.

Doch zurück zu Seal, der seine ersten Spuren im Music-Biz auf dem „Adamski“-Track „Killer“ (1990) hinterließ, ehe er eine erfolgreiche Partnerschaft mit Producer Trevor Horn (ABC, Yes, Frankie Goes To Hollywood, t.A.T.u., Rod Stewart, Art Of Noise) einging, die sich mit über 12 Millionen verkauften Tonträgern mehr als ausgezahlt hat. Mit vier Brit-Awards, zwei Grammy-Nominierungen und einem „Ivor Novello“-Award avancierte der Sohn brasilianischer und nigerianischer Eltern zu einem der am meisten geehrten britischen Pop-Künstler der 90er-Jahre. Elegante und höchst einfühlsame Popmusik ist das Geheimnis des Duos, und es ist Seals intensive und warme Stimme, die mit jedem Song Herzen zu brechen vermag und Welten der Zärtlichkeit und Menschlichkeit eröffnet.

Auch das vierte Seal-Album, schlicht „IV“ betitelt, wurde wieder von Trevor Horn produziert. Als Songwriter waren neben Seal, der an sämtlichen Songs als Komponist oder Co-Komponist mitwirkte, Mark Batson und Alan Griffiths beteiligt. Zur Studioband gehörten u.a. die Gitarristen Chris Bruce, Gus Isidore und Tim Cransfield, die Drummer Earl Havin und Ian Thomas, der Percussionist Luis Jardim und Keyboarder Jamie Muhoberac. Doch die gute Nachricht lautet, dass die kreative Krise, die das dritte Album „Human Being“ (1998) des 1963 im Londoner Stadtteil Paddington geboren Seal umgab, offensichtlich überwunden wurde. So präsentiert Seal auf seiner aktuellen CD sehr gekonnt arrangierte Pop-Hymnen, die zum gepflegten Abtanzen einladen („Waiting for you“), von schmissigen Bläser-Klängen angetriebene Soul-Funker („Get it together“), satt groovende Clubsounds („My vision“, „Let it roll“), mit sparsamen Piano- und Streicher-Klängen schmeichelnde Edel-Balladen („Don’t make me wait“, „Tinsel town“), von butterweichen Streichern, perfekt platzierten Bass-Grooves und gefühlvollem Gesang getragene Popsongs („Touch“, „Loneliest star“) oder mit Reggae- und Dub-Elementen veredelte Tiefton-Nuggets („Where there’s gold“). Das eindrucksvollste Stück des Albums ist allerdings die mit sanften Streicher- und Elektronik-Sounds angereicherte Mega-Ballade „Love’s divine“. Wohl noch nie wurde in einem Song auf solch kongeniale Art eine romantische Atmosphäre mit sanften Dance-Grooves kombiniert. Auch wenn der Song schon seit Monaten auf Dauerrotation bei allen Radiosendern ist, man kann sich kaum an ihm satt hören.

„Seal IV“ ist ein gelungenes, zeitgenössisches Pop-Album ohne besondere Schwächen, das die Erwartungen voll und ganz erfüllen kann. Auf Seals markanter Stimme aufbauend, bekommt der Hörer ein Dutzend perfekt produzierte Songs geboten, die eine auffallende Verwandtschaft zum aktuellen George-Michael-Album „Patience“ aufweisen. Denn ähnlich wie sein griechisch-britischer Kollege jongliert Seal geschickt mit Funk-, Soul-, Dub-, Pop- und Reggae-Versatzstücken und kredenzt seinen Fans ein relaxtes Hörvergnügen, das durch die Dolby Digital und DTS 5.1 Surround Sound Abmischung nochmals an klanglicher Tiefe dazugewinnt. Wenn da nur nicht das neue Verpackungsformat der DVD-Audio wäre, das so gar nicht zwischen die anderen CDs ins Regal passen will…

Anspieltipps:

  • My vision
  • Tinsel town
  • Love’s divine
  • Get it together
  • Where’s there's gold
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