Kings Of Leon - Aha Shake Heartbreak - Cover
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Kings Of Leon Aha Shake Heartbreak


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Followill-Bande hat ihren Sound gehörig überarbeitet.

Wer aus dem Stand eine Million Tonträger absetzt und als das nächste große Ding abgefeiert wird, zieht automatisch Neid und Missgunst auf sich. Dann wird ein Album plötzlich und ohne Grund schlecht geredet und als mieser Abklatsch abgetan. Na klar, Hype-Alarm! Da kann man schon mal die Polemik-Keule auspacken. Doch muss das wirklich sein? Ist es nicht vielmehr so, dass die drei Followill-Brüder Caleb (Vocals, Gitarre), Nathan (Drums) und Jared (Bass) sowie ihr Cousin Matt (Gitarre) mit ihrem Debütalbum „Youth And Young Manhood“ (2003) eine der besten Rockplatten des vergangenen Jahres abgeliefert haben, was schlicht und ergreifend honoriert werden sollte?

Egal. Warum über Vergangenes streiten? Frei nach Olli Kahn geht es schließlich weiter, immer weiter. Und auch die Kings Of Leon merkten, nachdem die vier Burschen aus Memphis, Tennessee mit ihrem Ausnahmealbum 1½ Jahre um die Welt tourten, dass es Zeit für einen Nachfolger wurde. Deshalb zog sich die Band in ein Häuschen in Mount Juliet, am Old Hickory Lake zurück, um dort an neuen Songs zu arbeiten. Und schon nach einem Monat hatten die Kings Of Leon genug Material zusammen, um ein neues Album aufzunehmen. Dieses geschah im „3 Crows“-Studio ihres Produzenten Ethan Johns in Los Angeles, wo in weiteren sechs Wochen der Nachfolger zu „Youth And Young Manhood“ fertiggestellt wurde. Selbstverständlich wurden wieder sämtliche Stücke live eingespielt, wobei die Kings Of Leon wiederum von ihrem Kumpel Angelo betreut wurden. Und das, obwohl sie nicht immer mit dem Endergebnis des Vorgängers zufrieden waren. Aber für die Vier stand der besondere Geist während der Aufnahmen an erster Stelle. Denn Ethan und Angelo muss man nicht lange erklären, wie die Band ihre Songs aufnehmen möchte.

Nichtsdestotrotz hat die Followill-Bande ihren Sound gehörig überarbeitet und auf „Aha Shake Heartbreak“ das grandiose Tempo von „Youth And Young Manhood“ überwiegend gegen groovige Midtempo-Tracks getauscht. Das ist zwar nicht wirklich schlecht, benötigt aber wesentlich mehr Zeit, um beim Hörer im Langzeitgedächtnis anzukommen. Ob es bei dem vorliegenden Album allerdings zum sprichwörtlichen „Grower“ reicht, darf bezweifelt werden. Denn wo das Debüt noch schweißtreibenden Southern-Rock mit Blues und Retro-Rock paarte, schielen auf Album Nummer 2 viel zu oft angestaubt klingende Black-Crowes-Anleihen („Four kicks“) und mittelprächtige Balladen („Rememo“) durch. Da heißt es erst mal schwer schlucken. Tatsächlich fragt man sich das eine oder andere Mal, wo die rotzige Energie des Erstlings geblieben ist, denn auch die vermeintlich schnellen Songs wie „Slow night, so long“ und „Kings of the rodeo“ klingen etwas eigenartig. Etwa wie eine Mischung aus den Strokes (Gitarren) und den Red Hot Chili Peppers (Gesang). Für die richtige Stimmung muss man die Lautstärke deshalb ziemlich aufdrehen, ansonsten würde das Dutzend neuer Tracks ohne Wiederhaken an einem vorbeirauschen.

Damit war wirklich nicht zu rechnen: Nach ihrem heißblütigen Debüt bleiben die Kings Of Leon auf „Aha Shake Heartbreak“ trotz einiger sehr guter Songs („Taper jean girl“, „Pistol of fire“, „Razz“) merkwürdig blass. Liegt es daran, dass das „Next big Thing“ bereits zur Gewohnheit verkommen ist oder sind Tracks der Marke „Milk“ und „Soft“ (ein Stück über Erektionsstörungen) einfach nur langweilige Groove-Rocker, die schon vor 25 Jahren keinen Hund hinterm Ofen hervorlockten? Eigentlich will ich das gar nicht so genau wissen, denn nach dem furiosen Debüt kann „Aha Shake Heartbreak“ nur als mittlere Enttäuschung gewertet werden. Eine ziemlich bittere Erkenntnis.

Anspieltipps:

  • The bucket
  • Pistol of fire
  • Day old blues
  • Taper jean girl
  • So night, so long
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