Seether - Disclaimer II - Cover
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Seether Disclaimer II


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer das Originalalbum bisher nicht kannte, sollte nun dringend zuschlagen!

Für Fans und Sammler zählt es zu den widerlichsten Marketingmechanismen des Musikbusiness: Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung eines Albums, wird eine neue, überarbeitete Version, natürlich um reichlich Bonustracks aufgestockt, auf den Markt gebracht, um die Abverkäufe anzukurbeln. Diese, in der Regel von den Plattenfirmen und nicht von den Künstlern lancierte Halsabschneiderei, wird dann als „Tour Edition“ oder auch „Ultimative Fan Edition“ deklariert und sorgt neben großer Verärgerung bei den treuen „Sofortkäufern“, die ganz nebenbei für den entsprechenden Hitparadeneinstieg verantwortlich sind, regelmäßig für Verkaufsschwemmen bei ebay, wo viele Käufer der „Expanded Version“ ihre alten „Normal CDs“ loswerden wollen – mit schönen Grüßen an BMG, Sony, Universal und EMI!

Die Wiederveröffentlichung des Debütalbums „Disclaimer“ der südafrikanischen Rockband Seether gestaltet sich allerdings etwas anders. Das ursprünglich im Februar 2003 erschienene Album wurde mit neuem Artwork versehen und um vier zusätzliche Songs ergänzt („Sold me“ und „Broken“ vom „The Punisher“-Soundtrack, sowie „Cigarettes“ und „Got it made“). Dazu hat Bob Marlette (Alice Cooper, Tracy Chapman, Black Sabbath) die ersten 12 Songs komplett neu abgemischt und remastered, obwohl schon die Jay-Baumgardner-Produktion mächtig Druck erzeugte. Und als wenn das noch nicht genug wäre, verließ Drummer Nick Oshiro die Band und wurde durch John Humphrey ersetzt. Darüber hinaus wurde mit Pat Callahen ein weiterer Gitarrist verpflichtet. Fünf Jahre nach Bandgründung stehen die Zeichen bei Shaun Morgan (Gesang, Gitarre), Dale Stewart (Bass), John Humphrey (Drums) und Pat Callahen (Gitarre) ganz offenbar auf Sturm: „Make it or break it“ - „Disclaimer II“ wird es zeigen.

Mastermind Shaun Morgan fährt in seinen düsteren Texten eine ganze Lastwagenladung übler Kindheitserlebnisse, Hass und Vergeltung, Herzschmerz und Pathos auf, dass einem angst und bange werden kann. Nützliche Komplizen seiner persönlichen Katharsis sind heftige Grunge-Gitarren und ein herausragender Gesangsstil zwischen Kurt Cobain (Nirvana) und Scott Stapp (Creed), der schon den Opener „Gasoline“ zu einer kleinen Zeitreise in die frühen 90er macht, als Bands wie Pearl Jam, Alice In Chains und Nirvana führend waren. Seether spielen denselben lupenreinen Old-School-Grunge-Rock, der schlimmstenfalls nach Puddle Of Mudd klingt, was ja gerade noch erträglich, aber zu keiner Zeit peinlich ist, wie etwa der letzte Creed-Output. Aber das Thema Creed ist ja inzwischen auch erledigt.

Seether legen großen Wert auf eingängige Melodien und ein sehr prägnantes Riffing, das auch eher balladeske Songs („Driven under“, „Broken“) begleitet. Angesichts der musikalischen Vorbilder ist dieser Sound, bis auf wenige Ausnahmen („Pride“, „Fxxx it“) fast schon als „retro“ zu bezeichnen und so viel besser, als die meisten Nu-Rock-Veröffentlichungen der letzten Zeit. Denn „Disclaimer II“ ist nicht das nette Album für Zwischendurch und Seether keine Band, die man vorschnell aus dem Gedächtnis verlieren sollte. Das inzwischen in die USA umgesiedelte Quartett beherrscht den Drahtseiltanz zwischen gesunder Härte („Pig“, „69 Tea“), chartkompatiblen Rocksongs („Sympathetic“, „Fade away“) und abgründigen Emo-Brettern („Your bore“) nämlich mit großer Perfektion.

Auch die vier neuen Titel stehen dem „Disclaimer“-Grundgerüst in nichts nach. „Sold me“ rockt wie ein reinigendes Sommergewitter, „Got it made“ überzeugt als atmosphärische Halbballade, „Cigarettes“ kommt als locker-flockiger Party-Rocker daher und das „Broken“-Remake mit Amy Lee geht als gezieltes Hitparadenfutter ebenfalls in Ordnung. Keine Frage, dafür sind acht Punkte ohne weiteres angebracht. Wer das Album also bisher nicht kannte, sollte nun dringend zuschlagen!

Anspieltipps:

  • 69 Tea
  • Needles
  • Gasoline
  • Fine again
  • Sympathetic
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