H-Blockx - No Excuses - Cover
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H-Blockx No Excuses


  • Label: X-Cell/SONY
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Man kann die Ex-Schülerband H-Blockx wirklich beneiden. Seit sie 1993 mit ihrer ersten Single „Risin’ high“ die deutschen Charts stürmte, ist ihr das unglaubliche Kunststück geglückt, jedes ihrer bisweilen grottenschlechten Alben – angefangen beim Crossover-Überhit „Time To Move“ (1994) bis hin zum letzten Studiowerk „Get In The Ring“ (2002), mit Hilfe jeweils einer Hitsingle in die Charts zu drücken. Dass dabei ein ums andere Mal die Grenzen des guten Geschmacks weit unterboten wurden, scheint die Herren aus Münster nicht zu stören. Doch musikalische Verbrechen wie „The power – feat. Turbo B.“ oder „Ring of fire – Feat. Dr. Ring-Ding” sprechen eine deutliche Sprache und können auch durch die über 750.000 verkauften Einheiten ihres Debüts, bzw. die durchaus vorhandenen Leistungen vom Schlage „Little girl“ (1994) und „Take me home“ (1998) nicht verdeckt werden.

Seit dem Durchbruch der H-Blockx sind inzwischen mehr als zehn Jahre ins Land gezogen. Die Bandbesetzung hat mehrere Male gewechselt und besteht zurzeit aus den Gründungsmitgliedern Henning Wehland (Vocals) und Tim Humpe (Gitarre), sowie den neu hinzugekommenen Fabio Trentini (Bass, Produzent der Donots und Guano Apes) und Steffen Wilmking (Drums). Dazu gibt der ehemalige Co-Sänger Dave Gappa eine Art Gastauftritt beim fünften Studioalbum „No Excuses“ (den Soundtrack zu „Bang Boom Bang“ nicht mitgerechnet), das die H-Blockx nach sechs Werken für BMG erstmals via X-Cell Records (Sony Music) in die Läden bringen. Und wie es sich gehört, wird auch dieser Silberling von einer potenziellen Hitsingle angeführt. „Leave me alone!“ heißt das gute Stück und bringt die Trademarks der H-Blockx locker auf den Punkt. Nur eines hat man sich anno 2004 weitgehend abgewöhnt: peinlichen Crossover-Rock mit Pseudo-Raps und nicht vorhandene Street Credibility vorzutäuschen.

Dafür wird der Hörer auch heuer mit der obligatorischen Coverversion, diesmal Rick Springfields 80er-Jahre-Hit „Celebrate youth”, belästigt und bekommt klischeebeladene Songs aus der zweiten Rock-Liga serviert („Hollywood“). Auch Henning Wehlands Texte haben dasselbe, nicht wirklich hochklassige Niveau wie vor zehn Jahren. Es ist also gar nicht so leicht, selbst mit viel Wohlwollen, eine aufbauende Entwicklung festzustellen. Dabei haben einige Riffs sogar richtig Power („Push me“) und hier und da kann auch eine Melodie überzeugen („No excuses“). Doch eine echte Überraschung im positiven Sinne bleibt aus. Das liegt u.a. daran, dass die Songs oft wie am Computer zusammengeschnipselt klingen (Pro Tools sei Dank!) und alles andere als organisch wirken. Das sorgt zwar für einen satten Klang mit ordentlich Bass-Druck, ein fader Nachgeschmack bleibt trotzdem. Da ist dann auch egal, dass die peinliche Crossover-Attitüde vergangener Jahre aufs Abstellgleis verfrachtet wurde. Aber wer erwartet schon Wunderdinge von einer Band, die bis vor kurzem selbst nicht wusste, ob sie sich nicht besser auflösen sollte. Hauptsache der geneigte Käufer weiß, was er tut.

Anspieltipps:

  • Kiss me
  • Push me
  • No excuses
  • Leave me alone!
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