Cake - Pressure Chief - Cover
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Cake Pressure Chief


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach über zehn Jahren im Geschäft legen Cake nun ihr fünftes Album vor. Das CD-Cover von „Pressure Chief“ sieht dank spartanischer Retro-Optik einmal mehr nach Cake aus. Musikalisch hat sich der Sound der Band jedoch leicht gewandelt, klingt aber noch immer typisch.

Es ist schon verblüffend. John McCrea, seines Zeichens Sänger und Kopf der kalifornischen Band, schreibt Balladen, Rocknummern, Funk-Songs oder erstklassige Country-Stücke. Eines aber haben die Lieder immer gemein: Sie klingen unverwechselbar nach Cake! Und das liegt nicht nur an McCreas meisterhaft lakonischen Texten, seinem monotonen Nörgelgesang oder der gern unterstellten Lofi-Attitüde. Nein, vielmehr hat die 1991 in Sacramento gegründete Band etwas geschafft, wovon viele Bands träumen. Sie haben über die Jahre einen eigenständigen Sound kreiert. Zwar flirtet „Pressure Chief“ mehr als die Vorgänger mit Synthesizern und Diskobeats, schreibt aber damit letztlich nur die bereits auf dem Vorgänger „Comfort Eagle“ eingeschlagene Marschrichtung fort.

John McCrea selbst sieht die Sache naturgemäß ein wenig anders. In einem Interview mit der australischen Musikzeitung „Inpress Magazine“ führt er praktische Gründe für die ungewohnten musikalischen Einflüsse an. „There was one thing that led us experimenting more on this album, which was that we have our own studio, where we had keyboards and instruments set. When we went for a conventional studio – for the last records – we had to load all this stuff in, in the morning, so it’s just our laziness that to there being fewer sounds.” Hätten wir dies auch geklärt: Die eigene Faulheit und Bequemlichkeit waren also Schuld, dass sich die Band erst jetzt zu neuen musikalischen Ufern wagte. Aber allzu ernst sollte man Interviews mit dem kauzigen Herrn McCrea ja noch nie nehmen. Wenngleich dieser Einfallsreichtum der CD an der einen oder anderen Stelle gut getan hätte. Zu unterschiedlich ist die Qualität der einzelnen Songs. Beim ersten Durchhören stellt sich sogar kurzeitig tiefe Enttäuschung ein. Zu überraschungsarm klimpert „Pressure Chief“ dem ersten Eindruck nach vor sich hin.

Dies stimmt aber nur zum Teil. So startet das Album mit drei furiosen Titeln, die den Vergleich mit dem grandiosen „Fashion Nugget“ oder dem überzeugenden Vorgänger „Comfort Eagle“ nicht zu scheuen brauchen. Beim Album-Opener „Wheels“ fällt einem sofort ein, warum man Cake so mag. Eine spröde, ungemein groovige Melodie. Viele kleine Ideen (Fireworks!), Wechsel in der Instrumentierung, ein magischer Background-Chor, natürlich die Trompete und ein Gitarren-Hook, das einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht. Auch bei „No phone“ ergreift einen sofort der Rhythmus, während „Take it all away“ durch seine herrlich traurige Melodie und den bitteren Text besticht. Doch damit scheinen Cake ihr Pulver bereits verschossen zu haben. Zugegeben, Titel wie „Dime“ oder „She’ll hang the baskets” sind nett, aber eben auch nicht mehr. Einzig „End of the movie“ kann dem Hörer noch ein Schmunzeln entlocken, da McCrea und die Gitarre hier alleine ihre Arbeit verrichten. Der Rest ist leider harmlose Beliebigkeit! Nichts Überraschendes, keine Finessen und kein einziger Song, bei dem man richtig mitgehen kann. Beim anstrengenden Umweltsong „Carbon monoxide“ versuchen sich Cake als Rockband und scheitern. Ein Vorhaben, das ihnen beim Titelstück von „Comfort Eagle“ um Klassen besser gelungen ist. Und auch die Cover-Version des Bread-Klassikers „Guitar man“ ist weder Fisch noch Fleisch.

Nach dem formidablen „Comfort Eagle“ ist Cake’s neuester Streich bestenfalls als durchwachsen zu bewerten. Drei gelungene und eine Handvoll nette Songs reichen eben noch lange nicht für ein überzeugendes Album aus. Gemessen am eigenen Standard muss man einfach zuviel Belanglosigkeit („Palm of your hand“, „Tougher than it is“) in Kauf nehmen, um die wenigen Perlen auf „Pressure Chief“ genießen zu können.

Anspieltipps:

  • Wheels
  • No phone
  • Take it all away
  • End of the movie
  • She´ll hang the baskets
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