Seven Mary Three - DisLocation - Cover
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Seven Mary Three DisLocation


  • Label: DRT Entertainment/Soulfood
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Obgleich es nun schon fast zehn Jahre her ist, dass Seven Mary Three mit ihrem ersten Majoralbum „American Standard“ (1995) einen Klassiker des Alternative Rock in die Geschichtsbücher zementierten, erwartet man noch immer jedes neue Album des Quartetts aus Virginia mit großer Spannung. Und das, obwohl man seit dem bahnbrechenden Majordebüt nicht mehr viel Erbauliches aus dem Lager der Herren Jason Ross (Vocals, Gitarre), Thomas Juliano (Gitarre), Casey Daniel (Bass) und Giti Khalsa (Drums) gehört hat.

„American Standard“ basierte auf dem Independent-Release „Churn“ (1994), das durch lokale Radiohits von sich Reden machte und die großen Plattenfirmen des Landes anlockte. Als man 7M3 am Hacken hatte, wurden einige der alten Songs für „American Standard“ neu aufgenommen. Diese sorgten mit ihren griffigen Melodien und dynamischen Riffs für einen Raketenstart in den Billboard Charts, mit unsterblichen Hits wie „Cumbersome“ und „Waters edge“. Leider konnten 7M3 ihr Songwriter-Niveau in der Folgezeit nicht auf diesem hohen Level halten. Zudem enthielten die Werke „Rock Crown“ (1997), „Orange Ave“ (1998) und „The Economy Of Sound“ (2001) auch keine größeren Singlehits mehr, sodass die Plattenfirma die Reißleine zog und den Vertrag mit der Band auflöste. Doch 7M3 gaben nicht auf und werkelten im Untergrund weiter. Dank des Internets vermeldete man immer wieder kleine Lebenszeichen, bis man im letzten Jahr über die Band-Homepage eine neue 7M3 Demo-EP zum Kauf anbot, die auch an Plattenfirmen verschickt wurde, um einen neuen Vertriebsdeal zu ergattern.

„Welcome Race Fans“ (2003), so der Titel der EP, war der Relaunch der auf Eis liegenden Karriere, die nun mit einem neuen Studioalbum namens „Dis/Location“ wieder auf Kurs gebracht werden soll. Zwar ist diesmal alles eine Nummer kleiner (Der Vertrieb „DRT Entertainment“ ist eben kein Majorlabel) und ein Europa-Release steht weiterhin in den Sternen, doch die Welt ist in Zeiten des Internets zu einem Dorf geworden und die Beschaffung eines Import-Albums stellt kein Problem mehr dar.

Zusammen mit Produzent Brian Paulson (Beck, Cracker, Dinosaur Jr., Wilco) spielte man im Chase Park Transduction Studio und in Andy Baker’s Studio in Athens, Georgia zwischen Januar und Februar 2004 elf neue Songs ein, die in kompakten 39 Minuten eine Rückkehr zum erdigen Rocksound aus den Anfangstagen der Band einläuten. Entwickelten sich Seven Mary Three in den 90er Jahren immer weiter weg von den harten Klängen des Alternative Rock, hin zu eher gemäßigten Klängen aus der Abteilung „Live meets R.E.M.“, gehen die Burschen auf ihrer siebten CD deutlich kerniger zu Werke. Zornige Rockklumpen („Bark no bite”) gehen Hand in Hand mit satten Riff-Rockern („Found my center”, „Made to be broken“) und energiegeladenen Speedbolzen („Settle up“, „Dislocated“). Trotzdem haben es 7M3 nicht verlernt, charttaugliche Melodien zu schreiben. Eingängige Rocksongs, wie „Blue letter“ oder die erste Singleauskopplung „Without you feels“ sind erstklassiges, amerikanisches Rock-Radio-Futter, mit dem sich auch heuer die Hitparaden knacken lassen sollten. Zwar gönnt sich die Band auch auf diesem Album ein, zwei klitzekleine Durchhänger („By your side“, „Where are you calling from?“), die aber nicht weiter ins Gewicht fallen.

„Dis/Location“ ist unterm Strich ein gelungenes Comebackalbum, mit dem sich Seven Mary Three in einer größeren Öffentlichkeit zurückmelden. Die CD beweist, dass die Band nichts verlernt hat wieder zu den Top 10 des Alternative Rock gezählt werden kann. Von einem Meilenstein á la „American Standard“ ist „Dis/Location“ allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Aber wenn 7M3 am Ball bleiben, ist vielleicht schon das nächste Album wieder ein echter Knaller.

Anspieltipps:

  • Settle up
  • Dislocated
  • Blue letter
  • Oceans of envy
  • Without you feels
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