Prince - Musicology - Cover
Große Ansicht

Prince Musicology


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ausverkaufte Konzertsäle, hohe Hitparadenpositionen, allerorts gute Kritiken und Titelgeschichten in sämtlichen relevanten Musikmagazinen: Das sind die Bestandteile für ein großes Comeback. Doch halt, wieso Comeback? Prince Rogers „Sexy Motherfucker“ Nelson war nie weg, obwohl die meisten sicher der Annahme waren, das kleine Musikgenie sei untergetaucht. Aber nein, seit seinem Streit mit Warner Bros. (man erinnere sich an das „Black Album“ (1987), das kurz vor der Auslieferung zurückgezogen wurde, an das einrasierte Wörtchen „Slave“ auf seiner Backe, ziemlich üble Schnellschuss-Alben die zur schnelleren Vertragserfüllung dienten, oder an ein unaussprechliches Symbol als Künstlernamen, woraus ein englischer Journalist das geniale „TAFKAP = The Artist Formerly Known As Prince“ machte) arbeitete der kleine Mann mit den hohen Absätzen wie ein Berserker, machte es Otto Normalverbraucher aber mit Vertriebswegen über seinen „New Power Music Club“, das Internet und auf Konzerten mehr als schwer und vor allem sehr teuer, an die zahlreichen Werke heranzukommen.

Doch wenn man ehrlich ist, konnten selbst Hardcore-Fans des Prinzen aus Minneapolis nicht immer etwas mit Alben wie „Emancipation“ (1996), „New Power Soul“ (1998), „One Nite Alone“ (2002) oder „N.E.W.S.“ (2003) anfangen. Nur selten blitzten kleine Geniestreiche wie „Rave Un2 The Joy Fantastic“ (1999) oder „The Rainbow Children“ (2001) aus dem Schaffen heraus. Wie schön, dass man ab sofort wieder in den Laden spazieren und ohne Mühe und zu einem normalen Preis eine neue Prince CD kaufen kann. Wahrscheinlich war es dem Meister irgendwann selbst zu doof geworden, Musik unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu machen und suchte sich mit Columbia Records (Sony) einen starken Vertriebspartner, der zwar keinerlei Rechte an den Songs erhielt, aber für eine flächendeckende Verbreitung sorgt.

Nachdem die Qualität der Prince-Musik in den letzten Jahren hörbar gelitten hatte, gibt allerdings auch das so genannte Comeback-Werk „Musicology“ keinen Anlass zu Freudensprüngen. Klar, rein musikalisch zeigt der Trend nach oben. „Musicology“ ist ein knackiges Soul-, Funk-, Pop-, Rockalbum ohne die Frickelarien von „N.E.W.S.“ und die anzügliche Erotik von „Diamonds And Perls“ (1991). Richtiggehend diszipliniert bietet Prince 12 Songs in klassischer LP Spieldauer auf, darunter einige echte Hits, wie der höllisch groovende Funk des Titeltracks oder das wunderbare „Cinnamon girl“. „Illusion, coma, pimp & circumstance“, „Life ’o’ the party“ grooven ebenfalls amtlich, während „A million days“ an die großen Prince-Halb-Balladen der Achtziger erinnert, wäre nur der Sound nicht ganz so matschig. Tja, und „Call my name“ ist ein schwülstiger Slow-Groove für den Schlafzimmereinsatz - ein Spezialgebiet des 46-Jährigen.

Dass auch „Musicology“ einige eher uninspirierte Stücke enthält („What du u want me 2 do?“, „The marrying kind“, „Reflection“), die das Album zum Ende hin etwas abfallen lassen, wollen wir dem Künstler nicht ankreiden. Das war bei Prince schon immer so und ist in Anbetracht der Masse an Kompositionen auch nicht verwunderlich.

Damit ist „Musicology“ definitiv nicht das vielerorts gepriesene Meisterwerk, dafür ein äußerst solider „Neuanfang“, mit dem sich Prince nicht neu erfindet, aber auf dem Weg zurück zu alter Stärke ist. Ein halbes Dutzend Hördurchgänge später und mit etwas Wohlwollen reicht das für sechs Punkte plus einem Bonuszähler, denn was wäre das Musicbiz ohne Prince Rogers Nelson? Wahrscheinlich ganz schön langweilig, aber mindestens um eine Attraktion ärmer.

Anspieltipps:

  • Musicology
  • Call my name
  • Cinnamon girl
  • A million days
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
7.5/10

Colors
  • 2017    
Diskutiere über „Prince“
comments powered by Disqus