Vanessa Carlton - Harmonium - Cover
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Vanessa Carlton Harmonium


  • Label: A&M/Universal
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Man kennt das Spielchen: Sehnsüchtig erwartet man das neueste Album seines Lieblingskünstlers, das im Ausland schon längst erhältlich ist, in Deutschland aber erst in einigen Monaten erscheinen soll. Aus Vorfreude bestellt man sich eine teure Import-CD, nur um nicht noch länger warten zu müssen. Doch Obacht! Nicht immer muss man tief in die Tasche greifen, um an solche Alben heranzukommen.

Als heißblütiger Fan sollte man ruhig mal einen Blick in die Regale der hiesigen Plattenhändler werfen, denn oftmals werden vermeintliche Import-Alben klammheimlich - also ohne Werbung - auf den Markt gebracht und erst später, wenn es der Marketingplan zulässt, als Neuveröffentlichung beworben. Solche Kapriolen gibt es nur in der Musikindustrie. Und wenn es nicht so ärgerlich wäre, könnte man glatt drüber lachen. Aktuelles „Opfer“ dieser Praxis: „Harmonium“, das ersehnte Zweitwerk von Vanessa Carlton, dem inzwischen 24-jährigen Shootingstar aus Pennsylvania.

Vanessa Carlton zog mit 17 Jahren zusammen mit einer Freundin nach New York, um sich einer Karriere als Musikerin zu widmen. Sie hielt sich mit einem Job als Bedienung über Wasser, spielte nachts in Clubs und verschickte eifrig Demo Tapes an die großen Plattenfirmen des Landes. Das A&M-Label nimmt die singende Pianistin unter Vertrag und veröffentlicht 2002 ihr Debütalbum „Be Not Nobody”, das sich respektabel verkauft und einige Hitsingles abwirft. „Be Not Nobody” ist zwar kein besonders tiefgründiges Werk, bietet aber unverbrauchte Melodien mit kindlich naiven Flair. Das neue Album „Harmonium“ nimmt den Faden des Vorgängers ungebrochen auf liefert erneut elf unbeschwerte Popsongs mit ansprechender Pianobegleitung ab. Die Stücke klingen auch für den geübten Hörer frisch und sind kompositorisch durchaus anspruchsvoll.

Zusammen mit Produzent Stephan Jenkins hat Vanessa Carlton wiederum sämtliche Lieder selbst geschrieben und eingespielt, sodass sie stilistisch sofort als Vanessa-Carlton-Songs ausgemacht werden können. Die Mischung aus gefühlvollen Pianoparts und der charakteristischen Stimme, die noch immer einen leicht kindlichen Touch hat, kann also bereits nach dem zweiten Album als Markenzeichen festgehalten werden. Eröffnet wird „Harmonium“ durch die erste Singleauskopplung „White houses“, einem treibenden Stück mit Hitqualitäten, das vom folgenden „Who’s to say“ sogar noch übertroffen wird. Der Song ist eine hochkarätige Pophymne und klarer Favorit auf die nächste Singleauskopplung. Virtuoser geht es dagegen beim herausragend arrangierten „San Francisco“ zu. Der Song erzählt eine interessante Geschichte, zu der ein Streichorchester aufspielt, das vom schönen Pianospiel Vanessa Carltons begleitet wird.

Der gefühlvolle Einsatz des Pianos setzt auf „Harmonium“ die entscheidenden Fixpunkte, die das Album von der breiten Masse abhebt und selbst etwas schwächeren Stücken noch einen Hauch des Besonderen gibt. Darüber hinaus muss man konstatieren, dass sich Carlton und Jenkins bei den Kompositionen einfach mehr getraut haben und damit mehr Esprit als beim Debüt versprühen. Das beweist, dass Songs wie „C’est la vie“, die mit vertrackter Rhythmik und sexy Vocals zu gefallen wissen, durchaus zu reduzierten Pianosongs in bester Tori-Amos-Manier („Papa“, „She floats“) und unbekümmerten Pophits („Private radio“) passen. „Harmonium“ ist deshalb die erhoffte Weiterentwicklung eines Jungstars, der zusammen mit der stilistisch verwandten Delta Goodrem („Innocent Eyes“) potenziell in der Lage wäre, die legitime Nachfolge von Tori Amos anzutreten.

Anspieltipps:

  • White houses
  • Private radio
  • Who’s to say
  • San Francisco
  • The afterglow
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