The Used - In Love And Death - Cover
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The Used In Love And Death


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „In Love And Death“ gewinnen die harmonischen Elemente die Oberhand, ohne dass das Album in Spaß-Punk-Gefilde abdriftet.

Ein schlauer Fuchs, dieser Bert McCracken. Zur Promotion des selbstbetitelten Debütalbums seiner Combo The Used macht er öffentlich mit Ozzy Osbournes Tochter Kelly rum, um sie kurz nach Veröffentlichung der CD vom Hof zu jagen. Dass er sich dabei nur selbst schadete und von nun an als „Blumenkohl-Penis“ bekannt ist, sei’s drum. Der Preis des Ruhmes ist mitunter recht hoch. Doch fast hätte man dabei vergessen, dass das Erstlingswerk von Bert McCracker (Vocals, Piano), Quinn Allman (Gitarre), Branden Steineckert (Drums) und Jeph Howard (Bass) aus Salt Lake City, Utah eines der besten Rockalben des Jahres 2003 war.

The Used mixten auf ihrem Debüt alle Spielarten der modernen Rockmusik zu einem atemberaubenden Cocktail aus Punkrock, Emo-Core und Nu-Rock zusammen, der dem Hörer alles abforderte. Sänger Bert McCracken brüllte sich in einem Wechselbad aus Aggression und Melancholie die Seele aus dem drogengepeinigten Leib, womit er eine mehr als beeindruckende Performance für einen Newcomer hinlegte. Wut, Verzweiflung, Wahnsinn: Die Herren von The Used waren mit einem Schlag der Inbegriff für hochemotionale Rock-Songschreiber. Jetzt legt das Quartett mit „In Love And Death“ ähnlich energiegeladen nach, nicht ohne ein paar Überraschungen im Gepäck zu haben. Für ihr Zweitwerk haben The Used nämlich einige Kanten in ihrem Songwriting geglättet und sich deutlich hörbar dem Mainstream zugewandt. Schockschwere Not? Katastrophe? Wie immer Ansichtssache...

Produzent und Goldfinger-Sänger John Feldmann (Mest, Good Charlotte) hat der Band eine sehr druckvolle Produktion angedeihen lassen, die den um einiges eingängiger geratenen Songs sehr gut steht. Dazu trauen sich The Used jetzt mit unverschämt poppigen Melodien daherzukommen („I caught fire”) oder einfach ein Streichorchester einzusetzen („Light with a sharpened edge“), was sie gefährlich nahe an erwachsen gewordene Punkrockbands wie Good Charlotte und Blink-182 heranbringt. Allerdings fallen die meisten ihrer Songs noch immer um Welten härter aus, als die der genannten Kollegen. Kongeniale Schrei- und Noise-Attacken („Sound effects and overdramatics“, „I’m fake“) gehen dabei Hand in Hand mit butterweichen Balladen („Hard to say“) und beatleesken Popsongs („Lunacy fringe“). Das muss der Fan des vor Energie überbordenden Debüts erst mal verkraften.

Sicher waren auch auf dem Vorgänger „The Used“ melodische Geniestreiche zwischen all den Hardcore- und Knüppelsongs vertreten. Auf „In Love And Death“ gewinnen die harmonischen Elemente allerdings die Oberhand, ohne dass das Album in Spaß-Punk-Gefilde abdriftet oder als billige Kopie des Vorgängers dasteht. The Used haben sich weiterentwickelt und sich dabei etwas kommerzielleren Klängen zugewandt. Wer deshalb meint, dass die Vier ab jetzt als massenkompatibel durchgehen, hat sich aber getäuscht. Bert McCracken und Co. haben lediglich die nächste Stufe auf dem Weg zu einer der vielleicht wichtigsten Bands des Jahrzehnts erklommen.

Anspieltipps:

  • Listening
  • Take it away
  • I caught fire
  • Cut up angels
  • All that I have got
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