Lenny Kravitz - Baptism - Cover
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Lenny Kravitz Baptism


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Überzeugen können die 13 Stücke auf „Baptism“ leider gar nicht.

Irgendwie war früher alles besser. In der Wirtschaft und in der Musik. Heute ist die Mark nur noch die Hälfte wert (und nennt sich Euro) und Lenny Kravitz macht schlechte Platten. Dazu trägt er seine Haare jetzt lang und glatt. Mein lieber Scholli, das geht ja gar nicht! Aber das musste ja so kommen. Gab es früher nur ein Thema im Hause Kravitz - erdiger Rock ’n’ Roll und coole Dreadlocks - lesen wir im Zuge der Veröffentlichung seines siebten Studioalbums „Baptism“ überwiegend unerfreuliche Kritiken, peinliche Homestories aus einer seiner zahlreichen Immobilien („meine Villa, meine Jacht, mein Ferrari, meine aktuelle Geliebte“) und Erläuterungen über den Sinn und Zweck von Penis-Piercings. Mit Meisterwerken wie „Let Love Rule“ (1989) oder „Are You Gonna Go My Way“ (1993) hat dies wahrlich nichts mehr zu tun. Hier ist eindeutig die Show in den Vordergrund gerutscht. Aber warum nur?

Lenny Kravitz scheint satt und zufrieden zu sein mit dem, was er in den letzten 15 Jahren erreicht hat. Eine Karriere, die ihn vom Geheimtipp zum superreichen Rockstar und Grammy-Preisträger machte, aber auch einen schleichenden Abstieg einläutete, von einem Künstler, der all seine Liebe und all seinen Schmerz in ein Album legte („Mama Said“, 1991), zu einem gewieften Geschäftsmann, der schleppende Albumverkäufe ankurbelt, indem er einen aktuellen (!) Songs an die Industrie („Fly away“) für einen TV-Werbespot verkauft. Diese moderne Form des Cross Selling führte u.a. dazu, dass sich sein „Greatest Hits“-Album (2000) mal eben acht Millionen Mal verkaufte.

Jetzt also „Baptism“, das neueste Werk des Womanizers. Wieder in seinem luxuriösen Aufnahmetempel in Miami („Roxie Studios“) aufgenommen, die meisten Instrumente selbst eingespielt, die Produktion komplett alleine übernommen und selbstredend sämtliche Songs und Texte im Alleingang aus dem Hut gezaubert. Also ein Schafferle ist der Herr Kravitz schon. Ihm gelingt es sogar ansatzweise, die liebgewonnenen 70er Jahre Sounds auf Band zu bekommen. Nur überzeugen können die 13 Stücke auf „Baptism“ leider gar nicht. Dabei gibt uns Lenny wieder die volle Breitseite aus Rock, Pop, Soul und Funk. Doch anno 2004 liest sich die Tracklist wie folgt: Schlapper Funk-Rocker („Minister of rock ’n roll“), gefolgt vom halbgaren David-Bowie-Plagiat („I don’t want to be a star“) und ideenlosem Kravitz-Standard („Lady“), jagen bemitleidenswerten Rockstampfer („Where are we runnin’?“) und typischen Balladen-Schmuh des Brooklyn-Boys („Calling all angels“). So geht’s nicht, Herr Kravitz! Dabei verlangen wir noch nicht mal Innovationen. Einfach nur Qualität, wie bei den ersten drei Alben seiner Karriere. Stattdessen serviert uns der 40-Jährige akustische Lamentos wie „What did I do with my life?“ und eine fragwürdige Kollaborationen mit Rap-Star Jay-Z („Storm“). Was kommt demnächst? Vielleicht ein Duett mit Britney Spears?

Nach Werken wie „Circus“, „5“ und „Lenny“ muss man erschrocken attestieren: Es geht tatsächlich noch schlechter. Ein Album, das höchstens drei überdurchschnittliche Nummern („Sistamamalover“, „Baptized“, „Flash“) beherbergt, ist mehr als enttäuschend und es nicht wert, den Namen Kravitz zu tragen. Deshalb wird „Baptism“ als das bisher schlechteste Album in der Karriere von Lenny Kravitz in die Geschichtsbücher eingehen.

Anspieltipps:

  • Flash
  • California
  • Sistamamalover
  • Calling all angels
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