Jimmy Eat World - Futures - Cover
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Jimmy Eat World Futures


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das sich im CD-Spieler festfrisst und nicht so schnell wieder rauskommt.

Offen gesagt sind Jimmy Eat World schon irgendwie eine langweilige Band: Weder ranken sich Geschichten über toxische Substanzen oder sexuelle Randgruppenzugehörigkeit um die Band, noch macht auch nur einer der vier Amerikaner den Eindruck, nicht der wohl wünschenswerteste Schwiegersohn für jedes Mütterchen sein zu können. Nein, rein äußerlich trennt sie nicht viel von Rock-Langweilern wie 3 Doors Down. Wäre da nicht diese Musik. Diese unfassbar schöne, melodische Musik mit diesem gewissen Etwas, was nur Jimmy Eat World in ihrer unendlichen Emo-Küche zusammenbrauen können. Ein Rezept, das einfach immer aufgeht. Auch auf „Futures“.

Man konnte von Jim Adkins (Gesang, Gitarre), Rick Burch (Bass), Zach Lind (Schlagzeug) und Tom Linton (Gitarre, Gesang) viel erwarten, nachdem sie mit gleich zwei Meisterwerken hintereinander in Erscheinung getreten sind: Einmal durch das Masterpiece des Emo, „Clarity“, dessen klare Schönheit bis heute nichts von ihrer Brillanz eingebüßt hat und durch die Hitsammlung „Bleed American“, die zwar nicht restlos überzeugte, aber trotz allem irgendwie immer noch die beste Platte des Jahres 2001 wurde. Was sollte danach noch kommen? Drei Jahre hat es gedauert, bis jetzt die Welt reif ist für „Futures“. Ein Album, das alle Erwartungen erfüllt, und doch noch mehr bietet: Nämlich 11 (+ ein Bonustrack) erstklassige Songs, ein Gesamtkonzept ohne Längen, ohne Füller, eine Wundertüte an wunderschönen Melodien, auf die man eigentlich nur gewartet hat.

Allein die Dramaturgie der Platte ist einzigartig: Nachdem „Futures“ relativ stürmisch und durchaus auch hymnisch den Anfang darstellt, forciert „Just Tonight“ noch einmal das Tempo und kann sich jetzt schon sicher sein, auf diversen Indie-Parties unentbehrlich zu werden. Doch alles wird gleich noch viel schöner durch „Work“ und „Kill“, die wohl insgesamt komplettesten und schönsten Kompositionen aus „Futures“. Während „Work“ den Hörer geradezu dekadent mit grandiosen Melodiebögen, zweistimmigem Gesang und einem herzzerreißenden Refrain einlullt, steigert sich „Kill“ zu einem Inferno der Glückseligkeit, das man miterlebt haben muss.

Während „The World You Love“ und „Drugs Or Me“ das zur Perfektion reiten, was Jimmy Eat World ausmacht, nämlich der Drahtseilakt zwischen Kitsch, echtem Gefühl und Melancholie, bietet das geladene „Pain“ den Nachfolger zum aggressiven „Bleed American“ und brennt sich ohne Rücksicht in die Synapsen ein. Doch damit endet auch der erste, eher dem lauteren „Bleed American“ verpflichtete Teil. Denn mit Ausnahme des wütenden „Nothingwrong“ (ein weiterer Ohrwurm mit erstklassigem Gitarrenhook im Refrain!), bieten „Polaris“ (DAS Lied zum Nachts-nach-Hause-fahren), „Night Drive“ (mit Beatles-Referenzen im Schlussteil) und vor allem das finale „23“ ein Füllhorn an Melancholie und reiner Schönheit, die sich zwar entfalten muss, aber doch jederzeit präsent ist und den Hörer begeistert.

„Futures“ ist eine Platte, die Leben verbessern kann. Bandhistorisch steht sie zwischen „Clarity“ und „Bleed American“, vereinigt in selten gesehener Perfektion alles, was Jimmy Eat World ausmacht: Diesen zweistimmigem Gesang, diese wunderbaren Gitarrenmelodien und diese distinguierte Einmaligkeit, die die Band letztlich nicht einordnen lässt. Ob die neue Platte die Größe von „Clarity“ erreichen wird, ist aus heutiger Sicht nicht zu sagen, fest steht, dass „Futures“ nicht eine Sekunde lang selbstgefällig, zu emotional, deplatziert oder gar langweilig wird, sondern sich früher oder später im CD-Spieler festfrisst und da nicht so schnell wieder rauskommt.

Anspieltipps:

  • Kill
  • Work
  • Just Tonight

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