The Calling - Two - Cover
Große Ansicht

The Calling Two


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
3/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Two” – welch doppeldeutiger Albumtitel. Nicht nur dass es sich um das zweite Album von The Calling handelt, nein, auch die halbe Band wurde gefeuert, sodass es sich bei der kalifornischen Softrock-Gruppe inzwischen nur noch um das Duo Alex Band (Vocals, Keyboards) und Aaron Kamin (Gitarre, Percussion, Bass, Piano) handelt. Feine Sache. So bleibt auf jeden Fall mehr von den zu erwartenden Tantiemen übrig. Doch Billy Mohler (Bass) und Nate Wood (Drums) sind nicht freiwillig gegangen. Erst vor Gericht konnte den beiden der Abschied versüßt werden. Schöner Stress für eine Band, die erst seit ein paar Jahren existiert und noch nicht wirklich viel auf die Beine gestellt hat.

Jetzt schauen die verbliebenen Musikanten reichlich ernst vom Backcover der CD, als würde die gesamte Last der Welt auf den Schultern der Schwiegermutterlieblinge lasten. Dazu faselt die offizielle Bio noch den Standardsatz von gereiften Künstlern. Und schon wieder ballt sich die Faust in der Tasche des Rezensenten - wie damals, als er das Debütalbum „Camino Palmero“ (2001) nach mehrmaligem Hören aufgrund schier unerträglicher Weichspülermusik fassungslos zur Seite legte. Songs, für die sich selbst Bon Jovi, die Könige des Softpops, schämen würden, machten vor drei Jahren den Eindruck einiger hochklassiger Kompositionen völlig zunichte. Die berühmten Ecken und Kanten wurden nicht etwa geglättet – es gab sie gar nicht erst. Daher der Wunsch nach etwas mehr Abwechslung und weniger glatt produzierten Radiohymnen. Und jetzt das.

„Two“ macht exakt dieselben Fehler wie sein Vorgänger. Bereits nach einem Drittel der Spielzeit dreht sich die Songwriterkunst von Alex Band und Aaron Kamin im Kreis. Ständige Wiederholungen der immergleichen Songstrukturen machen „Two“ zu einer echten Leidenstour. Traurig, aber wahr. Das Duo verschießt gleich zu Beginn seine gesamte Munition mit den starken Openern „One by one“ und „Our lives“. Danach geht es im steilen Sinkflug in die Untiefen melodischer Halbballaden, die klingen, als wurden sie günstig bei Jon Bon Jovi eingekauft. Ausschuss von Rudis Resterampe quasi. Diese Leier ziehen die beiden bis zum Ende durch, sodass man am Schluss gar behaupten kann, dass die meisten Songs auf „Two“ selbst fürs Mainstream-Radio zu glatt sind.

Nein, meine Herren. Diesen honigsüßen Kleister braucht, außer ein paar The-Calling-Hardcore-Fans, niemand! Wer sein hart verdientes Geld für CDs ausgeben möchte, sollte deshalb tunlichst die Finger von diesem Album lassen. Und jetzt, liebe Calling-Freunde, wetzt die Messer. Oder seid ihr genauso schlapp wie eure Vorbilder?

Anspieltipps:

  • If only
  • Our lives
  • One by one
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
7.5/10

Colors
  • 2017    
Diskutiere über „The Calling“
comments powered by Disqus