Soundtrack - Spider-Man 2 - Cover
Große Ansicht

Soundtrack Spider-Man 2


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 64 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Höher, schneller, weiter! Wenn Hollywood das Sequel eines Blockbusters anschiebt, heißt es klotzen statt kleckern. Schließlich soll das gespannt wartende Publikum nicht enttäuscht, sondern auf einen möglichen dritten Teil heiß gemacht werden. Diese einfache Regel gilt natürlich auch für die Fortsetzung des äußerst erfolgreichen „Spider-Man“-Films aus dem Jahr 2002. Mehr Action, mehr Erotik und noch atemberaubendere Sprünge durch die Häuserschluchten New Yorks. Klar, dass der dazugehörige Soundtrack in so einem Fall nicht hintenanstehen will und ebenfalls mit geballter Star-Power aufwartet.

Der erste „Spider-Man“-Soundtrack war geprägt von Nickelback-Mastermind Chad Kroeger, der zusammen mit Josey Scott nicht nur die Hitsingle „Hero“ zu verantworten hatte, sondern auch noch seine Kumpels von Default und Theory Of A Deadman auf dem Album unterbrachte. Dazu kam eine Mischung aus aufstrebenden Jungstars (The Strokes, Sum 41, Alien Ant Farm) und altgedienten Rock-Recken (Jerry Cantrell, Aerosmith). Dieses Konzept wurde auch für die Fortsetzung nicht verändert. Bereits etablierte Künstler wie Brian May (Queen), Train und Dashboard Confessional werden von jungen Himmelstürmern wie Hoobastank, Maroon 5 und Jet flankiert. Dazu kommen wie gehabt zwei Score-Tracks von Soundtrack-Spezialist Danny Elfman und fertig ist ein Anwärter auf oberste Chartpositionen.

Die zweite Verfilmung des berühmten Marvel-Comics startet in Deutschland am 08. Juli. In dieser Episode wird Peter Parker (alias Tobey Maguire) durch sein kompliziertes Doppelleben als Student und geheimer Superheld noch mehr in die Bredouille gebracht, als bereits im ersten Teil. Dazu sieht er sich einem neuen Widersacher gegenüber: Dem raffinierten Otto Octavius (gespielt von Alfred Molina), der als manischer „Doc Ock“ mit riesigen Fangarmen wiederauferstanden ist. Dazu gibt es die gewohnt rockigen Klänge, an deren Spitze diesmal die junge Schwedin Ana Johnsson steht, die mit der ersten Singleauskopplung „We are“ zugleich ihre noch frische Solokarriere anschieben will. Als zweite Single kommt dann unmittelbar nach Filmstart der „Switchfoot“-Song „Meant to live“ in die Läden. Während Ana Johnsson einen atmosphärisch-eingängigen Pop/Rocksong im Stile einer Avril Lavigne zum Besten gibt, langen Switchfoot einen zacken härter hin. Doch spätestens beim Refrain merkt man, weshalb der Track als Single ausgewählt wurde.

Also Opener fungieren die hochgelobten Dashboard Confessional, die mit „Vindicated“ einen hymnischen Rocksong abliefern, der durch eine herausragende Sangesleistung von Christopher Carrabba gekrönt wird. Train legen mit „Ordinary“ einen ungewohnt harten Song vor, der allerdings nicht auf die Train-typische Dramatik (andere nennen es auch Schwulst) verzichtet. Die Kombination aus E-Gitarren und Streichern ist eben nicht jedermanns Sache. Auch die Nachwuchs-Nu-Rocker von Hoobastank („Did you“) spalten Fans und Kritiker in zwei Lager. Die Jungs spielen eben perfekt produzierten, auf den Punkt gespielten Nu-Rock, der bisweilen etwas steril wirkt, aber amtlich aus den Boxen wummert. Jet, die Retro-Rocker mit dem Namen einer Tankstellenkette, nehmen etwas Fahrt raus und präsentieren mit „Hold on“ eine akustische Ballade, bei dem Tamburine und Gniedel-Gitarre den Ton angeben. Unspektakulär, aber cool!

Was gibt es auf dem Soundtrack sonst noch zu entdecken? Da wären zum einen die Weichspüler von Maroon 5, die mit „Woman“ einen groovebetonten Soul-Popper der grässlichsten Sorte abliefern. „Gifts and curses“ von Yellowcard ist Nu-Emo-Core von der Stange. Sicher keine schlechte Ware, aber auch kein Grund, um hurra zu schreien. Midtowns „Give it up“ verarbeitet zarte New-Wave-Ansätze mit krachigem Noise-Rock. Die Jungs lassen es richtig krachen und liefern einen der Höhepunkte des Soundtracks ab. Starker Song! „Lucky you“ (Lostprohets), „The night that the lights went out in NYC“ (The Ataris) und „Who I am“ von Smile Empty Soul sind routinierte Rocksongs: Fürs Radio einen Tick zu hart, aber trotzdem recht eingängig und mit präzisem Riffing ausgestattet. Als Abschluss des Rockparts hören wir die Kollaboration zwischen Queen-Gitarrist Brian May und Jimmy Gnecco, die mit „Someone to die for” eine etwas pathetische Ballade im 60s-Stil darbieten, die natürlich durch den prägnanten Gitarresound von Herrn May auffällt. Es arbeiteten aber noch Chris Cornell (Ex-Soundgarden, Audioslave) am Text und Rick Rubin als Produzent mit. Damit sind dem Bombast wirklich keine Grenzen gesetzt.

Der Soundtrack zu „Spider-Man 2“ ist eine durchaus angenehme Begleitung DES Sommer-Blockbusters 2004. Zwar kann das Album die hochgesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen - gerade im Vergleich zum ebenfalls aktuellen „The Punisher“-Soundtrack - dazu wirken einige Beiträge einfach zu beliebig - trotzdem kann die CD ruhigen Gewissens mit sechs Punkten durchs Ziel gewunken werden. Pflicht erfüllt, die Kür knapp verhauen. Man darf trotzdem zufrieden sein.

Anspieltipps:

  • Jet - „Hold on“
  • Midtown - „Give it up”
  • Ana Johnsson - „We are“
  • Switchfoot - „Meant to live”
  • Dashboard Confessional - „Vindicated”
Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Soundtrack“
comments powered by Disqus