Good Charlotte - The Chronicles Of Life And Death - Cover
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Good Charlotte The Chronicles Of Life And Death


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Album erscheint in zwei Versionen! Die „Life”- und die „Death”-Version enthalten jeweils einen anderen Bonustrack.

Himmel noch mal, was ist nur mit den amerikanischen Spaß-Punk-Kapellen los? Liegt es an der politischen Lage, oder weshalb müssen nach Blink-182 und Green Day nun auch die voll tätowierten Pop-Punker von Good Charlotte auf erwachsen machen? Was geht ab im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, dass alle urplötzlich ihre Unbefangenheit verlieren und todernste Alben abliefern? Ist es eine natürliche Entwicklung oder bloßes Kalkül? Fragen, auf die es zurzeit keine Antworten gibt. Dabei ist es doch so: Kaum hatten wir uns daran gewöhnt, dass Good Charlotte ultra-eingängigen Teen-Punkrock abliefern, schwenkt die Band aus Waldorf, Maryland um und präsentiert der verdutzten Hörerschaft ein Konzeptalbum, das „vom inneren Kampf handelt, den wir alle ausfechten“. Puh!

Drehen wir das Rad der Zeit zurück. Im Oktober 2002 erschien das zweite Good-Charlotte-Album „The Young And The Hopeless“, das eine Ansammlung fett produzierter, extrem poppiger Punksongs enthielt. Es verkaufte sich weltweit 4,6 Millionen Mal und beförderte die Hitsingles „Lifestyles of the rich and famous”, „The anthem“, „Boys and girls” und „Hold on“ in die Charts. Fans und Medien hatten endlich wieder eine Band gefunden, die in der Lage war, Loyalität zu garantieren und eine Generation junger Rockfans zu inspirieren - Kommerz hin oder her. Good Charlotte verkörperten die Leichtigkeit taufrischer Musiker, die genau wussten, was sie wollten, ohne auf Spaß und Rock ’n Roll Lifestyle zu verzichten. Doch die Zeiten ändern sich. Good Charlotte entschlossen sich, vom Hookline-abhängigen Punkrock abzuwenden und eine vielseitigere und umfassendere Herangehensweise in Sachen Songwriting zu wählen. Zusammen mit Producer Eric Valentine (Third Eye Blind, Smash Mouth, Queens Of The Stone Age), der schon den erfolgreichen Vorgänger produzierte, schrieb die Band zwischen März und August 2004 rund 30 Songs, die eine unerwartete Wandlung im Schaffen der Pop-Punker darstellen.

„The Chronicles Of Life And Death“ ist tatsächlich ein Neubeginn für Joel Madden (Vocals), Benji Madden (Gitarre), Billy Martin (Gitarre, Keyboards), Paul Thomas (Bass) und Chris Wilson (Schlagzeug), ohne dass der Fan auf lieb gewonnene Trademarks im Bandsound verzichten muss. Zwar ist das neue Album um einiges düsterer und mit viel mehr Midtempo-Songs, ausgefeilten Gitarren-, Keyboard- und Streicherpassagen ausgestattet, dennoch muss man nicht auf die typischen Gesangspassagen und eingängigen Hooklines verzichten. Was die Fünf in den Barefoot Studios in Los Angeles aufgenommen haben ist schlicht und ergreifend eine erwachsene Weiterentwicklung ihres chartträchtigen Pop-Punk, der nach einigen Hördurchgängen genauso gut gefallen kann, wie der unbeschwerte Fröhlich-Punk von „The Young And The Hopeless“. Dabei ist der Sound wiederum extrem druckvoll und auf die Zwölf produziert, was der Cinemascope-artige Opener „Once upon a time: The battle of life and death“ deutlich macht. Klassische Klänge umschmeicheln das Ohr des Hörers und lassen kurzzeitig die Vermutung aufkommen, man sei im falschen Film. Doch dann legen Good Charlotte mit dem Titeltrack los und zeigen in drei Minuten, wie Pop-Punk anno 2004 funktioniert.

Schnell stellt sich heraus, dass der angekündigte Stilwechsel doch nicht so rigoros ausgefallen ist. Songs wie das hymnische „S.O.S.“, „Mountain“, das unverschämt poppige Disco-Punk-Stück „I just wanna live” (absoluter Favorit für eine Auskopplung als Single) oder „Ghost of you“ sind pure Gute-Laune-Tracks, die sich nicht hinter den Hits des Vorgänger-Albums verstecken brauchen. Zwar springen einen die Kompositionen nicht mehr so ins Gesicht, was aber auf keinen Fall als Rückschritt gewertet werden kann. Besonders, da sich Füllmaterial erfreulich in Grenzen hält. Lediglich „Predictable“, „It wasn´t enough“, „In this world (Murder)“ und „Walk away“ fallen etwas ab. Dafür überzeugen Halbballaden wie „We believe“ oder das forsche „The world is black“, das sich ein paar Klangzutaten von The Cure (!) holt und sich zu einem feschen Singalong aufschwingt.

Von einigen gehasst, von vielen geliebt – dafür stehen Good Charlotte und ihre Songs. Daran wird auch ein Lied wie „The truth“ nichts ändern. Als eine Art Emo-Core Piano-Ballade wird das Stück die Hörer in zwei Gruppen spalten. Für die einen ist der Song nichts anderes, als eine weinerliche Größenwahn-Ballade, für die anderen ein hoch emotionales Stück moderner Musik. Tja, einen gemeinsamen Nenner wird es bei dieser Band wohl so schnell nicht geben. Und das ist auch gut so, denn so wird ein Restmaß an Spannung erhalten, das in der Musik so dringend benötigt wird. Heute mehr denn je. Fazit: „The Young And The Hopeless“-Käufer können auch bei „The Chronicles Of Life And Death“ bedenkenlos zugreifen. Doch Obacht: Das Album erscheint in zwei Versionen! Die „Life”- und die „Death”-Version enthalten jeweils einen anderen Bonustrack, was die Fans zur Weisglut treiben könnte. Aber gut, das gehört heutzutage zum Geschäft dazu. Schließlich soll das Album in der ersten Woche hoch in die Charts schießen. Und zur Not, kann man ja mal bei einer legalen Download-Börse vorbeischauen.

Anspieltipps:

  • S.O.S.
  • Mountain
  • The truth
  • We believe
  • I just wanna live
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