Studmenn - 6 Geysirs And A Bird - Cover
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Studmenn 6 Geysirs And A Bird


  • Label: Lawine/BMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Wahnsinn hat einen Namen: Studmenn (auf deutsch etwa „Gaudiburschen“ oder „Überflieger“), ein isländisches Musikkonglomerat, das 1973 als Schülerband von Jakob Frímann Magnússon an der Menntaskólinn Hamrahlið, einem Gymnasium in Reykjavik gegründet wurde. Heute bestehen Studmenn fast noch in Originalbesetzung. Songschreiber und Politiker Jakob F. Magnússon (JFM) an der Hammond Orgel, dem mehrfach preisgekrönten Sänger und Schauspieler Egill Ólafsson, dem Stimmwunder Ragnhildur (Ragga) Gísladóttir, dem „Mezzoforte“-Gründer und Weltklasse-Keyboarder Eythór Gunnarsson, dem Produzenten Tómas Tómasson am Bass, dem Gitarrengenius Thórdur Árnason und Ásgeir Óskarsson, dem renommiertesten Drummer des Landes.

Ihr erstes Album 1975 „Sumar á Sýrlandi“ („Sommer in Syrien“) wurde als Meilenstein und Begründer der eigenständigen isländischen Popmusik gefeiert. Vielleicht gerade noch mit Frank Zappas „Mothers Of Invention“ zu vergleichen, verbinden Studmenn genreübergreifende Musik mit einer gehörigen Menge Selbstironie, auch „Tongue in the cheek“ genannt. Sie mischen überschäumende Popperlen mit schrägem Humor, der immer doppelbödig, aber nie verletzend wird. Alles, was Spaß macht, geht, und das Ganze basiert stets auf kaum mehr gekannter Vielseitigkeit und Energie.

Nach ihrem zweiten Album „Tivoli“ beschloss die Gruppe, ein Leinwand-Musical zu produzieren. „Með allt á hreinu“ („Alles im Reinen“, 1982) ist bis heute der erfolgreichste Film in der Geschichte des isländischen Kinos. Mit „Kókóstré og Hvítir Mávar“ (englischer Titel „Cool Jazz And Coconuts“) folgte ein weiteres cinematographisches und musikalisches Pop-Art-Werk. Im Jahre 1986 erhielten Studmenn ein Einladung der chinesischen Staatsregierung, auf Tour in China zu gehen. Somit waren sie eine der ersten westlichen Bands, die im Land des Lächelns touren durften. Nachdem Jakob F. Magnússon zum Kulturattaché an der isländischen Botschaft in London ernannt wurde, wendeten sich die Mitglieder der Band vermehrt ihren Solo-Projekten zu, tourten allerdings regelmäßig in Island. 1999 gründeten Studmenn die Umweltschutzkampagne „Gr"ni Herinn“ („Grünes Heer“) und während der Feierlichkeiten zum neuen Millennium wurde die Gruppe in Island zur besten Band des Jahrhunderts gewählt. 2002 wurde die Band mehrmals nach Skandinavien und Deutschland eingeladen und begeisterte dabei aus dem Stand Jung und alt, darunter 25.000 Menschen auf einem Open Air Konzert in Bayern.

Zurzeit arbeiten die hyperaktiven Studmenn an einem weiteren Film, der an das Erfolgsmusical „Með allt á hreinu“ anschließt und Ende 2004 in die Kinos kommt. Doch vorab überraschen die Isländer mit ihrem ersten in Deutschland erhältlichen Album „6 Geysirs And A Bird“, das unterstützt durch eine kleine Tournee, einen retrospektivischen Brückenschlag über ihre 30jährige Karriere schlägt. Mit einer bunten Mischung aus Pop, Schlager, Jazz, Swing, Rock, Disco, Klassik, englischen, deutschen und isländischen Texten, belegen sie ihre unkonventionelle Art des Musikmachens. Dass Genie und Wahnsinn dabei sehr oft dicht nebeneinander stehen, macht die vorliegende Compilation nicht gerade zu einem einfachen Hörgenuss. Es handelt sich bei Studmenn ohne Frage um brillante Musiker, doch der schmale Grat zwischen spaßbetonter Popmusik, experimentellem Jazz und undefinierbarem Geplänkel überschreitet allzu oft die Hörgewohnheiten von Otto Normalverbraucher. Der in Schubladen denkende Musikverwalter wird vor diesem Werk deshalb wohl kapitulieren. Entdeckerfreudige Musikfans werden dagegen einen ganz neuen Quell der Inspiration ausmachen. Getreu dem Studmenn-Motto: „Alles, was Spaß macht, geht!“.

Anspieltipps:

  • Down the avenue
  • Halló halló halló
  • Ofbooslega fraegur
  • This is unbelievable
  • After all these years
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