Keane - Hopes And Fears - Cover
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Keane Hopes And Fears


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Während sich Travis und Coldplay noch um den BritPop-Thron balgen, macht sich bereits der nächste Anwärter auf, um in den Kampf um die begehrte Musik-Krone einzugreifen. Keane heißen diese neuen Himmelsstürmer - namentlich Tom Chaplin (Vocals), Tim Rice-Oxley (Piano, Bass), Richard Hughes (Drums) - und richtig gelesen, die Burschen aus dem englischen Seebadeort Hastings verzichten tatsächlich auf Gitarren! Dass das Trio mit seinem Debütalbum „Hopes And Fears“ trotzdem bzw. gerade deswegen für die bezauberndsten 45 Minuten Popmusik seit langer Zeit sorgt und von der englischen Presse ausnahmsweise zurecht in den Himmel gelobt wird, ist eine der Überraschungen des Musikjahres 2004.

Chaplin, Hughes und Rice-Oxley trafen sich 1997 an der Hastings Secondary Schule, wo sie eine Band gründeten. Für öffentliche Auftritte waren die Drei lange Zeit viel zu schüchtern und unsicher, sodass sie erst sechs Jahre später ihre Livefähigkeiten als Band unter Beweis stellten. Bei einem Akustik-Konzert in einer Mini-Bar war dann zufälligerweise „Fierce Panda“ Labelchef Simon Williams anwesend, der die Jungs bat, eine Single bei seiner Plattenfirma zu veröffentlichen. „Everybody`s Changing“ (2003) hieß der Track, ein sentimentales Tribut an die Isolation jedes Menschen. Eingespielt und abgemischt in kleinen Zimmern irgendwelcher Privathäuser, und nicht etwa in einem teuren Studio, kämpfte sich der Song ans Licht der Öffentlichkeit und schließlich auf die Playlists bei der BBC. Moderator Steve Lamacq bezeichnete Keane „… als eine wilde Mixtur aus dreckigem Coldplay und verwirrtem Beautiful South“. Die Sunday Times pries sie als ein „3½minütiges Popparadies“ an und sogar der NME verglich sie mit einer 80er-Jahre-Version von Radiohead.

Doch die eindeutigsten Parallelen weißt der Keane-Sound zu Travis und Coldplay, evtl. auch zu den etwas überschätzten Starsailor auf. Die Songs sind trotz ihrer hymnischen Refrains und der bildhaften Lyrics nie überfrachtet oder bombastisch. Die Melodien sind schlicht und einfach schön – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Keane kommen als Songschreiber direkt auf den Punkt, ohne irgendwelche Experimente einzugehen bzw. sich in Soundeffekten zu verfransen. Alles wirkt klar, aber nicht billig. Melancholie und Pathos stehen einträchtig nebeneinander. Kurz gesagt: Popmusik in Reinkultur.

„Hopes And Fears“ bietet elf Songs ohne einen einzigen Ausfall und Potenzial für eine ganze Hand voll Hitsingles. Melodietrunkene Kleinode, von denen man sich mit Wonne berieseln lässt. Und das in geballter Form. So gehört die erste Hälfte des Albums fraglos zu den großartigsten Augenblicken im BritPop seit Coldplays „A Rush Of Blood To The Head“ (2002). Und selbst wenn sich Keane zur Halbzeit etwas verschnaufen, drehen sie am Ende noch mal richtig auf und hauen mit „Untitled 1“ ein atmosphärisches Meisterwerk raus, das sinnbildlich für die Qualität des gesamten Albums steht. Ein funkelnder Diamant mit einem fast perfekten Schliff.

Anspieltipps:

  • She has no time
  • Bend and break
  • This is the last time
  • Everbody’s changing
  • Somewhere only wee know
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