Amparanoia - Rebeldia Con Alegra - Cover
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Amparanoia Rebeldia Con Alegra


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 66 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mestizo? Nun werden sich einige fragen, was das denn wohl sein mag. Zum Ersten einfach mal kurz und knapp – eine musikalische Verbindung zwischen Lateinamerika und der alten Welt. Die Mestizo-Bewegung ist seit Mitte der 90er Jahre gerade in Frankreich, Spanien und Lateinamerika aktiv. Sie verschmelzt unterschiedliche Stile, wie Flamenco, Rumba, Tango, Reggae, Ska, Hip-Hop, elektronische Beats, Punk, Rock, Folk und viele mehr zu einer neuen musikalischen Einheit. Dieser Stilmix artikuliert sich sehr politisch und sozial; widmet sich den Problem des Hier und Heute und den gesellschaftlichen Folgen der Globalisierung, aber auch dem Leben, der Wirklichkeit zwischen den Kulturen. Bekanntester Vertreter und wichtigster Import des Genre ist u.a. der in Paris geborene Spanier Manu Chao. Bei uns in Deutschland tut man sich noch etwas schwer mit dieser Art von Musik. Einzuordnen wären vielleicht noch moderne Klezmer-Bands, wie das Kieler Projekt Klezcore, die sich dem Mestizo annähern. Jedoch gibt der Medienmarkt hierzulande nicht gerade viel her. Soll heißen: Ein offeneres Ohr wäre von Nöten. Schade aber nicht zu ändern. Gut das es Bands wie Manu Chao und vorliegende Amparanoia gibt, um einen Ausflug ins, für manche noch Unbekannt zu wagen.

Jonglieren wir mit den Genres dieser Welt. Amparanoia – eine wilde Mischung unterschiedlicher Musikstile. „..... du bist zwar weiß, aber du hast die Seele einer Schwarzen. Hör ja nie auf zu singen“, so Lee Brillaux von Dr. Feelgood zu Amparo Sánchez.

Bandleader der spanischen Formation ist das weibliche Energiebündel, Globetrotterin und Weltverbesserin mit Herz Amparo Sánchez. Der schillernde Paradiesvogel der Mestizo-Szene. Rückblick: Die gebürtige Andalusierin widmet sich bereits mit 16 Jahren den sozialen und politischen Problemen, die bei einem Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen auftreten. Mit ihrer ersten Band Correcaminos, gegründet Mitte der Achtziger in Granada – Blues, Jazz, Rock `n´ Roll, Soul – avanciert sie schnell zur populärsten Künstlerin des Landes. 1993 zieht es sie aus der langjährigen Hauptstadt des maurischen Andalusiens nach Madrid. Dort formiert sie die Band Amparo & The Gang und nimmt ihr erstes Album „Haces Bien“ auf. Kurz danach trennen sich allerdings die Wege der Musiker wieder, da ihr Plattenlabel das zeitliche segnete. Amparo trifft in Madrid den Gitarristen Robert Johnson, mit dem sie ein Jahr lang durch Clubs tingelt und den Blues, Reggae und Rock zelebriert. Zwecks ausgiebiger Live-Tour gründet sie die Band Ampáranos del Blues, spielt in Spanien und Frankreich und bleibt schließlich in Marseille hängen. Zurück in Madrid begegnet ihr Manu Chao. „.... er ist der Mensch, der mich am meisten inspiriert und mir einen Weg für Amparanoia aufgezeigt hat...“. 1996 gründet Amparo schließlich ihre neue Band und veröffentlicht 1997 ihr Debütalbum „El Poder de Machin“ – ein kunterbunter Stilmix mit lateinamerikanischem Fingerspitzengefühl. Ihr Folgealbum „Feria Furiosa“ wird noch eine Spur wilder. Wie der Name schon verrät, eine stürmische Mixtur baskischer Punkmusik. Für den rohen Sound sorgen u.a. Gäste wie Manu Chao, Ojos de Brujo und einige mehr. Live-Tour – Stress und Strapazen – Bandauflösung - neue Projekte – politisches Engagement für die Zapatisten in Mexiko – Charitykonzerte in Spanien…… eine Menge passiert in der darauffolgenden Zeit. Es sammeln sich viele neue Ideen, die Amparo 2001, mit wiedervereinigter Band Amparanoia, auf „Somos Viento“ presst. Ein sozial und politisch äußerst engagiertes Werk. Neuen Einflüssen offen, produziert sie 2002 die CD „Enchilao“ – Mestizo typische Klänge mischen sich mit elektronischen Sounds dank Tonbastler Tim Young von Massiv Attack. Wer nun denkt, Amparo wandle auf neuen Wegen, sieht sich allerdings getäuscht. Ihre Live-Konzerte mutieren zu wahren Fiesta-Orgien.

2004 – Rebeldia Con Alegria – Gehorsamsverweigerung mal 16. Amparo demonstriert ihre stilistische Bandbreite. Tex-Mex, Zigeunermusik, kubanische Klänge, Bossa Nova, Tango, Salsa und balladeske Sinnlichkeit. Wer sich dem Tanz verweigert hat selbst Schuld. Weltmusik in höchster Form – Lebensfreude pur. „Rebeldia Con Alegria“ ist ein temperamentvoller Mix bereits veröffentlichter Stücke zwischen 1997 und 2003. Der beste Einstieg ins Mestizo-Musikgeschehen. Amparo Sánchez ist und bleibt die heimliche Königin des Mestizo.

Fazit: Kleine spanische Powerfrau strotz vor unbändiger Experimentierfreudigkeit. Mestizo hält Einzug in deutschen Landen. Zeitgenössische Weltmusik auf höchstem Niveau. Übrigens: Amparanoia gastiert unter dem Motto „Caravane Tour 2004“ auch in Deutschland. 15. Juli Stuttgart/Sommerfestival, 17. Juli Lörrach/Stimmen Festival, 24. Juli Karlsruhe/Das Fest, 7. August Köln/Soma Festival

Anspieltipps:

  • En la Noche
  • Dolor, Dolor
  • Caravane
  • Trabajar
  • Pregonando
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