Mudvayne - Lost And Found - Cover
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Mudvayne Lost And Found


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie lautet noch gleich eine der Branchenweisheiten im Musikgeschäft? Mit dem dritten Album entscheidet sich die Karriere eines Künstlers. „Make it, or break it“, so die Devise. Klar, echte Zeit zur Entwicklung haben Newcomer heutzutage nicht mehr. Entweder, sie werfen Gewinne ab oder sie können sich ein neues (Independent-)Label suchen und dort bis zum Rest ihrer Tage Platten unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlichen. Da ist es auch vollkommen egal, ob man aus dem Nichts zum Topstar wird. Wenn es nicht mehr läuft, ist der Ofen aus.

Richtig gut gelaufen ist es bisher bei Mudvayne, einem Nu-Rock-Act aus Peoria, Illinois, der seit seiner Gründung im Jahr 1996 über zwei Millionen Tonträger verkaufen konnte und sich damit im sicheren Mittelfeld zwischen Korn und Slipknot platziert. Anfänglich mit ziemlich bescheuerten Künstlernamen und bizarrer Maskerade ausgestattet, haben sich Chad Gray (Vocals), Greg Tribbett (Gitarre), Ryan Martinie (Bass) und Matt McDonough (Drums) seit ihrem im Eigenvertrieb unters Volk gebrachten Debütalbum „Kill I Oughtta” (1997) kontinuierlich nach oben gearbeitet und bereits mit den Nachfolger „L.D. 50“ (2000) einen Majordeal bei Epic/Sony abgestaubt. Zwei Jahre später wird das Debütwerk unter dem Titel „The Beginning Of All Things To End“ nochmals auf den Markt geworfen, gefolgt von Major-Album Nummer 2 „The End Of All Things To Come“ (2002).

Mudvayne bestechen durch kompromisslose Härte und brachiale Gitarrenriffs, die sich allerdings ganz gerne an der berühmten Konkurrenz aus Iowa und Kalifornien orientiert und deshalb nicht immer sonderlich originell klingt. Jetzt, wo der Nu-Metal in seinen letzten Zügen liegt und nur noch zaghaft röchelt, werfen Mudvayne ihr neues Album „Lost And Found“ auf den Markt. Es ist ihr drittes Major-Album und wegweisend für die Zukunft der Band. Unter nicht unerheblichem Zeit- und Gelddruck seitens der Plattenfirma trümmerten Mudvayne zusammen mit Produzent Dave Fortman (Evanescence, Superjoint Ritual) 12 nagelneue Wut- und Hassklumpen im modernen Metal-Gewand ein. Vor diesem atmosphärisch wie musikalisch spannungsreichen Hintergrund variiert Sänger Chad Gray persönliche Erinnerungen mit Gesprächsfetzen und kanalisiert sie in Songs von monumentaler Gewalt.

Schon bei den hämmernden Rhythmen des Openers „Determined“ nimmt Gray all jene aufs Korn (sic!), die ihm streitig machen wollen, was ihm zusteht („I’m flushing the trust of everyone, stabbing in the back and thinkin’ they can break me. Set my sight can’t die till I’m done, mind endurance. Never wanted any more than what I deserve. Better bring it. I’m taking it all. Fuck an inch cause I’m bringin’ a mile. It’s on now. 123 go!”). Der Hörer befindet sich auf einen Schlag im Auge des Sturms und begleitet Chad Gray im folgenden Songzyklus durch die Trümmer seiner Vergangenheit („Forget to remember”), auf der Suche nach grundlegenden Wahrheiten („Happy?“) und einem Leben jenseits der Normalität („TV Radio“). Er zeichnet ein Bild des sozialen Verfalls („Fall into sleep“) und betrauert in „Rain. Sun. Gone.“ persönliche Verluste. Man merkt: Eine gewisse Realität hat in die Texte Einzug gehalten. Schluss mit Kaspar-Mucke und Esoterik-Lyrics. Mudvayne sind erwachsen geworden!

Aus musikalischer Sicht verraten die Songs, dass Mudvayne nicht zur Kategorie untalentierte Möchtegerns zählen. Das Songwriting ist lebendig und fasziniert den Hörer mit scharfen Hooklines („IMN“), auf den Punkt gespielten Metal-Grooves („Fall into sleep“), melodischen Versatzstücken („Happy?“) und amtlichen Riffs, bei denen sich die Band wieder mal an einigen Licks und Harmonien aus dem „Korn“- und „Slipknot“-Fundus bedient. Fazit: Ein gutes Album eines zum Tode verurteilten Genres.

Anspieltipps:

  • IMN
  • Happy?
  • Determined
  • Forget to remember
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