Kevin Martin And The HiWatts - The Possibility Of Being - Cover
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Kevin Martin And The HiWatts The Possibility Of Being


  • Label: Tympanic Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Fünf Jahre lang war er im Rock-’N’-Roll-Himmel. Dann kam der Abstieg. Und nach weiteren fünf Jahren ist er wieder da: Kevin Martin, ehemaliger Songschreiber und Sänger der Post-Grunge-Combo Candlebox, die zwischen 1993 und 1998 mit drei überaus starken Alben für das Madonna-Label Maverick über fünf Millionen Tonträger absetzen konnten. Doch wie kam es dazu, dass einer der talentiertesten Rockmusiker der 90er-Jahre so lange von der Bildfläche verschwinden konnte? Wie so oft waren Drogen schuld an der Misere. Doch es war nicht Kevin Martin, der in den Drogensumpf rutschte, sondern seine Bandkollegen von Candlebox, die auf der Tour zum vielleicht besten Candlebox-Album „Happy Pills“ (1998) zu sehr dem weißen Pulver zusprachen und die Band im Mai 1999 zugrunde richteten.

Da es sich mit dem verdienten Geld recht komfortabel leben ließ, war von den Seattle-Rockern fortan nichts mehr zu hören. Doch irgendwann wurde die Kohle knapp. Kevin Martin kämpfte zwei Jahre darum, aus dem Vertrag mit Maverick Records herauszukommen. Dazu kam die Scheidung von seiner Frau und plötzlich war das Vermögen verbraucht. Kevin Martin besann sich zurück auf die Musik und schrieb ein Soloalbum, dass Mitte 2002 auf dem kleinen Label Gold Circle Records erscheinen sollte. Doch die Firma ging Pleite, sodass es weitere sieben Monate dauerte, bis Martin die Rechte an seinen Songs zurückhatte. Er gründete daraufhin mit seinem Kumpel Colin Lizzard das Label Tympanic Records, das sein erstes Soloalbum „The Possibility Of Being“ über das Internet vertreiben sollte. Dass man damit nicht unbedingt reich werden kann, berichtet Martin: „Im Moment verkaufen wir täglich ca. zehn CDs über unsere Website. Dazu kommen jede Woche ungefähr 50 bis 60 Einheiten, die einige wenige Händler absetzen“. Deshalb ist der Shouter auch auf der Suche nach einem Majorlabel, um das Werk im großen Stil unters Volk zu bringen.

Eingespielt hat Martin das Album zwischen Februar und März 2002 mit seinem alten Produzenten-Weggefährten Kelly Gray (Nevermore, Candlebox, Queensryche). Als festes Line up standen ihm Robbie Allen (Gitarre) und Colin Duchin (Drums) zur Verfügung. Inzwischen besteht Kevins Martins Band aus fünf Köpfen und firmiert unter dem Namen The HiWatts. Sean Hennesy und Chris Mudget bedienen die Gitarren, Adam Kury, bekannt als Songwriter für diverse Fernsehserien (Dawson’s Creek, Party Of Five, Beverly Hills 90210), ist als Bassist tätig und Colin Duchin bedient wie gehabt das Schlagzeug. Zehn Jahre nach dem Grunge-Boom, versucht dieses Quartett nun den Sound der Neunziger neu zu beleben.

Dass Kevin Martin noch immer zu den begnadetsten Metal- und Rocksängern zählt, zeigt schon der Opener „Amedia“, ein gradliniger Alternative Rocksong, den Martin mit seinem leicht heiseren Organ zielsicher in den Rock-Adelsstand erhebt. Es folgt mit „If we could“ die erste Singleauskopplung, die als atmosphärische Stadionhymne mehr als solides Radiofutter für amerikanische Verhältnisse abgibt. „Identify“ ist ein treibender Song mit einem hyperventilierendem Kevin Martin, der seine Stimme in ungewohnte Höhen treibt. Das auch textlich sehr interessante „Enemy“ ist ein hochgradig groovender Rocksong der Extraklasse und das opulente 5½-minütige Schlussstück „The lovers“ gerät zu einer kleinen Rock-Oper, inkl. fetten Streichern und extra-dramatischem Songaufbau. Allerdings hat „The Possibility Of Being“ – vor allem im Mittelteil –auch ein paar kleine Schwächen zu verkraften. So kommt „I“ als verhältnismäßig schwacher Live-Abklatsch daher. „Thoughtless innuendos“ ist eine akustische Halbballade mit zu deutlichen Led-Zeppelin-Referenzen (Vocals, Harmonien, Gitarrenlicks) und „Restless“ ist eine Schunkelhymne im 80er-Jahre-Stil.

Dadurch reicht es nur knapp zu einer 7-Punkte-Wertung, die sich das Album mit einem halben Dutzend starker Songs allerdings auch redlich verdient hat. Kevin Martin belegt, dass er nichts von seinem Talent eingebüßt hat und auch zehn Jahre nach den großen Erfolgen mit Candlebox immer noch in der Lage ist, herausragende Rocksongs mit Tiefgang zu schreiben.

Anspieltipps:

  • Emeny
  • Amedia
  • If we could
  • The lovers
  • Telepathic rock & roll
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