Alanis Morissette - So-Called Chaos - Cover
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Alanis Morissette So-Called Chaos


  • Label: Maverick/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Irgendwo war in Bezug auf „So-Called Chaos“ von gedämpfter Emotionalität zu lesen. Das trifft es sehr gut.

„I can be an asshole of the grandest kind”, singt Alanis Morissette in ihrem neuen Song „Everything”. Nun, so weit würde ich mit meinem Urteil über Frau Morissette nicht gehen. Aber die Bezeichnung „Schlaftablette“ dürfte für ein selbstzufriedenes Werk wie „So-Called Chaos“, dem fünften Album der Kanadierin, angemessen sein. Neun Jahre nach dem Urknall „Jagged Little Pill“ (über 30 Millionen verkaufte Einheiten!) ist nämlich so gut wie nichts mehr von der Power und der Rebellion des Erstlings übrig geblieben. Das nennt sich dann im Fachjargon: „Die Künstlerin ist gereift und hat ihren Frieden mit der Welt geschlossen.“ Dass dies nicht unbedingt der ideale Nährboden für ein herausragendes Album ist, war abzusehen und wird mit „So-Called Chaos“ bewiesen.

Für die Produktion holte sich Alanis Morissette ihren alten Freund Tim Thorney, den sie seit ihrer Teenie-Zeit in Toronto kennt, und John Shanks, der bekannt ist für seine Zusammenarbeit mit Michelle Branch, Sheryl Crow, Hilary Duff, SR-71 und Melissa Etheridge, ins Studio. Zusammen stiegen zunächst Sessions in den Groovemasters-Studios in Santa Monica, Kalifornien, bei denen Morissettes Tourband (die Gitarristen David Levita und Jason Orme, Bassist Eric Avery, Keyborder Zac Rae und Drummer Blair Sinta) sowie einige von Shanks vorgeschlagene Musiker, wie zum Beispiel Drummer Kenny Aronoff (u. a. Anastacia, Jon Bon Jovi, Michelle Branch, Joe Cocker, Celine Dion) zum Einsatz kamen. Weitere Aufnahmen fanden in verschiedenen Studios in Los Angeles statt. Dabei spielte die mehrfache Grammy-Gewinnerin und Hobby-Schauspielerin („Dogma“, „De-Lovely”, „Sex And The City”, „Curb Your Enthusiasm”, „Vagina Monologues”, „The Exonerated”) zehn Songs für ihr neues Album ein.

Ihrem Markenzeichen selbstanalytischer Songs blieb die 30-Jährige auch diesmal treu. Wie von den Vorgängern „Supposed Former Infatuation Junkie” (1998), „MTV Unplugged” (1999) und „Under Rug Swept” (2002) gewohnt, verarbeitet sie auch heuer ihre Phantasien, persönliche Erfahrungen wie Beziehungsstress und spirituelle Neigungen. Zwar stehen Morissettes Indien-Erlebnisse nicht mehr im Vordergrund wie noch auf „Under Rug Swept”, aber im Zweifelsfall heißt es pro esoterischer Schnickschnack („Knees of my bees“) anstatt „angry young Women” à la „You oughta know“. Dass sie das Rocken trotz allem nicht verlernt hat, beweisen Songs wie das treibende „Eight easy Stepps“, das recht nahe an die erbitterte Ausdruckskraft ihres Debüts herankommt, oder das schwungvolle „Out is through“. Ansonsten geht es auf „So-Called Chaos“ eher gemäßigt zu.

Irgendwo war in Bezug auf „So-Called Chaos“ von gedämpfter Emotionalität zu lesen. Das trifft es sehr gut. Zwar versteht es Morissette, auch ohne die latente Aggressivität in ihren Texten, eingängige Melodien und gute Hooklines zu schreiben – das nimmt man gerne zur Kenntnis – doch die Luft ist irgendwie raus, wie bei einem Ballon, aus dem langsam aber sicher die Luft entweicht. Dabei wird bereits das nächste Morissette-Album angekündigt, das 14 akustische Songs aller vier Studioalben beinhaltet wird. Also ein erneutes „Unplugged“-Album? Klingt auch nicht gerade aufregend. Entwicklung – ja, aber bitte nicht so!

Anspieltipps:

  • Excuses
  • Everything
  • Out is through
  • Eight easy steps
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