Coheed And Cambria - In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3 - Cover
Große Ansicht

Coheed And Cambria In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 71 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Coheed And Cambria - eine hoch gehandelte Band aus dem New Yorker Rock-Underground, die nach vielen Irrungen und Wirrungen in Europa durchstarten soll. Das wird auch Zeit, denn bisher mussten sich gut informierte Fans Coheed-And-Cambria-Platten für horrende Preise aus den USA besorgen. Damit ist jetzt Schluss und alle Liebhaber von Dredg, The Mars Volta, Thursday und At The Drive In dürfen am 28. Juni in die Läden stürmen und das allerorts gelobte Zweitwerk „In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3“ zu einem zivilen Preis antesten. Doch was steckt hinter dieser Band und ihrem aktuellen Album, von dem man hört, man benötige eine Art Drehbuch, das es leider nicht gibt, um es zu verstehen?

Kopf der Band ist ein gewisser Claudio Sanchez (Vocals, Gitarre), der 1995 in New York ein Trio namens Shabutie gründete, aus dem fünf Jahre später das Projekt Coheed And Cambria hervorging. Die zum Quartett aufgestockte Gruppe besteht nach mehreren Besetzungswechseln aus Mic Todd (Bass), Travis Stever (Gitarre) und Josh Eppard (Drums). Ihr Plan: Einen Soundtrack zu einer vierteiligen Saga um die beiden Hauptdarsteller „Coheed“ und „Cambria“ zu entwickeln. Eine Story um Liebe, Aufopferung und Verrat, bzw. „Star Wars“ meets „Romeo und Julia“. Der Clou: Das Werk wird in nicht chronologischer Reihenfolge veröffentlicht. So erschien 2002 der zweite Teil „The Second Stage Turbine Blade“. Für den ersten Teil gibt es noch nicht mal einen Namen, während Part 4 „Good Apollo, I’m Burning Star: 4“ in zwei Teilen erscheinen soll und der dritte Part „In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3“ im Oktober 2003 auf den Markt kam. Das Ganze trägt den Obertitel „The Bag Online Adventures Of Coheed And Cambria“, soll demnächst auch als Comic herauskommen und wird musikalisch in einen Sound aus 70er Jahre Rock- und 80er Jahre Hardcore-Musik, bzw. in eine Mischung aus Led Zeppelin, At The Drive In, Sunny Day Real Estate und The Police, verpackt. Noch Fragen?

Es geht doch nichts über eine schöne Story zu einer Platte, aber das wichtigste Element ist und bleibt nun mal die Musik. Und diese beginnt unglaublich dramatisch und verbreitet Weltuntergangsstimmung. Mastermind Claudio Sanchez fräst sich mit einer gewöhnungsbedürftig hohen Stimme durch den achtminütigen Titeltrack, den man am ehesten als progressiven Emo-Pop/Rock bezeichnen kann. Denn hier wird nicht wild drauflos gefrickelt, als sei jemanden das Heavy-Metal-Pferd durchgegangen, sondern werden Harmonien, Tempowechsel und Schreiattacken im „The Used“-Stil mit Bedacht zusammengefügt, bis ein abschließender Chorus endgültig dafür sorgt, dass Coheed And Cambria einen für die nächste Stunde gefangen nehmen.

„Three evils (Embodied in love and shadow)“, das sich, sorry, wie ein HIM-Songtitel anhört, hat zum Glück nicht mit den Finnen zu tun. Vielmehr kredenzen uns die New Yorker einen schnörkellosen Rocksong, der bis kurz vor Ende eine schier unglaubliche Hookline versteckt hält. So eine Gemeinheit! Dieses Motiv sollte auf einem der nächsten Alben unbedingt noch mal aufgegriffen werden, da es hier viel zu kurz kommt. „The crowing“ beschäftigt sich mit Mord und Todschlag, einem zentralen Thema der CD. Der Song verbindet leicht nervöses Metal-Riffing und Sanchez’ aufgeregten Gesang mit einer schmeichelnden Melodie. Trotzdem kommt dieser relativ schwere Brocken mit einer unheimlichen Leichtigkeit rüber, die den düsteren Text nicht so sehr an den Hörer herankommen lässt. Genial!

„Blood red summer“ leitet einen unerwarteten Kurswechsel ein. Der hymnische Song verbreitet lupenreinen 60er Jahre Pop-Flair, etwa wie die frühen Weezer oder Marcy Playground, nur dass ein Popsong mit dem Titel „Blood red summer“ gewiss Probleme im Radio oder Musikfernsehen hätte. Das dreiteilige „The camper velourium“ ist der alles in den Schatten stellende Mittelpunkt des Albums. Zu Beginn greift der Song 80er Jahre Rockriffs auf, spart nicht mit eingängigen „Uh hu hu“-Chören und wunderschönen Harmoniewechseln („I - Faint of hearts“). Der Mittelteil („II – Backend of forever“) ist entschieden progressiver. Der Sound ist düsterer, die Rhythmen verschachtelt und die Gitarren gemahnen mehr an Dream Theater als an aktuelle Hardcore-Combos. Dazu garniert Claudio Sanchez die hervorragend eingesungenen Background Vocals mit groben Schreien. „III – Al the killer“ ist das morbid-geniale Ende des Dreiteilers. Mit W.A.S.P.-ähnlichen Gitarren und einer drastischen Tempoverschärfung macht der Killer seinem Opfer den Garaus.

Schon das Vorgängeralbum „The Second Stage Turbine Blade“ (2002) wurde bei Fans und Presse abgefeiert. „In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3“ steht dem in nichts nach. Das Werk beeindruckt durch eine noch nie da gewesene Melange aus Pop und Emo-Rock. Die Texte sind keine fröhlichen „All you need is love“-Banalitäten, sondern exzentrische Weltuntergangsszenarien, die die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verwischen lassen. Hat progressive Rockmusik sonst den Makel, dass sie nach gewisser Zeit zu nerven beginnt, fesselt dieses Album seine Hörer von Anfang bis Ende. Und wer weiß, wie erst die Wirkung durch den Einsatz von Kopfhörern ist. Man mag gar nicht daran denken, denn die Intensität von „Co & Ca“ ist schlicht beängstigend.

Anspieltipps:

  • Three evils
  • The crowing
  • Blood red summer
  • The camper velourium I, II, III
  • Cuts marked in the march of men
Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
7/10

Topographic Drama: Live Across America
  • 2017    
8/10

Reap The Storm
  • 2017    
Diskutiere über „Coheed And Cambria“
comments powered by Disqus