Bebel Gilberto - Bebel Gilberto - Cover
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Bebel Gilberto Bebel Gilberto


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ihr Name klingt wie eine Liebkosung: Bebel Gilberto. Die Tochter von Joao Gilberto, dem Erfinder von Bossa Nova – einem Mann, der in Brasilien einfach „die Legende“ genannt wird, veröffentlicht nach ihrem Debütalbum „Tanto Tempo“ nun ihr zweites Album, dass schlicht ihren Namen trägt. „Ich möchte der Welt zeigen, dass brasilianische Musik nicht nur „The Girl From Ipanema“ ist“, sagt Bebel selbst und stellt es eindrucksvoll unter Beweis. Ihre Stimme klingt verträumter, sanfter und gefühlvoller als je zuvor. Ihre Songs – diesmal zum großen Teil von ihr selbst geschrieben – sind noch immer kunstvoll gefertigt und zielen direkt ins Herz. Dann ist da natürlich immer noch dieser Rhythmus, der Bossa Nova, und entspannte Coolness im Überfluss. Auch den Spagat zwischen Tradition und Club meistert sie immer noch mit verspielter Gelassenheit.

Ihr 2000 erschienenes Debütalbum „Tanto Tempo“ war geradezu eine Sensation und wurde von Kritikern und Hörern gleichermaßen gelobt, so dass es zu einem der weltweit erfolgreichsten Alben mit brasilianischer Musik avancierte. Mit sieben Jahren gab Bebel ihr musikalisches Debüt auf dem Album ihrer Mutter, Miúcha, einer bekannten Sängerin in Brasilien. Zwei Jahre später trat sie neben ihrer Mutter und der Jazzlegende Getz live in der New Yorker Chico Buarque auf. 1991 verließ sie Rio und zog in ihre Geburtsstadt, New York. Dort arbeitete sie sich als Kellnerin, Babysitterin und Model und verfeinerte gleichzeitig ihre musikalische Version, arbeitete mit Musikern wie David Byrne, Thievery Corporation und Towa Tei von Deee-Lite, brachte den Bossa Nova-Sound auf die Tanzflächen der Stadt und schuf mit dem inzwischen verstorbenen Produzentengenie Suba ihr Debütalbum „Tanto Tempo“.

Ihr neues Album „Bebel Gilberto“ entstand unter der Regie von Produzent und Keyboarder Marius de Vries (Björk / Annie Lennox / Madonna) in New York, London, Rio de Janeiro und Salvador und spiegelt die Jahre seit „Tanto Tempo“ wieder, die Bebel mit Arbeiten und Reisen verbracht hatte. Das erste Stück auf dem Album, „Baby“, ist eine Coverversion eines Songs der brasilianischen Legende Caetano Veloso, mit einem ironischen, englischen Text der brasilianischen Psychedelik-Rocker Os Mutantes. Es folgen das verträumte „Simplesmente“ und „Aganjú“, ein rhythmischer Lobgesang an die Gottheit Xango. „All Around“ ist eine langsame, traurige Bossa Nova-Nummer, auch den Song „Do You Know How It Is Without Anyone?“ singt Bebel wehmütig. Der „River Song“ ist eine Ode an die Natur Brasiliens, in „Jabuticaba“ geht es um eine Frucht, die an einem Baumstamm wächst, der Kontrast zu diesem verspielten Song ist dann „Cada Beijo“, der durch seine Kargheit sehr dramatisch wirkt. Eine sonnige Reflektion über die Liebe in der kälteren Jahreszeit gibt der Song „Winter“. Nach dem wunderschönen, sanften „Next To You“ folgt der leidenschaftliche Song „Céu Distante“, einem Song über den sich immer ändernden Himmel. Abgerundet wird das Album dann von „Every Day You’ve Been Away“, der durch seine Sinnlichkeit zum Tanzen wie auf Wolken einlädt und „Oh Camino“, einem Song, den Bebel selbst schrieb und durch eine einfühlsame Klavierbegleitung begeistert.

„Bebel Gilberto“ ist somit ein beeindruckendes Album, welches dort anknüpft wo „Tanto Tempo“ vor einigen Jahren aufhörte. Brasilianische Musik ist weit mehr als „The Girl From Ipanema“ und das hat uns Bebel erneut unter Beweis gestellt.

Anspieltipps:

  • Baby
  • Winter
  • Aganjú
  • All Around
  • River Song
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