Tracy Chapman - Where You Live - Cover
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Tracy Chapman Where You Live


  • Label: Elektra/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Tracy Chapman macht auf „Where You Live“ nicht viel anders, doch sie macht es zum wiederholten Male gut, sogar sehr gut.

Das selbst betitelte Debüt aus dem Jahr 1988 brachte für Tracy Chapman den sofortigen Durchbruch. Bis heute haben die Albumverkäufe in Deutschland 4-fach Platin erreicht, wobei ihre Heimat USA den verbuchten Erfolgen in nichts nachsteht. Leise Töne, meist nur spärlich instrumentiert, schufen mit politisch gesinnten und dem Leben entnommenen Texten eine liebevolle, heimelige Stimmung. Nur langsam folgten weitere Alben, denen die respektable Fangemeinde entgegenfieberte und nie enttäuscht wurde. Ehrlichkeit und das klassische Songwriting, angelehnt an die Tradition eines Bob Dylan, wurde mit einer enormen Öffentlichkeit belohnt.

Doch statt sich den Klatschspalten mit zweifelhaften Auftritten zu nähern, ging es Tracy Chapman um das Anprangern sozialer Ungerechtigkeit im menschlich erkalteten Amerika und darüber hinaus. Man spürt, dass die Dame mit der einzigartig charismatischen Stimme weiß und fühlt, wovon sie singt. Sie selbst wuchs als Angehörige einer unterprivilegierten schwarzen Familie in den Arbeitervierteln von Cleveland (Ohio) auf und erlebte Rassenhass als prägende Begleitung. Viel hat sich in den Köpfen der Menschen seitdem nicht verändert, schon gar nicht im positiven, und so spielt sich Ms. Chapman in Begleitung einiger Gäste, darunter Flea von den Red Hot Chili Peppers, mit „Where You Live“ wieder in die Herzen und lässt sie erstrahlen.

Das Gefühl, nach Hause zu kommen und sich ohne Bedenken in der seelenvollen Musik fallen zu lassen, überdauert mit zierender Leichtigkeit den Longplayer. Als erster Track gibt sich die im Vorfeld veröffentlichte Single „Change“ die Ehre. Schwebend verteilt sich wohlige Wärme und möchte nicht weichen, wenn der Refrain sich nach getragenen Momenten schwunghaft in die Ohren spielt. Es braucht nicht mehr als höchstgradig ansteckende Akustikgitarren und angenehm inszenierte Percussions , wenn allein schon die Stimme Chapmans die Schatten im Gemüt verdrängt. Bassist Flea ordnet sich der sinnlichen Stimmung unter und tut auch gut daran. Im folgenden „Talk To You“ vernimmt man deutlicher seine Präsenz und erfreut sich an einem im Blues geerdeten Song, der sich durch dezente Keyboards und musikalische Finessen der Gastmusiker auffällig der Melancholie nähert und genau dort auch berührt. Ms. Chapman herself widmet sich in „3,000 Miles“ neben der Gitarre auch dem Glockenspiel, welches leider etwas zu dezent eingebaut wurde und trotzdem aufhorchen lässt. Man lauscht dem zerbrechlichen Klangteppich und findet sich in detailreichen Songstrukturen wieder, denen man mehr und mehr verfällt. Gerockt werden darf aber auch, obgleich natürlich „nur“ im Folk-Kontext. Die Drums lockern sich beachtlich und grooven genussvoll bei „America“. Jared Miller trägt mit seinen traditionell afrikanischen Backing Vocals ebenfalls viel zu Lockerheit dieses Stückes bei und hat einen nicht unbeachtlichen Anteil an der dringlichen Aura, die einen nicht still sitzen lässt.

Tracy Chapman macht auf „Where You Live“ nicht viel anders, doch sie macht es zum wiederholten Male gut, sogar sehr gut. Sie schafft eine große Nähe zum Hörer und erspielt sich eine Erhabenheit, die man ab sofort stündlich herzen möchte. Spärlich instrumentiert heben sich kleinste Details aus dem von Akustikgitarren und schüchternen Percussions geprägten Sound heraus und machen süchtig, so wie jeder einzelne Song auf diesem Werk.

Anspieltipps:

  • Change
  • Talk To You
  • America
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