Beastie Boys - To The 5 Boroughs - Cover
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Beastie Boys To The 5 Boroughs


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Verdammter Teufelskreis. Da kauft der geneigte Fan säckeweise CDs von seinem Lieblingskünstler, um ihn damit reich zu machen, und dieser hat nichts Besseres zu tun, als seelenruhig die verdiente Kohle auszugeben, anstatt sich um die Produktion eines neuen Albums zu kümmern. Auch bei den Beastie Boys (Adam „Ad Rock“ Horovitz, Adam „MCA“ Yauch und Mike „D“ Diamond) geht aus ähnlichen Gründen schon seit Jahren nichts mehr voran. Ihr letztes Studioalbum „Hallo Nasty“ (1998) hat inzwischen sechs Jahre auf dem Buckel. Danach ging das Trio ein Jahr auf Tour, veröffentlichte 1999/2000 die Karriere-Werkschauen „Sounds Of Science“ und „Beastie Boys Video Anthology“ und tauchte anschließend für drei Jahre komplett ab.

Nachdem die Beastie Boys ihr eigenes Plattenlabel Grand Royal schließen mussten, zogen sie 2002 aus ihrer Wahlheimat Los Angeles zurück nach New York. Sie richteten sich in Manhattan ein neues Studio ein („Oscilloscope“) und begannen mit Unterbrechungen an ihrem nächsten Album zu arbeiten. Doch auch wenn aus den ehemaligen Proll-Rap-Clowns inzwischen Grammy dekorierte, ernstzunehmende Musiker geworden sind, die zwar immer noch gerne von Girls, Partys und Saufen rappen und diverse Rap-Klischees bedienen, avancierte ihr neues Werk nach der Rückkehr in die Heimat nicht zu einem Konzeptalbum über New York. Trotzdem haben es die Beastie Boys nicht nehmen lassen, durchaus brisante politische Themen in ihren neuen Songs zu behandeln. Und so wird auf der neuen CD ordentlich vom Leder gezogen: Irak-Krieg, George W. Bush, Afghanistan, Umweltzerstörung. Die Beastie Boys lassen kaum ein Thema aus. Vorbei die Zeiten, als auf dem Cover ihres Debütalbums „Liscenced To Ill“ (1986), das von dem aufstrebenden Jung-Produzenten Rick Rubin betreut wurde, auf witzige Weise ein Flugzeug in einen New Yorker Wolkenkratzer krachte. Bei solchen Bildern bleibt heutzutage nicht nur den New Yorkern das Frühstück im Mund stecken.

Auf ihrem neuen Album „To The 5 Boroughs“ (eine Art Hommage an die fünf großen Bezirke New Yorks: Bronx, Brooklyn, Queens, Staten Island und Manhattan) geben die Beastie Boys den New Yorkern zurück, was man ihnen am 11. September 2001 geraubt hat. Das äußerst ansprechende Cover zeigt die New Yorker Skyline – und wie selbstverständlich die Twin Towers des World Trade Centers, „ohne die das Cover einfach komisch ausgesehen hätte“ (Adam Yauch). Aber die drei Rapper sind nicht Bruce Springsteen. Und deshalb ergeht sich die Platte nicht in Wehklagen, sondern eröffnet mit „Ch-check it out”, „Right right now now“ und „3 the hard way“ gleich mit drei partykompatiblen Dance-Tracks ohne großen Schnickschnack. Schon hier zeigt sich: „To The 5 Boroughs“ ist eine Rückbesinnung auf die Anfänge der Beasties in den frühen 80er Jahren. Echte Instrumente sind kaum zu hören. Dafür pumpt der Bass aus dem Computer, zischen und rascheln die Scratches, überschlagen sich Samples und Loops - und die Stimmen von „Ad Rock“, „MCA“ und „Mike D“.

Die 15 Songs klingen wie aus einem Guss und stilistisch näher an „Paul’s Boutique“ (1989) als an „Ill Communication“ (1994). Nun hat die Retro-Bewegung also auch den HipHop erreicht. Anders ist das puristische Treiben auf diesem Werk nicht zu beschreiben. In gerade mal 42 Minuten streifen die Beastie Boys die gesamte Bandbreite des HipHop/Rap, wobei die meisten Songs nicht über die 2½-Minuten-Marke hinausgehen. Dadurch bekommt das Album ein eigenes Tempo, bei dem die Drei Elektro-Gefrickel („It takes time to build“), Nonsens-Tracks („Shazam!”), Gangsta-Rap-Anleihen („Rhyme the rhyme well“), Groove-Monster („Oh word?“) oder schlichte Liebesbezeugungen an „ihre” Stadt („An open letter to New York”) verarbeiten. Auf eine Weise ist das große Kunst – unterm Strich aber nur mit gut zu bewerten.

Ähnlich, wie das von der Kritik gefeierte Zweitwerk „Paul’s Boutique“, überzeugt „To The 5 Boroughs“ durch inhaltliche Geschlossenheit und einen unwiderstehlichen Flow. Da lässt sich auch das Fehlen großartiger Single-Tracks wie „No sleep till Brooklyn“, „Sabotage“ und „Intergalactic” verschmerzen. Gegen den musikalischen Parcoursritt von „Ill Communication“ kommen die neuen Songs allerdings nicht an. Verglichen mit dem ´94er-Werk mutet „To The 5 Boroughs“ dann doch wie ein Konzeptalbum an. Wenn schon nicht inhaltlich, dann wenigstens in der musikalischen Grundausrichtung, denn mehr Old School, als auf dieser CD, geht kaum.

Anspieltipps:

  • Hey f*?# you
  • 3 the hard way
  • Ch-check it out
  • Rhyme the rhyme well
  • An open letter to New York
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