Jam And Spoon - Tripomatic Fairytales 3003 - Cover
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Jam And Spoon Tripomatic Fairytales 3003


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ab und an kommt es tatsächlich vor, dass Album-Rezensionen veröffentlicht werden, das besagte Werk aber nie auf den Markt kommt bzw. komplett überarbeitet wird und dann kaum noch etwas mit der ursprünglichen Besprechung zu tun hat. Bei dem Frankfurter Dance-Pop-Projekt Jam & Spoon verhält es sich zwar nicht ganz so, allerdings wurde das neues Album „Tripomatic Fairytales 3003“ so häufig verschoben, dass man zum Schluss schon nicht mehr an eine Veröffentlichung glauben wollte. Mitte/Ende Juni (so ganz weiß man es scheinbar noch immer nicht...) soll der Nachfolger zu „Tripomatic Fairytales 2001“ und „Tripomatic Fairytales 2002“ (beide 1993) sowie dem vor sechs Jahren (!) veröffentlichten „Kaleidoscope“ nun doch erscheinen. Wir sind gespannt und gehen jetzt einfach mal das Wagnis ein, die vorliegende Advance-CD zu besprechen.

Als Jam & Spoon vor zehn Jahren in einem Doppelschlag die beiden „Tripomatic Fairytales“-Alben veröffentlichten, waren sie – nicht nur im Albumtitel – ihrer Zeit weit voraus, indem sie mit einer stilprägenden Verfeinerung – weg vom lärmenden Techno-Sound der frühen 90er Jahre, hin zum chartkompatiblen Dance-Pop – die Pforte zur Ambient-Welt aufstießen, wo sich ihre Auswirkungen bis hin zu den heutigen Chill-Out-Klängen nachverfolgen lassen. Diesen Weg verfolgen Jam El Mar (Rolf Ellmer) und Mark Spoon (Markus Löffel), die beiden Köpfe hinter Jam & Spoon, auch mit ihrem vierten Longplayer, der eine hochkarätig besetzte Reise durch elegante Beats und sphärische Sounds ist. Das Produzenten-Duo griff bei den 15 Songs von „Tripomatic Fairytales 3003“ auf eine Vielzahl bemerkenswerter Sängerinnen und Sänger zurück, die die durchweg starken Kompositionen mit ihren Stimmen veredeln. So geben sich u.a. Midge Ure (Ex-Ultravox), Dolores O’Riordan (Ex-Cranberries), Jim Kerr (Simple Minds), der unvermeidliche Xavier Naidoo, Rea (Reamonn), TripHop-Rüpel Tricky und natürlich Fräulein Plavka, die schon auf diversen Jam & Spoon-Produktionen zu hören war, die Ehre.

Der rote Klangfaden des Albums besteht aus ruhigen Chill-Out-Sounds, lockeren Grooves und hier und da eingestreuten Downbeats. Nur ab und zu werden die Rhythmen etwas fordernder, paaren sich gar E-Gitarren mit Dance-Beats. So zu hören auf der ersten Singleauskopplung „Cynical heart“ mit Jim Kerr als Gastsänger, der damit seinen ersten Hit seit vielen Jahren verbuchen kann oder beim treibenden Popsong „Set me free (feat. Rea)“. Mit Midge Ure meldet sich ein weiterer Star aus den Achtzigern zurück. Das ehemalige Ultravox-Mitglied tobt sich bei „Something to remind me“ in einem 80er Jahre Synthie-Popper im „Depeche Mode“-Stil aus.

Eine der erfolgreichsten Bands der 90er Jahre, The Cranberries nämlich, haben sich inzwischen aufgelöst. Ihre Sängerin Dolores O'Riordan, sagt man, werkelt an einem Soloalbum. Zwischendurch stellte sie sich Jam & Spoon zur Verfügung. Ihre charismatische Stimme passt hervorragend zu dem Downbeat-Groover „Mirror lover“, der sich mit seinen prägnanten Synthesizer-Flächen sofort ins Gehör einbrennt. „Bianche le mie mani“ ist ein betörender Franco-Pop-Slow-Groover zu dem Tricky ein paar wirklich sexy klingende Vocals beisteuert. Der hypnotische Opener „Moment gone“ ist im Prinzip ein Jam & Spoon Standard, der einen sanften Teppich aus sphärischen Synthie-Flächen und akustischen Gitarren auslegt, mit dem die feinen Plavka-Vocals perfekt harmonieren. Der dauerbeschäftigte Xavier Naidoo (bei welchem Projekt hat er eigentlich nicht mitgewirkt?) legt mit „None of this“ eine gewohnt intensive Gesangsleistung zu einem modernen R&B-Song mit akustischen Gitarren und zarten Breakbeats ab. Ebenfalls hervorzuheben sind das sehr schöne „Vata (feat. Shweta)“ und „Butterfly sign“, wiederum mit Plavka als Sängerin. Beide Tracks vereinen auf unnachahmliche Art die Stärken von Jam & Spoon - nämlich höchst eingängige Popsongs mit einem Mindestmaß Niveau zu schreiben, an denen man immer neue Facetten entdecken kann.

„Tripomatic Fairytales 3003“ ist glücklicherweise genau das Album geworden, das für die lange Wartezeit von sechs Jahren entschädigt. Mit 15 guten bis sehr guten Tracks wird die Spielzeit einer CD bis ans Maximum ausgereizt, sodass der geneigte Käufer wirklichen „Value for Money“ bekommt und für knapp 80 Minuten in die chilligen Sphären des Frankfurter Trance-Pop-Duos abtauchen kann.

Anspieltipps:

  • Something to remind me (feat. Midge Ure)
  • Mirror lover (feat. Dolores O’Riordan)
  • None of this (feat. Xavier Naidoo)
  • Moment gone (feat. Plavka)
  • Set me free (feat. Rea)
  • Vata (feat. Shweta)
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