Manic Street Preachers - Lifeblood - Cover
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Manic Street Preachers Lifeblood


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Lifeblood“ schmeichelt sich zuckersüß beim Hörer ein und spart auch nicht mit Einflüssen aus den 80er Jahren.

Die Zeit der Rebellion ist endgültig vorbei. 13 Jahre nach ihrem herausragenden Debütalbum „Generation Terrorists“ sind die Manic Street Preachers definitiv ins Poplager umgeschwenkt. Die letzte Portion Wut, Verzweiflung und Bitterkeit hatten James Dean Bradfield (Vocals, Gitarre), Nicky Wire (Bass) und Sean Moore (Drums) in das letzte Studioalbum „Know Your Enemy“ (2001) gesteckt. Mit „Lifeblood“, ihrem insgesamt neunten Werk, erscheint jetzt eine Platte, die überraschend gradlinige Popmusik bietet und den Abschied vom rebellischen Pop/Rock der 90er Jahre bedeutet.

In den letzten Jahren hatte das Trio aus Wales lediglich Restverwertung betrieben. 2002 erschien mit „Forever Delayed“ ein „Greatest Hits“-Album und 2003 die B-Seiten- und Raritätensammlung „Lipstick Traces“. Die Band fühlte sich ausgebrannt und an einem Punkt angekommen, an dem alles erreicht war, was im Musikzirkus zu erreichen ist. Die Option eines Bandsplitts stand deshalb durchaus im Raum. Doch die Freundschaft der Musiker war zu groß, als dass man sich deswegen gleich trennen müsste. Und eh man sich versah, befanden sich die Manics wieder im üblichen Produktionsrhythmus und bastelten an neuen Songs für ihr siebtes Studioalbum. Aufgenommen wurde im heimischen Cardiff, in Irland und Amerika, wo man die Ney Yorker Looking Glass Studios buchte, um mit Producer-Ikone Tony Visconti (David Bowie, T. Rex, U2), an den Songs „Solitude sometimes is“, „Cardiff afterlife“ und „Emily“ arbeitete. Die restlichen, der insgesamt 12 Songs, wurden von Greg Haver (Catatonia, The Oppressed, Jay Aston) und Tom Elmhirst (Goldfrapp, The Frames, Blue Man Group) betreut.

„Lifeblood“ schmeichelt sich zuckersüß beim Hörer ein und spart auch nicht mit Einflüssen aus den 80er Jahren. Das kommt davon, wenn man während der Aufnahmen bevorzugt New Order und Joy Division hört. Dadurch müssen die Fans der Manic Street Preachers vollständig auf Rockgitarren verzichten. Diese sind im Verbund aus Keyboards, Synthesizern und elektronischen Spielereien nur noch schmückendes Beiwerk. Das könnte Liebhabern der letzten Slut-Alben sogar gefallen. Wer dagegen auf grandiose Hymnen wie „Motorcycle emptniss“ und „Little baby nothing“ wartet, wird bitter enttäuscht. Zum Genuss von „Lifeblood“ gehört also eine gewisse Vorliebe für poppige Melodien und zarte Achtziger Einflüsse, die sich in Bezügen zu U2 und den Simple Minds äußern. Für einige kommt dies bereits einer Beleidigung gleich. Andere werden es wiederum als Gütesiegel auffassen.

Leicht hat man es nicht mit dem neuen Album das Waliser. Von einem Hit kann man bei keinem der 12 Songs sprechen, auch wenn sich ca. eine Hand voll überdurchschnittlich guter Stücke auf der Platte befinden. Viel zu oft lassen einen die Kompositionen kalt oder sind als echte Ausfälle zu bezeichnen („Cardiff afterlife“). Da kommt nur bedingt Freude auf, sodass wieder mal der Spruch von der guten, aber nicht wirklich wichtigen Band aus Wales die Runde machen wird. Schade drum.

Anspieltipps:

  • Empty souls
  • Always/Never
  • The repel ghosts
  • Solitude sometimes is
  • The love of Richard Nixon
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