Nightwish - Once - Cover
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Nightwish Once


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 60 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist schon erstaunlich, welche Entwicklung Nightwish seit ihrem Debüt „Angels Fall First“ durchlebten.

Es gibt Rezensionen, die schiebt man ewig vor sich her. Aber nicht etwa weil das zu besprechende Werk total übel ist und der Kritiker keinen Bock hat, sich die CD mehrmals am Stück anzuhören, sondern weil der geneigte Rezensent von der Wucht des ihm angetragenen Albums schier erschlagen ist. Verantwortlich für den (positiven) Bombast: Nightwish, die finnischen Symphonic-Metaller, die Anfang Juni ihr sechstes Studioalbum „Once“ in die Läden stellten und damit die Hitparaden in ganz Europa stürmten.

Es ist schon erstaunlich, welche Entwicklung Tuomas Holopainen (Keyboards), Tarja Turunen (Vocals), Emppu Vuorinen (Gitarre), Jukka Nevalainen (Drums) und Marco Hietala (Bass) seit ihrem Debüt „Angels Fall First“ (1997) durchlebten. Mit beständig guten Alben und stetigem Touren hat sich das Quintett vom Insidertipp aus dem finnischen Örtchen Kitee zum europaweit agierendem Top-Act im Symphonic-/Gothic-Segment gemausert. Vor allem die Deutschen stehen auf Nightwish und kauften das letzte Album „Century Child“ (2002) fast sensationell in die Top 25 der Media Control Charts. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Inzwischen haben Bands wie Evanescence und Within Temptation mit demselben Rezept – weibliche Sängerin, klassische Sounds treffen auf fette Metal-Gitarren – großen Erfolg und drohen den Vorreitern aus Skandinavien den Rang abzulaufen. Nightwish befinden sich unterdessen seit Ende 2002 in einer lang angekündigten Schaffenspause, während ihr Label Drakkar rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2003 die DVD „End Of Innocence“ veröffentlicht. Damit ist der Vertrag der Finnen mit Drakkar erfüllt und die Band zieht zum Metal-Label Nuclear Blast um, nachdem sich sämtliche Majorlabels um Nightwish balgten.

Mastermind Tuomas Holopainen schreibt inzwischen an neuem Songmaterial, das Nightwish zwischen November 2003 und März 2004 in den Finnvox Studios in Helsinki aufnehmen. Mit dem Labelwechsel hat die Band endlich mehr Geld zur Verfügung. Man investiert ca. 200.000 Euro in die Aufnahmen, zu denen man auch nach London fliegt, wo das „London Session Orchestra“ (u.a. „Herr der Ringe“-Trilogie) unter Aufsicht von Produzent Pip Williams (Uriah Heep, Status Quo) zu einigen Songs voluminös aufspielt. Weitere 200.000 Euro werden in die Produktion eines Videoclips zur ersten Singleauskopplung „Nemo“ investiert. Am Ende steht mit „Once“ ein Album, das zum bisherigen Meisterwerk der fünf Finnen avancieren sollte, bei dem die Grenzen des Machbaren gesprengt wurden. Songs, für die bis zu 180 Spuren verwendet wurden, um auch wirklich jeden Piepser einzeln auf Band zu haben. Songs, die dem Hörer im ersten Augenblick die Luft zum Atmen rauben und wie elf kleine Soundtracks mit umso größerer Wirkung fungieren.

„Once“ ist nach „Century Child“ der logische nächste Schritt und ein Vorstoß in neue Klangdimensionen. Schon der Opener „Dark chest of wonders“ fegt wie ein apokalyptischer Feuersturm durch die Boxen, der das Kunststück vollbringt, brett-harte Metal-Gitarren mit Tarja Turunens dramatischer Stimme und einer liebreizenden Melodie zu verbinden. Die zweite Singleauskopplung „Wish I had an angel“ kommt mit einem Disco-Drum-Beat in Rammstein-Manier und knüppelharten Bässen daher, zu denen Tarja im Duett mit Marco Hietala singt. „Nemo“, die erste Single, mit dem wunderschönen Pianothema, kennt man bereits aus Funk, Fernsehen und den Top 10 der deutschen Single-Charts. Besser kann Gothic-Metal anno 2004 kaum klingen. „Creek Mary’s blood“ ist ein episch angelegtes 8½-Minuten-Stück über die Kultur der Indianer, zudem man sich den Lakota-Indianer John Two-Hawks ins Studio einlud, der einige Flöten-Parts und einen Sprechpart übernahm. Der Song überzeugt mit einem grandiosen Aufbau und einer tollen Mischung aus akustischen und orchestralen Klängen. Sehr dramatisch – wie Filmmusik – bollert „The siren“ aus den Lautsprechern. Dazu rattern Stakkatoriffs und Tarja trällert in bester Opernsängerinnenmanier. Äußerst sphärische Klänge, gekoppelt mit breitwandigen Keyboard-Flächen und coolen Metal-Riffs präsentiert „Dead gardens“. Ein echter Powerbolzen ist dagegen das theatralisch arrangierte „Romanticide“, das mit Siebenmeilenstiefeln in den 10minütigen Albumhöhepunkt „Ghost love score“ mündet, bevor „Once“ mit dem finnisch gesungenen „Kuolema tekee taiteilijan“ und der wundervollen Akustik-Halbballade „Higher than hope“ ausklingt.

Nightwish haben noch mal einen draufgelegt und sich auch mit Album Nummer 6 gesteigert. 60 Minuten perfekt arrangierte Power-Symphonic-Metal, der absolut keine Konkurrenz zu scheuen braucht –das ist die Umschreibung für ein Werk, das schon bald zu den Klassikern des Genres gezählt werden darf. Experimentierfreudige Parts stehen neben gradlinigen Metal-Riffs, die von einer unglaublichen Instrumentierung zusammengehalten werden. Besser geht’s kaum noch!

Anspieltipps:

  • Nemo
  • Dead gardens
  • Ghost love score
  • Creek Mary’s blood
  • Dark chest of wonders
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