The Wallflowers - Rebel, Sweetheart - Cover
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The Wallflowers Rebel, Sweetheart


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Am Ende bleibt nur das selbstgemalte Cover von Jakob Dylan, die vier anderen Wallflowers-Alben und das traurige Gesamtresultat: Nett.

Als zu Beginn der 90er Jahre das Demotape von den Wallflowers auf dem Tisch von Universal Records flatterte, wusste niemand, dass der Kopf des Quintetts der Sohn von Bob Dylan ist. Erst als die Plattenbosse dies herausbekommen hatten, wurden die Wallflowers mit einer schier unermesslichen Erwartungshaltung unter Vertrag genommen. Seitdem stapelten sich die Erwartungen auf den Schultern von Sänger, Texter und Gitarrist Jakob Dylan, denn er ist der Sohn des wohl größten Textschreibers seit es Rockmusik gibt. Das Glückliche an dieser Erwartung ist, dass sie uns auch diesmal nicht enttäuscht: „Tomorrow is gonna make you cry / It’s gonna make you kneel / Before it breaks you / From inside / Still pressing on / Arm on arm / Still trying to / Get both feet back to the ground“ singt der junge Dylan auf der ersten Single „The beautiful side of somewhere“ des neuen und inzwischen fünften Wallflowers-Album „Rebell, Sweetheart“ und erinnert dabei an seinen Vater, aber auch an junge Helden wie Ryan Adams. Die Musik der Wallflowers fällt dagegen eine deutliche Spur harmloser aus.

Das Album beginnt mit „Days of wonder“ und klingt unverändert nach den Wallflowers der vorausgegangenen Werke, mit dem Unterschied, dass man eventuelle Vergleiche zum (Über-)Vater inzwischen streichen kann. Vielmehr hört man ohrwurmverdächtige Popsongs, den kein langes Zuhause in den Gehörgängen vergönnt sein wird, weil der Eindruck von musikalischer Banalität überwiegt. So erinnert beispielsweise „Here he comes (confessions of a drunken marionette)“ rudimentär an „One headlight“, dem wohl besten Song dieser Band. Dagegen wirken Stücke wie „The passenger“, „Nearly beloved“ und „We’re already there“ wie Kompositionssperrmüll, von dem sich der Autor einfach nicht trennen kann. Erst wenn „God says nothing back“ durch die richtungswechselnden Drums des neuen Schlagzeugers Fred Eltringham und bei „I am a building“ die hellen Gitarren einsetzen, meint man sich mit dem Konzept anfreunden zu können. Dennoch ist es zu durchschaubar und schnell steht das Todesurteil „ganz nett“ im Raum.

Zum Glück ist das nicht weiter schlimm für Jakob’s Band, die durch Dad (auch wenn es Jakob gar nicht gerne lesen wird) immer genug Vitamin B zur Verfügung haben wird, um sich retten zu lassen. Zudem haben sich die Wallflowers durch 6 Millionen verkaufter Platten und 2 Grammys genug Fett angefressen, um nicht verhungern zu müssen. Und weil die Herren auch noch so gut eingespielt sind, hat Brendan O’Brien, der u.a. Bruce Springsteen produziert, kein Problem, ein Album in vier Wochen aufzunehmen, was normalerweise vier Monate dauern würde. Eigens für The Wallflowers hat er sich für ein paar Wochen als Tour-Gitarrist engagieren lassen, um die Band besser studieren zu können, damit die Aufnahmen im Sommer 2004 fern ihrer Heimat L.A. beginnen konnten. So gut vorbereitet, könnte schon in wenigen Monaten die nächste CD erscheinen, die dann genauso klingt wie „Rebell, Sweetheart“ oder sogar ein Funken anders ist. Es wäre kein Wunder.

Natürlich darf auf so einer Platte nicht die obligatorische Gitarrenballade fehlen. In diesem Fall ist es „From the bottom of my heart“. Doch wer glaubt, damit würden die schmusebedürftigen Fans final bedient, wird beim grandiosen „How far you’ve come“ eines Besseren belehrt. Mit seinen Zeilen „The truth will not set you free / It’s ok to believe / That you’re not good enough / Go is not angry, not blind deaf or dumb / He knows how far you’ve come / He knows how far you’ve come“ beweist Jakob Dylan erneut, welchen lyrischen Stellwert er hat. Doch am Ende bleibt nur das selbstgemalte Cover von Jakob Dylan, die vier anderen Wallflowers-Alben und das traurige Gesamtresultat: Nett.

Anspieltipps:

  • Here he comes
  • How far you’ve come
  • From the bottom of my heart
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